Die Rückkehr von Harald Schmidt: Die Jahre, die wir kennen

Niemand würde etwa von Jörg Pilawa erwarten, dass er ein anderer ist, wenn er aus den Sommerferien kommt oder den Sender gewechselt hat. Niemand macht es ernsthaft Günther Jauch zum Vorwurf, dass er als treuherziger Messdiener seine Fragen abliest. Niemand stört sich am aufgekratzt kecken Sound von Maybrit Illner, verlangt Polit-Talk von Guido Cantz oder komödiantische Einlagen von Marietta Slomka. Bei Harald Schmidt simmerte die Spannung vor seiner Wiederkehr bei Sat.1 so, als würde, ja als müsste er mit zwei schütteren Sendungen pro Woche das Late-Night-Format zum vierten oder fünften Mal neu erfinden.

Zum ersten Mal erfunden hat er es 1990 mit „Schmidteinander“ im WDR und später am Samstagabend in der ARD. Dieser Klimbim aus Satire, hemmungslosem Klamauk, billigen Einspielfilmchen, Parodien aufs Fernsehen und Publikumsverhöhnung enthielt schon alles, was er später mit wechselndem Erfolg zum Einsatz brachte. Von seinem ungeliebten Partner Herbert Feuerstein – dem besten, den er je hatte – lernte er eine Form der Verzögerung und des kindlichen Sprechens, die er noch heute manchmal praktiziert. Feuerstein war der Prügelknabe, der Giftzwerg, das Faktotum, er brachte den infantilen und irren Humor der Zeitschrift „Mad“ ebenso ein wie seine Ausbildung am Salzburger Mozarteum und einige Jahre in New York und war dem verkrachten Gymnasiasten Schmidt damit überlegen. Andererseits wirkte Feuerstein ohne Schmidt stets verhärmt, beklommen, vergrätzt.

Schmidts lärmender Sarkasmus krachte fröhlich in die Abendunterhaltung. Er findet sich selbst unverstellt gut. An der Schule hatte er einer unglücklich (in ihn) verliebten Schülerin geraten: „Mädchen, nimm es leicht!“ Nun konnte er seine Kabinettstücke vom Schulhof ins öffentlich-rechtliche Fernsehen verlängern und sich über alles und jeden lustig machen. Das Säurebad von „Schmidteinander“ machte die ARD für kurze Zeit zur Avantgarde. Dann verpflichtete sie den Zyniker für „Verstehen Sie Spaß?“, wo er mit ein paar Sendungen ein Gemetzel anrichtete – das Saalpublikum beleidigte und die prominenten Gäste, sich über die holzschnittartigen Verladeaktionen lustig machte und über seine Vorgänger Paola und Kurt Felix, ein biederes Ehepaar schweizerischer Provenienz. Nach zwei köstlichen Jahren wurde Schmidt entlassen. So wurde er der Late-Night-Conferencier bei Sat.1.



Die Alben des Jahres 2019: Arne Willander

Die Alben des Jahres 2019 – von Arne Willander: Rustin Man: Drift Code Bill Callahan: Shepherd In A Sheepskin Vest Bonnie Prince Billy: I Made A Place Nick Cave & The Bad Seeds: Ghosteen Weyes Blood: Titanic Rising Alex Cameron: Miami Memory Wilco: Ode To Joy Morrissey: California Son Tindersticks: No Treasure But Hope Robert Forster: Inferno Purple Mountains: Purple Mountains Van Morrison: Three Chords & The Truth Aldous Harding: Designer Edwyn Collins: Badbea Big Thief: Two Hands Lana Del Rey: Norman Fucking Rockwell The Divine Comedy: Office Politics Lloyd Cole: Guesswork John Southworth: Miracle In The Night Ratso: Stubborn Heart Die Top 3 im Video: https://www.youtube.com/watch?v=RyrGv1d8gFk https://www.youtube.com/watch?v=tEEOWvfCuxo https://www.youtube.com/watch?v=LhMz9pvRNCQ  
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