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Blackout Tuesday

Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Doom im Zitronenbaum

Folge 204

Wie dichteten bereits die großen Philosophen von Fool’s Garden in ihrem Lied „Lemon Tree“: „Isolation is not good for me / Isolation – I don’t want to sit on the lemon tree“.

Die Welt erscheint dem sensiblen Betrachter dieser Tage als Zitronenbaum. Trefflicher lässt es sich nicht ausdrücken. Und wer im Zitronenbaum sitzt, läuft Gefahr ulkig zu werden. Zerstreuung, ja vielleicht sogar Trost seien in der Kunst zu suchen, heißt es immer wieder. Also hört man Musik, schaut Filme und liest Bücher.

„Na, wann kommt denn hier das Ordnungsamt?“

Doch hier stellt sich bald ein Problem: Der Großteil der Songs, Filme und Bücher scheint auf einem fernen Planeten zu spielen. Einem Planeten, auf dem man anderen Menschen begegnen, reisen, in Bars abstürzen, durch die Betten springen, Morde begehen, Morde aufklären, kurz: sich frei bewegen kann.

Vor ein paar Tagen erst sah ich einen Film, in dem sich in einer Szene drei Menschen in einem Café trafen. „Na, wann kommt denn hier das Ordnungsamt?“, durchzuckte es mich. Auch bei „The Good, the Bad & the Ugly“ war einer zuviel; gestern dann brach ich „Die glorreichen Sieben“ mittendrin ab, weil niemand auftauchen wollte, um den reitenden Herren zu erklären, dass von Zusammenrottungen im Namen der Ballerei und Reiterei im Augenblick dringend abzusehen ist.

Es ist ein Problem: Die Kunst scheint noch nicht über die gegenwärtige Situation in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Bleiben wir bei der Popmusik: „Dancing in the Streets“? „Walking in Memphis“? „Goin’ to Acapulco“? „Come together“? Alles keine Option. Selbst eben erst veröffentlichte Alben und Songs umweht mit einem Mal der Hauch der Nostalgie.

Corona-Krise: Ignorieren – oder Doom Metal hören

Mir scheint, es gibt es drei Möglichkeiten, dem geschilderten Problem zu begegnen. Erstens, immer gern genommen: Ignorieren. Einfach weiter Musik hören, ganz gleich welche, und die darin besungenen Verheißungen außerhäuslichen Herumspringens, Flüchtens, kollektiven Aufbegehrens oder Promiskuitierens nicht als schmerzlich klaffende Lücke zu empfinden. Haut auf Dauer leider nicht hin, da populäre Musik zu einem beträchtlichen Teil von Identifikation lebt und die besungenen Freuden nicht allzu fern und unwirklich erscheinen dürfen.



Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Keinerlei Anlass zur Güte

Folge 210 Wenn der Mensch vor lauter Gegenwart nicht mehr zum Atmen kommt, richtet er den Blick gerne in die Vergangenheit. Viele Leser dieser Kolumne dürften ihre popmusikalische Erweckung in den sogenannten Neunzigern erlebt haben und mit entsprechender Güte auf jene Ära zurückschauen. Dabei besteht zu solcher Güte keinerlei Anlass! Nehmen wir allein das Jahr 1995: gerade erst vorbei, so lange her, 25 Jahre. Zwar kamen 1995 einige Lieblingsalben Ihres Chronisten heraus (Guided By Voices’ „Alien Lanes“, Pavements „Wowee Zowee“, „Clouds Taste Metallic“ von den Flaming Lips und D’Angelos „Brown Sugar“), aber es gab eben auch den ganzen Rest, und…
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