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Zum Tod von Regisseur Bernardo Bertolucci: Der Träumer

Bernardo Bertolucci ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Das berichten italienische Medien am Montagmorgen (26. November).

Mit „Der letze Tango in Paris“ (1972), „Der Himmel über der Wüste“ (1990) und „Der letzte Kaiser“ (1987) erregte der italienische Filmregisseur großes Aufsehen. Für letzteren erhielt er insgesamt neun Oscars.

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In den letzten Jahren war es um Bertolucci stiller geworden, wenngleich er mit dem elysischen „Die Träumer“ noch einmal Ernst machte und eine neue Generation für seine durchaus persönliche Sicht auf die Revolutionsgebärden der 68er zu gewinnen versuchte.

Kooperation

Erster Erfolg mit Pier Paolo Pasolini

Geboren 1941 in Parma und aufgewachsen im provinziellen Baccanelli, kam Bertolucci früh mit Kunst und vor allem Literatur in Berührung. Bereits mit sechs Jahren schrieb er Gedichte, strebte später eine Karriere als Schriftsteller an. Für seine ersten Berührungen mit dem Kino sorgte unter anderem Pier Paolo Pasolini, der ein Freund der Familie Bertolucci war. Ihm half er dann auch als Regieassistent bei dessen Filmdebüt „Accattone“ aus.

Bereits mit seinen ersten Filmen in den 60ern, darunter das noch von Pasolini geschriebene Debüt „La Commare Secca“ (1962), demonstrierte Bertolucci, gerade einmal 21 Jahre alt, dass er sich als politischer Regisseur verstand. Seine oft von Umbruch und gesellschaftlichen Unruhen gekennzeichneten Geschichten schienen auch geprägt von seiner Faszination für den Marxismus. Bereits sein zweites Werk nannte er „Vor der Revolution“ (1964).

In den 70er-Jahren gelang dem Italiener endgültig der internationale Durchbruch. Die großen Stars standen Schlange, um mit ihm zu drehen, so etwa Jean-Louis Trintignant in „Der große Irrtum“ (1970) und Marlon Brando in „Der letzte Tango in Paris“ (1972). Das schwül-erotische Psycho-Kammerspiel begründete Bertoluccis Weltruhm und versammelt viele seiner immer wiederkehrenden Erzählmotive (Identitätskonflikt, gestörte Sexualität, Tod). Viele Jahre später behauptete die damals noch sehr junge Schauspielerin Maria Schneider, dass sie auf Anweisung des Regisseurs am Set vergewaltigt und misshandelt worden wäre, was den Film – ohnehin ein Skandalklassiker – noch einmal ins Rampenlicht brachte. Bertolucci stritt alle Anschuldigungen ab.

Marlon Brando und Maria Schneider in einer Szene aus „Der letzte Tango in Paris“
Marlon Brando und Maria Schneider in einer Szene aus „Der letzte Tango in Paris“

Gewaltige Bilder, viel Melodram

Vielleicht ist „1900“ (1976) das wuchtigste, konsistenteste Werk des Italieners: In dem fünfstündigen Monumentalfilm mit Darstellergrößen wie Roberto De Niro, Gérard Depardieu und Burt Lancaster versinnbildlicht Bertolucci die Historie Italiens der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zur Entwicklung des Faschismus anhand der Freundschaft zwischen einem unehelichen Bauernsohn und dem Spross eines Großgrundbesitzers. Die auch lyrische Filmerzählung brachte die von Bertolucci genutzten filmischen Mittel – ihre Opernhaftigkeit, ihre Tendenz zum Melodram – auf den Höhepunkt, wenngleich die Tendenz des Regisseurs zur psychologischen Simplifizierung seiner Charaktere mehr als deutlich wurde. Doch Bertolucci ging es immer um die Bilder, um das große, zuweilen auch esoterische Ganze. „Der letzte Kaiser“ (1987), „Himmel über der Wüste“ (1990) und „Little Buddha“ entwickelten sich auch deshalb schnell zu Kassenerfolgen – wegen ihrer hochtrabenden Besetzung und der Erfüllung der Publikumssehnsucht nach überlebensgroßen Panoramen.

Zum Ende seiner Karriere – ein Rückenleiden hatte ihn fast ein Jahrzehnt aus dem Geschäft geworfen – erfüllte sich Bertolucci noch einmal einen Traum und drehte mit „Ich und Du“ (2012) mit kleinem italienischen Team ein intimes Kammerspiel um Leben und Tod, das an die Triebenergie und Leidenschaftlichkeit seiner Frühwerke anknüpfte, allerdings keine große Aufmerksamkeit mehr erregte.

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