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Die besten neuen Netz-Serien, Teil 3: Wie gut ist „True Detective 2“?

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Die besten neuen Netz-Serien, Teil 3: Wie gut ist „True Detective 2“?

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Das hat man davon. Man schafft ein verdammtes Meisterwerk – und dann muss man schauen, was man als Nächstes macht. Nach der ersten Staffel „True Detective“ war schon klar, dass die nächste ganz anders werden würde. Statt Matthew McConaughey und Woody Harrelson sind jetzt zwei andere kaputte Typen am Werk: Colin Farrell spielt den korrupten Cop Ray Velcoro, Vince Vaughn den ebenso unseriösen Unternehmer Frank Semyon. Ab dem 21. Juni läuft die Serie bei Sky Go und Sky Anytime, vorab konnten Journalisten nur die ersten drei Folgen sehen, doch so viel ist schon mal sicher: Das neue Duo ist etwas gewöhnlicher, aber nicht weniger gestört als das alte.

„True Detective 2“ ist eher Thriller als Film noir. Statt kryptischer Dialoge und religiöser Symbolik setzt Nic Pizzolatto diesmal offensichtlich auf eine klassischere Cop-Geschichte. Und dank Rachel McAdams gibt es noch eine dritte starke Rolle – vielleicht die größte Überraschung. Wie trocken das einstige Hollywood-Sweetheart diese Polizistin spielt, die nicht nur mehrere Waffen, sondern auch eine komplizierte Vergangenheit mit sich herumträgt! Wie sie mit einem Blick ihren Kollegen einmacht! Wie sie Ray erklärt, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern sei, dass das eine das andere mit bloßen Händen töten könne. Nicht die messerbewehrte Ani Bezzerides allerdings: „Man of any size lays hands on me, he’s gonna bleed out in less than a minute.“ Worauf Ray betont, er unterstütze den Feminismus. Unbedingt! Viel mehr Humor gibt es nicht, hier hat kaum einer was zu lachen. Eigentlich könnte die Serie auch „Depressing Detective“ heißen. Die Atmosphäre in Kalifornien ist zwar nicht so schwül-bedrohlich wie es die in Lousiana war, aber wieder spiegelt die Landschaft die Gesellschaft: Die endlosen Straßen betonen die Einsamkeit, die vielen Abzweigungen führen bloß weiter in die Leere. Nur eines scheint sicher zu sein: Am Ende gewinnt wieder mal keiner.

Piloten, die viel versprechen

„True Detective“ ist ein klassisches HBO-Produkt, das man über Sky Anytime und Sky Go allerdings jetzt schon jederzeit und unterwegs gucken kann (synchronisiert läuft es im regulären Sky-Atlantic-HD-Programm erst im Herbst) – und macht damit den Netflix-Serien „House Of Cards“ und „Orange Is The New Black“ durchaus Konkurrenz. Es gibt aber auch bei Amazon Prime Instant Video einige Serien, die demnächst zum Schaurausch einladen. Etliche Piloten wurden bereits vorgestellt, drei davon sind besonders vielversprechend:

„Hand Of God“

Schon im August soll „Hand Of God“ anlaufen, Regie führte Marc Forster („Monster’s Ball“). Die erste Folge lieferte bereits mehr Drama als manche Serien in einer Staffel. Der zwielichtige Richter der Pernell Harris (Ron Perlman) hat ein Erweckungserlebnis und glaubt nun, er sei von Gott auserkoren, um der Welt Gerechtigkeit zu bringen. Seine Frau (Dana Delany) sieht das etwas anders. Dazu kommt noch ein Sohn, der im Koma liegt, und – viele weitere Details, die Spannung versprechen. Aber an sich reicht das Paar Perlman/Delany ja schon aus, um Qualität zu garantieren.

"Hand Of God"
„Hand Of God“ mit Dana Delany und Ron Perlman

„The Man In The High Castle“

Was wäre, wenn die Alliierten den Zweiten Weltkrieg verloren hätten? Dieser Dystopie ging 1962 Philip K. Dick in seinem Roman „Das Orakel vom Berge“ nach, und jetzt wurde eine Serie daraus: „The Man In The High Castle“ spielt in einem Amerika, das zwischen Japanern und Deutschen aufgeteilt wurde – und natürlich gibt es alles, was man sich da so vorstellen kann: böse Nazis, clevere Spione, aufrechte Amerikaner, verschlagene Kollaborateure – und zwischen gewaltigen Kulissen so viele finstere Machenschaften, dass einem das Blut in den Adern gefriert.

"The Man In The High Castle"
„The Man In The High Castle“

„Mad Dogs“

Wer das britische Original gesehen hat, wird den drolligen Figuren ein bisschen hinterhertrauern, auch wenn die amerikanische Variante, ebenfalls von Cris Cole geschrieben, durchaus amüsant ist: Ein Angeber (Billy Zane) lädt vier Freunde in seine Villa nach Belize ein, wo sie aus Tapsigkeit und Geldgier in einen Strudel der Gewalt geraten. Das chaotische Kumpel-Quartett ist mit Michael Imperioli (einst Christopher bei den „Sopranos“) und Steve Zahn gut besetzt, und lustigerweise ist Ben Chaplin, der in der UK-Version den Aufschneider spielte, jetzt in einer anderen Rolle wieder dabei. Den wunderbaren Max Beesley kann zwar keiner ersetzen, doch die Serie tänzelt immer noch leichtfüßig und voller Witz von Katastrophe zu Katastrophe.

"Mad Dogs"
Die US-Variante von „Mad Dogs“
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