Der Triumph britischer Schwermut: Echo & The Bunnymen veröffentlichen „Ocean Rain“


Echo & The Bunnymen: „Ocean Rain“ (Remastered + Live-Tracks, 2003) ****

The Waterboys. ABC. Aztec Camera. Und Echo & The Bunnymen. Alle nicht mehr ganz jung im Jahr 1984 – aber dieses Jahr sollte noch einmal zum Triumph nördlicher britischer Schwermut werden. Noch war „Porcupime“ das Album der Stunde, die dritte Platte der Bunnymen, als das Quartett in Paris arbeitete, im „Studio Des Dames“, das den Geist von Jacques Brei atmete (und den von Scott Walker). Will Sergeant beschreibt, wie er und Bassist Les Pattinson durch die Straßen gingen und auf Peter O’Toole und Peter Seilers in „What’s New Pussycat?“ machten. Das Französische bedeutete für die Burschen aus Liverpool vor allem schwarze Kleidung, verschatteten Blick – und Streicher. Die ließen sie von ein paar alten Einheimischen fiedeln.

Der Sänger mit der Turmtrisur, Ian McCulloch, tauchte natürlich ebenfalls tief in diese Klischees und sang (in einem Studio in Kirkby!) fast so tiefstimmig wie Walker Ende der Sechziger. Ihr Doppel-Gitarren-Sound wurde zurückgenommen, Atmosphäre bekam Raum, und neben vielen sehr guten Stücken schrieben sie ein unvergängliches: „The Killing Moon“, das hier in der „All Night Version“ von neun Minuten ergänzt wurde. „Ocean Rain“ klingt noch immer wie damals — epigonal, brüchig, heillos romantisch, ein bisschen Jim Morrison, der ja auch nach Verlaine (allerdings weniger nach Wilde) suchte. Der Hall in dem alten Studio sei so wichtig gewesen, schreibt Sergeant. Sie wollten ihn so gern mitnehmen.

Die späteren Alben zeigten, dass Hall und Magie in Paris geblieben waren. Die Bunnymen trennten sie, kamen dann wieder zusammen. Es blieben „The Killing Moon“ und Konzerte wie jenes in der Royal Albert Hall 1983, das hier auf der zweiten CD dokumentiert ist. „In a starlit night I saw you…“ Gott, wenn man noch einmal zurückkehren könnte in die dunkelblauen Tage von „Ocean Rain“!

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