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‚Ding Dong! The Witch Is Dead“ verpasst knapp die Nummer eins in den britischen Charts


von
Judy Garland und Freunde in ‚Der Zauberer von Oz‘, 1939

Der von einer Facebook-Gruppe als Anti-Thatcher-Statement benutzte Song „Ding Dong! The Witch Is Dead“ verpasste die Spitzenposition der britischen Singles-Charts knapp. Das Lied, 1939 eingesungen von Judy Garland für den Film „Der Zauberer von Oz“, steht derzeit auf Platz zwei, hinter „Need U“ von Duke Dumont featuring A*M*E.

Die BBC, die traditionell in ihrer Radio-1-Chartshow die jeweils aktuelle Hitliste abspielt, hat derweil für eine Kontroverse gesorgt. Die Programmdirektoren entschieden, mit „Ding Dong“ erstmals in der Sendegeschichte einen Song – der sowieso nur 51 Sekunden lang ist – nicht komplett auszuspielen. Man stellte lediglich einen Sieben-Sekunden-Schnipsel vor. Danach gab es einen Einspieler einer Radio-1-Reporterin, die in knapp 90 Sekunden die Politik Margaret Thatchers mit Pro-und Contra-Argumenten beschrieb. So, sagte die Moderatorin, wären etwa viele der Meinung gewesen, die frühere britische Premierministerin „habe sich nicht um die Armen gekümmert“; andere würden ihre „erfolgreiche Wirtschaft loben“.

Dass „Ding Dong“ nicht ausgespielt wurde, hatte viele Hörer verärgert, die die BBC anriefen. Ex-Radio-1-Marketingchef Paul Robinson: „Die Verantwortlichen haben das Ideal ihrer Sendung zerstört: dass es die Charts des Volkes sind. Die Charts gehören nicht der BBC.“

Umso ärgerlicher aber erschien vielen, dass die Rundfunkanstalt im Anschluss an ihren „ausgewogenen“ Bericht einen Song in voller Länge ausspielte, den eine Pro-Thatcher-Kampagne für ihre Zwecke einspannte: „I’m In Love With Margaret Thatcher“ der Punk-Band The Notsensibles, ursprünglich veröffentlicht 1979.

In der Musikwelt meldeten sich zum Tod Margaret Thatchers auch Künstler zu Wort. So hatte Morrissey zwei kritische Briefe verfasst. In seinem zweiten Brief vergleicht Morrissey England mit einer Diktatur. Er geht davon aus, dass Protestierende beim Begräbnis Thatchers von der Polizei mit Tränengas vertrieben werden würden: „Vereintes Königreich? Syrien? China? Wo ist da der Unterschied?“

Zu den Thatcher-Kritikern gesellte sich nun auch Johnny Marr. In zweckmäßiger, seltener Einigkeit mit seinem Ex-Smiths-Kollegen Morrissey äußerte sich Marr am Rande des Coachella-Festivals zum Tod der früheren Staatschefin. Gegenüber dem US-Rolling-Stone sagte er: „Es ist arrogant von der britischen Regierung zu behaupten, Thatcher hätte England wieder zur Großartigkeit verholfen. Denn das stimmt nicht. Ich halte das für respektlos gegenüber all den Familien, die sich bis heute nicht von ihrer Regentschaft erholt haben.“

Morrissey kritisiert die britische Presse

Marrs Ex-Kollege Morrissey kritisierte davor den Umgang der britischen Presse mit Kritikern der ehemaligen Staatschefin. Wenn man nicht „pro-establishment“ sei, so der Sänger, werde jeder hinterfragende Kommentar gleich als „explosiver Angriff“ umgedeutet. „Thatcher hat sich einen Scheiss für das Volk“ interessiert, schreibt Morrissey auf der Fanzine-Seite „True To You“, keine Politikerin habe das Volk mehr verachtet als sie. David Cameron, der jetzige Premierminister Englands, ignoriere mit seinem Gedenken an die verstorbene „Tory“-Parteikollegin die berechtigte Kritik an ihrer früheren Politik.

Bereits 1984 hatte Morrissey bedauert, dass Margaret Thatcher nicht bei einem IRA-Attentat ums Leben gekommen war. Klar, dass er nicht in Tränen ausgebrochen ist, nachdem der Tod von Margaret Thatcher verkündet worden war.

Im Gegenteil: in einem ersten, offenen Brief verfasste Morrissey für die US-amerikanische Webseite „Daily-Beast“ einen wenig schmeichelhaften Nachruf. Darin schreibt Morrissey unter anderem:

„Sie zerstörte die Britische Fertigungsindustrie, sie hasste die Minenarbeiter, sie hasste die Künste, sie hasste die irischen Befreiungskämpfer und erlaubte, dass sie starben; sie hasste die Armen in England und tat nichts um ihnen zu helfen, sie hasste Greenpeace und Umweltschützer; sie war die einzige europäische Staatsführerin, die sich gegen ein Verbot des Elfenbeinhandels aussprach, sie hatte weder Witz noch Wärme und sogar ihr eigenes Kabinett schmiss sie raus (…) Eisern? Nein. Barbarisch? Ja.“

Der Ex-Sex-Pistol John Lydon hingegen, früher einer der erbittersten Gegner des Establishments, möchte den Tod Thatchers am liebsten gar nich kommentiert wissen. „Ihre Politik war schlimm, aber ich tanze nicht auf ihrem Grab“.

LAC

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