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Die meistüberschätzten Filme aller Zeiten (5): Das Leben der Anderen

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Die meistüberschätzten Filme aller Zeiten (5): Das Leben der Anderen

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ROLLING STONE präsentiert: Die meistüberschätzten Filme aller Zeiten. In unserer Serie stellen wir Werke vor, die gut sind, aber nicht so gut, wie die meisten Kritiker finden (“Fitzcarraldo”); Werke, die weniger klug sind als gedacht (“Blade Runner”); sowie Werke, die einfach nur weh tun (“True Romance”, den natürlich nur jemand wie Tony Scott drehen konnte). Teil fünf:

Das Leben der Anderen (Florian Henckel von Donnersmark, 2006)

Die Deutschen sehnen sich anscheinend immerzu nach Bestätigung für das, was sie tun. Hätte Volker Schlöndorff nicht mit der „Blechtrommel“ (1979) in der Kategorie ‚Bester ausländischer Film’ den Oscar gewonnen, ja wer hätte denn außerhalb von Deutschland annehmen können, dass hierzulande auch bedeutungsvolles Kino gemacht wird?

Nun, auch dem Stasi-Drama „Das Leben der anderen“ gelang dieses ‚Kunststück’ und verschaffte seinem Regisseur für einen Moment den Ruf, so etwas wie das Wunderkind eines neuen deutschen Films zu sein: Einer, der immerhin für ein Quantum Hollywood-Flair sorgt. Als würde einfach vergessen, dass im Ausland vor allem Filmemacher wie Fatih Akin, Andreas Dresen oder die Vertreter der Berliner Schule für die Qualitäten deutschen Weltkinos neueren Datums einstehen. Natürlich bekam Florian Henckel von Donnersmark die Einladung in die Staaten – und versemmelte mit „The Tourist“ alle Hoffnungen, die wohl vor allem er selbst in sich gesetzt hatte.

“Das Leben der Anderen” ist die Mutter aller kitschig-verklärender Historienfilme, die es sich zum Ziel gesetzt haben, einen Schlussstrich unter Episoden der deutschen Geschichte zu setzen

„Das Leben der Anderen“ wurde als aufklärerischer, geradezu hellsichtiger Historienfilm gefeiert; im Überschwang der positiven Kritiken erkannte man darin sogar die Vivisektion eines kommunistischen Unrechtsstaates, wie sie in der Geschichte des Kinos kaum ein zweites Mal vorkommt. In Wahrheit ist das zweifellos berührende Melodram, das der Freiheit eines humanistischen Weltgeistes etwas beschwipst von der eigenen Bedeutung zuprostet, auch dafür verantwortlich, dass seitdem unzählige Filme ins Kino („Der Baader Meinhof Komplex“, 2008) und vor allem ins Fernsehen („Unsere Mütter, unsere Väter“, 2013) kommen, die mit viel Pomp und Pathos einen Schlussstrich unter die deutsche Geschichte ziehen wollen.

Hinfort mit Schuldgefühlen, zurück zur Schicksalsgemeinschaft. Endlich dürfen die Täter sich auch ein wenig wie Opfer fühlen, vor allem dann, wenn einige wenige Herzensmenschen der Kühle kleingeistiger Regime-Roboter entgegentreten.

Die Vergangenheit wird zum Imaginarium für „die großen Gefühle“ – und Ulrich Mühe symbolisiert mit seinem melancholisch-nachdenklichen Gesicht die Betroffenheit eines ganzen Volkes, das mit den Widrigkeiten des DDR-Alltags entweder nichts zu tun haben will oder es aus biographischen Gründen sentimental verklärt („Es war nicht alles schlecht!“).

Holzschnittartige Figuren und eine Handlung, die sich wie Kaugummi zieht

Mühes subtile und zurecht gefeierte Darstellung des Stasi-Hauptmanns Gerd Wiesler übertüncht von vornherein, wie holzschnittartig die anderen Figuren angelegt sind. Sebastian Koch, inzwischen längst auch im Ausland ein bekanntes Gesicht, spielt einen Gutmenschen völlig ohne Ambivalenz. Immerhin vergisst der Film nicht, dem von der sentimentalen Musik Gabriel Yareds gebannten Zuschauer mit vielfachen Anspielungen an Brecht und der „Sonate vom guten Menschen“ auf diesen Umstand hinzuweisen. Martina Gedeck dürfte sich in der Rolle seiner einfältigen Ehefrau schauspielerisch fast so unterfordert gefühlt haben wie in Oskar Roehlers misslungener Houellebecq-Verfilmung „Elementarteilchen“ (2006).

Vielleicht hatten die Berlinale-Veranstalter doch einen Grund, warum sie „Das Leben der Anderen“ 2006 nicht zum Wettbewerb zuließen: Wie Hitchcock in “Der zerrissene Vorhang” (1966) ließ es sich Henckel von Donnersmark nicht nehmen, die DDR als graugetöntes Fantasie-Dystopia zu zeichnen. Das Stasi-Drama verschleiert den Umstand allerdings etwas gekonnter, in dem es die Erzählung von einem jederzeit zwiespältigen Hyperrealismus antreiben lässt.

Hier zählen die Regeln des Horrorfilms mehr als ein schonungslos realistischer Blick auf die Vergangenheit. Und natürlich ist alles etwas zu lang geraten; zuletzt zieht sich der Film wie Kaugummi, nur weil die sentimentale Schlusspointe zwangsläufig Jahre nach der eigentlichen Handlung in ein Buchgeschäft führen muss. Was uns der Autor damit eigentlich sagen will: Du brauchst eine gute Geschichte, um die Unwägbarkeiten der Geschichte hinwegzufegen.

Weitere überschätzte Filme:

Close Encounters Of The Third Kind (Steven Spielberg)

Full Metal Jacket (Stanley Kubrick)

Blade Runner (Ridley Scott)

Das Omen (Richard Donner)

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