Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Wind von der Papptafel


von

Folge 201

Papa, ist das ein Mann oder eine Frau?“, fragt meine Tochter und deutet auf ein Foto von ­Alice Cooper. Wir befinden uns in der Ausstellung „The Look Of Sound“, die ausgewählte Musikerfotos des südafrikanischen Fotografen Norman Seeff zeigt.

„Das ist ein Mann“, antworte ich und denke kurz nach. Meine Tochter, die ­gerade überwiegend HipHop hört, aber der Musik vergangener Dekaden recht ­aufgeschlossen gegenübersteht, hält offenbar alles für möglich. Das ist gut.

Norman Seef in der Zephyr-Galerie in Mannheim

Ich überlege kurz, ob ich sie informieren soll, dass nahezu alle Journalisten bei der Erwähnung des Namens Alice Cooper den ­Musiker reflexhaft als „Schockrocker“ zu bezeichnen pflegen, was ich persönlich für die antiquierteste Genrebezeichnung halte, die es gibt. Stattdessen sage ich: „Man sollte es nicht denken, aber Alice Cooper ist ein leidenschaft­licher und wohl recht guter ­Golfspieler.“

„Das dachte ich mir schon“, ­antwortet meine Tochter, „er hat ja auch einen Golfschläger in der Hand.“ Da hat sie auch wieder recht. Norman Seeff, ein ausgebil­deter Arzt mit Kunstambitionen, war 1968 als illegaler Einwan­derer in die USA gekommen. Sein erster Auftrag war eine Fotosession mit den schlecht gelaunten Mitgliedern von The Band für das Album „­Stage Fright“. Seeff versemmelte den Job: Er hatte den Blitz so ungeschickt platziert, dass er sich in dem Fenster hinter den ­Musikern spiegelte.

Hannelore Foerster Getty Images