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Die besten Doppel-Alben aller Zeiten: The Cure – „Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me“


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Nach zwei Jahren Studiopause, der bis dato längsten, kehrten The Cure sogleich mit ihrem ersten Doppelalbum zurück. Schon der – damals noch nicht anstößige – Arbeitstitel „1.000.000 Virgins“ offenbarte Getriebenheit. Er zeigte wohl, dass Robert Smith Lieder als Tabula-rasa-Wesen betrachtete, die er mit Sexualität ausfüllen könnte. Sein Jauchzen und Stöhnen waren neu und ungewohnt.

Für ihr bis heute vielleicht bedeutendstes Werk gingen The Cure erstmals in ein ausländisches Studio, das Miraval in der 900-Seelen-Gemeinde Correns. Spuren der südfranzösischen Riviera-Hitze finden sich im Funk von „Hot Hot Hot!!!“ oder dem Voodoo-Flair von „The Snakepit“.

Entstanden sind poetische Traumdeutungen („If Only Tonight We Could Sleep“) und mit „Just Like Heaven“ der wohl populärste Cure-Song, der sich um Hyperventilation und Ohnmacht dreht. Dennoch war auch Negativität eine Triebfeder. Umfänglich wird der Entfremdung („How Beautiful You Are“) und Gewaltandrohungen Platz eingeräumt – „Shiver And Shake“ und „Icing Sugar“ behandelten die Frage, ob sich der alkoholkranke Kindheitsfreund und Co-Musiker Lol Tolhurst loswerden lässt, indem man ihn bei den Aufnahmen anschreit.


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Die größte Besonderheit dieses Doppelalbums aber liegt in der Abwesenheit jeglichen Erzählflusses zwischen den Liedern. Die 18 Songs verbindet kein roter „Kiss Me“-Faden, keine auf- und abschwellende Dramaturgie. Die Sequenzierung erscheint erfrischend willkürlich, und wer im damals anbrechenden Digitalzeitalter die CD im Zufallstrack-Modus hörte, stieß auf selbst konstruierte, aber nicht weniger sinnhafte Zusammenhänge.

Viele ihrer Alben haben The Cure schon in ganzer Länge aufgeführt – dieses wunderschöne Monster wartet noch darauf.


Die besten Doppel-Alben aller Zeiten: Can – „Tago Mago“

„One-eyed soul, mushroom head. One-eyed soul, mushroom head. I was born. And I was dead.“ Die Improvisationen der Kölner Band klangen anders als die endlosen, gitarrenbasierten Jams von amerikanischen Psychedelic-Rockern wie The Grateful Dead oder Quicksilver Messenger Service. Can spielten weniger Töne, hatten nie Ambitionen, ihre Virtuosität zur Schau zu stellen. Dafür entfachten sie ein unberechenbares Brodeln, einen eigenwilligen Funk voller irrlichternder Sounds. Voodoo-Rhythmen, Free-Jazz-Praktiken und eine gute Portion Psycho-Performance verschmolzen mit profunden Kenntnissen der zeitgenössischen Neuen Musik. https://www.youtube.com/watch?v=4Up6Mw5SxJM Im über 17-minütigen „Aumgn“ ist der Einfluss von Karlheinz Stockhausen, bei dem Irmin Schmidt und Holger Czukay in Köln Komposition und Musik…
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