Die besten Doppel-Alben aller Zeiten: Erykah Badu – „Mama’s Gun“


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Es gibt nicht viele Stimmen, die aus dem Meer der Stimmen auftauchen und die Oberfläche durchdringen. 1997 gehörte diese Stimme Erykah Badu, ihr erstes kreatives Lebenszeichen hieß „On & On“. Badus Stimme wand sich um einfaches Geklöppel und eine rudimentäre Melodie, sie sang unfassbar viele Wörter, wie man es sonst nur von akrobatischen Rappern kannte, und man hatte keine Ahnung, wovon sie sang (von wie Steine rollenden mystischen Zahlen und der Fütterung des Geistes zum Beispiel). Badus Debütalbum, natürlich „Baduizm“ betitelt, führte den Neosoul aus der Aseptik der Endneunziger in die jazzy Rhythmik der Roots. Deren Schlagzeuger, Questlove, war einer der Produzenten (und brachte Ron Carter mit), und er sollte auch drei Jahre später wieder dabei sein (und diesmal Roy Ayers mitbringen), als Erykah Badu das schwierige zweite Album aufnahm.

Schwierig, weil zweite Alben, die auf große Debüts folgen, keine leichte Aufgabe sind, und schwierig, weil ein neues Millennium anbrach und Badu ihren Punkt bereits im alten gesetzt hatte. Eine gute Idee also, ein Sequel zu ihrem allerersten Track einzubetten. „… & On“ reflektiert auf lässige Weise die Einwände gegen ihre afrozentristische Mystik (die sie allerdings erst in den Folgejahren richtig ausleben sollte): „What good do your words do / If they can’t understand you/ Don’t go talkin’ that shit, Badu, Badu.“ Dazu benötigt sie nicht weniger Wörter als zuvor, aber auf „Mama’s Gun“ sind sie klarer. „Bag Lady“ erzählt von der Selbstermächtigung einer Afroamerikanerin, „Didn’t Cha Know?“ vom Fehlermachen und -verzeihen. Nicht weniger als 14 Stücke bietet Badu auf, alle toll, alle unterschiedlich und alle die Tradition des 70er-Jahre-Soul aufgreifend, von Sly Stone bis Stevie Wonder, die ganze Breite und Fülle.

Erykah Badu eröffnet „Mama’s Gun“ mit einer genuschelten To-do-Liste („I have to write a song, warm up the apartment, I need to take my vitamin“), die sie dem musikalisch retrospektivsten Moment des Albums voranstellt, der ausladenden Funk-Rock-Nummer „Penitentiary Philosophy“. Ein Opener, der einen dicken Schlussstrich unter den Minimalismus von „Baduizm“ zieht. Danach wird es smoother. Ein anderer Vergleichspunkt ist D’Angelos im selben Jahr im Electric-Lady-Studio aufgenommenes Album „Voodoo“, das sich ebenfalls der antiken Analogtechnik des berühmten New Yorker Produktionsraums bedient. Selten stand Retro deutlicher im Hier und Jetzt als auf diesen beiden Doppelalben. Es ist, als hätte sich uralte Musik über eine lange Traditionslinie ins neue Millennium hinein verändert und verästelt wie das ihr Werk grundierende Thema Rassismus, das, obwohl verästelt und erforscht, noch immer als ungelöste Frage in Amerikas Gegenwart steht. Und Amerikas Mythos und Gegenwart sind Badus Lebensthema. Nie wieder wird sie sich ihm so konkret und hoffnungsvoll widmen wie hier, mit dem meist ungetrübten Blick einer Feministin und Worten der Ermutigung: „I guess nobody ever told you/ All you must hold on to/ Is you, is you, is you.“


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