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Depeche Mode in Berlin: Die 21 meistunterschätzten Songs

Am 23. und 25. Juli beschließen Depeche Mode ihre „Global Spirit“-Welttournee mit zwei Konzerten in der Berliner Waldbühne. Das Vorprogramm für die Auftritte absolvieren die deutschen Electro-Punker von DAF.

Wir können es kaum erwarten und listen 20 Perlen und Geheimtipps, die Depeche Mode schon sehr lange nicht mehr, nie oder zu selten live aufgeführt haben. Ein Wunschtraum, natürlich, denn die Setlist der Band variiert während einer Tournee kaum. Aber wenn wir uns mal etwas aussuchen dürften …

Die 20 meistunterschätzten Songs, in chronologischer Reihenfolge:

01. Any Second Now (Voices) (1981)

„Voices“ im Titel, weil es auch eine „Instrumental“-Fassung gibt. Der Song etablierte Martin Gore als denjenigen Vokalisten, der für die Balladen zuständig ist, während Dave Gahan die schnelleren Stücke singt, von da an meist im Albumtrack-Verhältnis 1:4.

Warum führt Gore „Any Second Now“ heute nicht mehr auf? Vielleicht gefällt es ihm nicht mehr, wahrscheinlicher ist, dass er keine Werke seines ehemaligen Band-Chefs Vince Clarke solo vortragen will. Der wird hier als Komponist geführt.

02. Get The Balance Right! (1983)

Die Keyboard-Melodie trillert nahezu schwindelerregend, dieser Song handelt tatsächlich von der richtigen Balance – aus Eigennutz und Wohltat. Die Single bereitete für Depeche Mode den großen Blick aufs Ganze vor, Wirtschaft und Soziales global, wie im bald kommenden „Everything Counts“.

„Get The Balance Right!“ fügt sich in die Reihe großer Single-Only-Veröffentlichungen ein, zu denen „Shake The Disease“ und „It’s Called A Heart“ gehören. Diese frühen Stücke wirkten wie Statements. Spätere Single-Onlys wie „Only When I Lose Myself“ oder „Martyr“ erschienen nur wie übrig gebliebenes Session-Material, mit denen man die auf vier Jahre angeschwollene Wartezeit von Album zu Album überbrücken wollte.

03. Love, In Itself (1983)

Die Keyboard-Trompeten, Gores dezenter Einsatz einer Akustik-Gitarre und ein schräges Solo am Ende ergeben eine ihrer besten frühen Singles. Gahan singt „Now I find / That most of the time / Love’s not enough / In itself“, die Abkehr von den mit viel Bedeutung aufgeladenen Liebesliedern wie „The Meaning Of Love“ vom Vorgänger-Werk „A Broken Frame“. Allein das Komma im Titel wirkt etwas zu bemüht literarisch.

Depeche Mode sind sehr wählerisch, was die Live-Darbietung von Songs vor „Black Celebration“ 1986 angeht, und „Love, In Itself“ hat gegen den Albumkonkurrenten „Everything Counts“ sowie gegen „Leave in Silence“ oder „Just Can’t Get Enough“ leider keine Chance. Und als von Peter Gordeno auf dem Keyboard begleitete Solonummer kann man es sich schwer vorstellen.

04. It’s Called A Heart (1985)

Ein bisschen gedrechselt ist die Formulierung schon, „There’s something beating here inside my body / And it’s called a heart“. Aber die Ablehnung Martin Gores, der den Song nicht mag, teilen die meisten Fans zum Glück nicht.

Zwischen „Some Great Reward“ und „Black Celebration“ erschien diese Standalone-Single, und sie bildete eine perfekte Brücke zwischen den Industrial-Klängen der ersteren und den getupften, aber nicht minder düsteren der darauf folgenden Platte. Mit „Fly On The Windscreen“ enthielt sie zudem eine B-Seite, die derart mächtig war, dass Depeche Mode sie für „Black Celebration“ als Albumtrack neu aufnahmen. Ein für sie seltener, vielleicht einzigartiger Vorgang.

Für Improvisationen ist auf DeMo-Konzerten nie Platz, die Maschinen ließen sich wohl auch nicht einfach so umprogrammieren. Aber allein die Vorstellung, welche Begeisterungsstürme „It’s Called A Heart“ auslösen würde, spielten sie es nach 32 Jahren mal wieder live …

05. World Full Of Nothing (1986)

„Her first boy / His first girl / Makes a change / In a world full of nothing“ – Gore singt aus der Perspektive von Teenagern, die tatsächlich daran glauben, das Liebe die Welt verändern kann.

Der heimliche „Black Celebration“-Höhepunkt gehört seit 1990 nicht mehr zum inneren Kreis der Gore-Standards, die traditionell in der Mitte der Depeche-Mode-Konzerte stattfinden (im Gegensatz etwa zum „Black Celebration“-Song „It Doesn’t Matter Two“). Vielleicht, weil Gore die Naivität nicht mehr nachempfinden kann. In späteren Liedern wie „The Child Inside“ blickt er eher traurig auf seine frühen Jahre zurück.

Während der „World Violation“-Tour gehörte „World Full Of Nothing“ zum Set, überhaupt war der Gore-Block dieser Tour, bei dem der Komponist seine Songs überwiegend alleine auf der Akustikgitarre brachte (auch „Here Is The House“), der vielleicht überzeugendste ihrer Chronik. Die heutigen Versionen mit Peter Gordeno an den Tasten gleiten oft ins Theatralische ab, auch, weil Gore selbst dann oft beide Hände freihat. Er ist besser, wenn er selbst ein Instrument bedient.

06. Sacred (1987)

Die von Gore oft verwandte Geschichte des falschen Predigers, der Enthaltsamkeit predigt, aber vor irdischer Schönheit auf die Knie geht. Zu Anfang singen Gahan und Gore tatsächlich im Chor, im Taktschlag einer Glocke.

Auf „Music For The Masses“ hat „Sacred“ den undankbaren Platz als Track vier,  zwischen der Single „Strangelove“ und dem bombastischen „Little 15“. Nach der 1987er-Tour wurde der Song eingemottet, auf dem Live-Album „101“ aus der Rose Bowl von Pasadena durfte er noch ein letztes Mal glänzen.

07. Nothing (1987)

Wenige Gore-Texte sind so nihilistisch, so poetisch und gleichzeitig pointiert wie dieser: „Life / Is full of surprises /It advertises /Nothing“. Es gibt einen Single-Mix (US 7“ Mix), also anscheinend für den amerikanischen Markt, der als B-Seite von „Strangelove“ mitgeliefert wurde. Mit seinem zeitgeistigen House-Beat ist er der Albumversion jedoch unterlegen.

Der dem Rhythmus angepasste Wassertropfen erinnert an die Experimente mit Alltagsklängen aus „Some Great Reward“, und er steht natürlich auch für die vermeintliche Monotonie des Lebens.

08. Pleasure, Little Treasure (1987)

Als „unseren Rock’n’Roll-Song“ bezeichnete Andy Fletcher diesen CD-Bonustrack bzw. B-Seite, der als eine der wenigen überhaupt von Depeche Mode live gespielt wurde. Auf dem „101“-Livealbum ist Gahans euphorische „Guitar!“-Ansage zu hören. Nach der Mitte des Sets wurde es auch mal Zeit, dass Gore sich das Instrument umschnallt.

Im selben Jahr erschien mit „Route 66“ auch ihre Coverversion des Klassikers von Bobby Troup. Es kündigte sich an, dass die Band sich in eine neue Richtung bewegen würde.

09. Sibeling (1990)

Die Klavier-B-Seiten „Memphisto“ und „Sibeling“ werden oft dem ausgebildeten Pianisten Alan Wilder zugeschrieben, komponiert wurden sie jedoch von Martin Gore. So oder so zeigen diese Gemeinschaftsarbeiten, Planung und Umsetzung, wie wichtig das Duo für Depeche Mode gewesen ist. Man darf dieser Zeit ruhig hinterhertrauern.

Beide Stücke sind Mini-Dramen, das Kopfkino zeigt den düstersten, sich vorzustellenden Film.

10. Sea Of Sin (1990)

Dave Gahan hat jüngst diesen Song als einen derjenigen bezeichnet, hinter denen er heute gar nicht mehr stehen kann. Er findet den Text peinlich: „Sea of sin / I’m swimming in /
And I’m taking a dive“. Die Sinnbilder mit Eintauchen, Schwimmen oder Hineingleiten in den „See“, also körperliche Vereinigung, sind vielleicht abgegriffen. Aber Depeche Mode wären nun wirklich nicht die ersten mit solchen Umschreibungen, jeder macht so was mal, und viel cleverer ist der Text von etwa „Strangelove“ auch nicht: „Strangelove / Strange highs and strange lows / Strangelove / That’s how my love goes.“

Der Song bildet eine Einheit mit …

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