Netta kündigt ESC in Jerusalem an – und erntet Shitstorm


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Der ESC-Sieg von Netta Barzilai mit ihrer feministischen Elektro-Nummer „Toy“ wurde nicht nur von der LGBT-Szene gefeiert, sondern auch von Israel. Selbst der Staatschef des Landes, Benjamin Netanjahu, gratulierte per Telefonanruf, übte den Hühnertanz und sprach von der neuen Stärke des Landes.

Doch die Sängerin ist kaum 48 Stunden nach ihrem Triumph beim Eurovision Song Contest bereits Opfer eines heftigen Shitstorms. Freudentrunken sagte Netta, als sie auf die Bühne in Lissabon trat: „Nächstes Mal in Jerusalem!“ Klingt zunächst simpel, denn schließlich findet das Musikevent traditionell im darauffolgenden Jahr im Land der Gewinner statt.

Doch was viele nicht wissen, ist, dass es sich dabei auch um eine Redewendung handelt, die am Ende des Yom-Kippur- und dem Pessach-Fest gesungen wird und eine strengreligiöse Bedeutung hat.

Netta Barzilai
Netta Barzilai

Jerusalem steht zudem am Montag (14. Mai) im Brennpunkt des globalen Interesses, verlegen doch die USA ihre Botschaft nach einer Anordnung von US-Präsident Donald Trump von der Hauptstadt Tel Aviv nach Jerusalem. Der symbolträchtige Umzug sorgt für gewaltsame Proteste mit vielen Verletzten und mehreren Toten.

ESC 2019: Warum nicht in Tel Aviv?

Am Abend soll Netta auf dem zentralen Rabin-Platz in Tel Aviv auftreten. Die als liberal geltende Stadt wäre natürlich der viel geeignetere Ort für den Wettbewerb, denn Jerusalem wird von den Palästinensern ebenfalls als Hauptstadt beansprucht. Die BDS-Bewegung („Boykott, Desinvestition und Sanktionen“), die sich für die Unabhängigkeit Palästinas einsetzt, protestierte sofort. Die Organisation wird sehr wahrscheinlich alle Künstler, die beim ESC auftreten wollen, unter Druck setzen, fernzubleiben.

Doch nicht nur Muslime dürften mit einer möglichen Austragung des ESC in Jerusalem ein Problem haben. Auch ultrareligiöse Juden könnten sich an der traditionellen Ausrichtung am Samstag (jüdischer Ruhetag Sabbat, endet zum Sonnenuntergang) stören. Möglicherweise könnten auch Fans des Musik-Events aus der LGBT-Szene eine Provokation für sie darstellen.

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FRANCISCO LEONG AFP/Getty Images