Drake kann bei Nelly Furtados Ehrung eine jahrzehntealte Awards-Schmach nicht vergessen

Drake hielt eine rührende Laudatio auf seine „liebe Freundin“ – ließ es sich aber nicht nehmen, einen alten Juno-Awards-Groll rauszulassen. Und warb am Ende noch für sein neues Album.

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Drake hat seine „liebe Freundin“ Nelly Furtado bei den Juno Awards am vergangenen Abend (29. März) in die Canadian Music Hall of Fame aufgenommen. Seine Laudatio war herzlich, nachdenklich und bewegend – enthielt aber, ganz in klassischer Drake-Manier, auch ein paar uralte persönliche Beschwerden. Und einen Hinweis auf sein nächstes Album.

In einer Videobotschaft sprach Drake aufrichtig darüber, wie sehr Furtado ihn inspiriert habe. An einer Stelle wandte er sich direkt an die Singer-Songwriterin: „Du warst unser Nordstern. Der Beweis, dass es möglich ist. Die portugiesische Prinzessin, die mit Swollen Members 16 Bars spucken und gleichzeitig mit Timbaland ‚Maneater‘ und ‚Promiscuous‘ rausbringen konnte. Es gab keine Decken, keine Wände, keine Grenzen.“

Zu seiner Ehre sei gesagt: Der Großteil von Drakes Rede traf genau diesen Ton. Er erzählte, wie er als junger Typ ehrfürchtig die unzähligen Platten an der Wand im Büro von Furtados Manager bestaunt habe, während er selbst noch dabei war, den Sprung vom Teenie-Seifenoper-Schauspieler zum Rap-Star zu planen. Er erwähnte ihren gemeinsamen Auftritt bei einem OVO-Konzert 2022. Und er würdigte Furtados Stärke in einer von Männern dominierten Branche sowie den Respekt, den sie sich bei ihren männlichen Kollegen erarbeitet hatte.

Herzliche Worte für Furtado

„Rapper, die ich vergöttert habe – Leute wie K-os und Saukrates – haben mir nicht nur erzählt, wie gut deine Bars waren und wie talentiert du im Studio bist. Sie haben immer wieder geschwärmt, wie stark und geerdet du als Mensch bist“, sagte Drake, während die Kamera zu Furtado schwenkte, die sich eine Träne aus dem Gesicht wischte.

Und dennoch … als Drake seine Rede zu Ende brachte, konnte er es nicht lassen, den Junos noch ein paar spitze Worte mitzugeben – der Organisation, die unter demselben Dach wie die Canadian Music Hall of Fame operiert – wegen einer Awards-Schmach, die sich schon 2011 ereignet hatte.

„An die Junos: Weil ihr heute Abend eine meiner liebsten Freundinnen ehrt, werde ich euch verschonen“, sagte Drake – und verschonte sie dann doch nicht. „Auch wenn ich weiß, dass ihr immer noch an diese sechs Preise denkt, die ihr Shad gegeben habt, als ihr „Take Care“ übergangen habt – und das ausgerechnet, als ich eure 40. Preisverleihung moderiert habe. Aber hier geht es um Nelly.“

Drakes trübes Gedächtnis

Abgesehen davon, dass er das mitten in einer ansonsten ausgesprochen charmanten Hommage an Furtado einbaute – und abgesehen davon, dass ziemlich offensichtlich ist, wer hier 15 Jahre später noch an „diese sechs Preise“ denkt –, ist das Komischste an Drakes Klage, wie sehr sein Groll offenbar sein Gedächtnis vernebelt hat. Ja, er hat die Junos 2011 moderiert. Ja, er hat keinen der sechs Preise gewonnen, für die er nominiert war. Und ja, Shads „TSOL“ hat ihn in der Kategorie Rap Recording of the Year ausgestochen.

Aber Drake war 2011 gar nicht für „Take Care“ nominiert. Er war für „Thank Me Later“ im Rennen. Und 2012 gewann Drake den Juno für Rap Recording of the Year tatsächlich – für „Take Care“. (Außerdem hat Shad Drake 2011 nur in dieser einen Kategorie geschlagen; in den anderen verlor er gegen Arcade Fire, Neil Young, Justin Bieber und Young Artists for Haiti.)

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Nachdem er sich diesen Frust von der Seele geredet hatte – ganz in der Manier von Ich-bin-nicht-sauer-bitte-schreibt-nicht-dass-ich-sauer-war –, widmete Drake seine Worte wieder Furtado: „Genieß deinen Platz in der Hall of Fame. Er ist längst überfällig.“

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Statt damit zu enden, verabschiedete sich Drake – offenbar nicht willens oder in der Lage, das letzte Wort jemand anderem zu überlassen – mit den Worten: „‚Iceman‘ kommt bald.“

Jon Blistein schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil