Die Farbe des Geldes

Ich habe mal eine Frage an die amerikanischen Fernsehserienmacher: Wie kommt es, dass sämtliche Toiletten in Restaurants, in denen die Protagonisten spontanen Geschlechtsverkehr haben, grundsätzlich blitzblank, geräumig, gemütlich, indirekt beleuchtet und so bequem sind, dass eine schnelle Nummer noch begehrenswerter wird? Ganz abgesehen davon, dass niemals ein anderer Gast des Restaurants die fragliche Toilette frequentiert – was auch erklärt, weshalb uns in der Wirklichkeit noch nie ein eiliger Akt auf dem Waschbecken begegnet ist.

Die Nussnougatfarbigkeit der Waschräume fiel schon bei „Ally McBeal“ auf, wo sie zudem beiden Geschlechtern offenstanden, was die Angestellten der Anwaltskanzlei nutzten, um intime Gespräche (etwa mit dem imaginären Barry White) auf der Toilette zu führen. Sie hätten dort auch Sushi essen, Konferenzen abhalten und ihre Prozesse führen können. Fast alle Anwaltsserien sind nussnougatfarben. Zu ihnen gesellt sich jetzt „House Of Lies“, eine gehobene Sitcom, die fast ausschließlich in Innenräumen spielt: Sie handelt von dem unnützen Beruf des Unternehmensberaters und schöpft erheblichen Witz aus der Tatsache, dass die ohnehin offenkundige Nutzlosigkeit auf absurde Spitzen getrieben wird, sodass der sprichwörtliche kleine Mann mal wieder sagen kann: „Ja ja, die da oben! Die Belegschaft wird reduziert, aber für ein paar überbezahlte Blender ist immer noch Geld da!“

Und so ist es. Don Cheadle war bisher der freundliche, der verständige Schwarze: In „Hotel Ruanda“ rettet er die Seinen vor den Schrecken des Bürgerkriegs und organisiert schlitzohrig die Schmiermittel für seine feudale Herberge, in der Schwarze bisher nur als Domestiken (oder reiche Gäste aus dem Ausland) geduldet wurden. Nun ist Cheadle eine charmante Arschgeige mit einem Team, das er bei Dr. House geborgt haben könnte: der tölpelhafte Zahlen-Nerd, der abgebrühte Jude, die junge Blondine – alles klar! Gleich in der ersten Folge hat Cheadle Sex mit seiner Ex-Frau Monica in einer nussnougatfarbenen Wohnung, woraufhin der altkluge Sohn zum Frühstück kommt – ein Standard seit den Screwball-Komödien mit Cary Grant.

Kooperation

Zu diesem Genre gehörte allerdings auch die Kunst der Andeutung, des Weglassens – auf diese versteht sich „House Of Lies“ leider nicht. Die Darsteller sprechen mit doppelter Geschwindigkeit und erklären alles; es ist nachgerade verblüffend, wie inflationär in den angeblich prüden USA „fuck“ in allen Variationen gesagt wird. Oder könnte es sein, dass es so häufig nur in Fernsehserien gesagt wird?

In der ersten Folge ringt Cheadle als Marty Kaan mit der mächtigeren Agentur seiner Ex-Frau um einen Auftrag. Greg Germann, der notorische Säftler aus „Ally McBeal“, ist wiederum eine giftige Echse, wird aber gedemütigt, als seine Freundin von einer von Kaan zum Abendessen mitgeschleppten Prostituierten geradezu gewalttätig angesprungen wird. Am nächsten Tag wendet der windige Schwätzer das Blatt mit einem forschen Vortrag. Nebenbei führt Kaan telefonisch einen fortgesetzten Schlagabtausch mit der stoischen Schulleiterin: Sein Sohn Roscoe entwickelt auffälliges Interesse an Kosmetik, Kleidung und Frauenrollen bei Schulaufführungen. Auch das Schulleiterinnenbüro ist nussnougatfarben.

Das Beraterteam reist natürlich immerzu und zieht Rollkoffer hinter sich her, es tut dies mit jener Leichtigkeit, die wir von George Clooney aus „Up In The Air“ kennen und aus dem wirklichen Leben vielleicht von Giovanni di Lorenzo. Weil etwas Virtuelles verkauft wird, braucht es eigentlich nur eine gute Geschichte, an die alle glauben wollen. Und weil also Storytelling die Profession dieser Schwadroneure und Manipulatoren ist, funktioniert das Storytelling von „House Of Lies“ wie geschmiert.

Und doch wünscht man sich manchmal den sinistren Dramatiker David Mamet, der Sand in das Plot-Getriebe streut – und uns einen grausamen Blick in den menschlichen Abgrund hinter dem cleveren Geplänkel werfen lässt. Ab 13. Februar bei ZDFneo


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