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Comic-Blog

Neunte Kunst: Spirou wird 80 – exklusiver Comic: „Ritt durch die Zeit“ + Verlosung


Gleich nach „Asterix“, „Gaston“ und „Lucky Luke“ lässt sich „Spirou und Fantasio“ als einer der beliebtesten Reihen der frankobelgischen und damit auch europäischen Comicgeschichte einordnen. Am 21. April 1938 tauchte Spirou zum ersten Mal in einem neuen Comicmagazin gleichen Namens auf. Zunächst geprägt vom Zeichner Robert Velter (unter dem Pseudonym Rob-Vel), wurde aus dem drögen Hotelpagen schnell ein abenteuerlustiger Chaot, der sich mit Hilfe eines Eichhörnchens (!) namens Pips durch die Weltgeschichte schlug. Während Velter schon 1943 anderen Aufgaben nachging (zwischenzeitlich hatte er sogar seine Ehefrau den Bleistift überlassen), übernahm der heute im Grunde vergessene Künstler Jijé und fügte 1943 Spirous Freund Fantasio hinzu. Der war bereits in so mancher Rubrik in dem Magazin aufgetaucht – und durfte nun den idealen Sidekick geben.

Es ist kein Geheimnis, dass„Spirou und Fantasio“ erst aufblühte und zu außergewöhnlicher Stärke und durchaus feinem Witz fand, nachdem 1946 der damals noch völlig unbekannte André Franquin übernahm. In kürzester Zeit hauchte er, anders kann man es wohl nicht sagen, den Figuren Leben ein, gab ihnen Ecken und Kanten, die vornehmlich auch aus der eigenen Biographie schöpften. Franquin war wie Spirou ein Träumer, ein phlegmatischer Überlebenskünstler – und mit „Spirou und Fantasio“ hatte er seine Lebensaufgabe gefunden, die später mit „Gaston“, auch eine Nebenfigur in den „Spirou“-Comics, noch eine vielleicht glänzendere Grundlage fand. Mit dem verschrobenen Wissenschaftler Graf von Rummelsdorf, dem finsteren Halunken Zantafio und nicht zuletzt mit dem später noch solo Karriere machenden Marsupilami führte der Belgier geniale Charaktere ein, die das Potenzial für unendlich viele Variationen der narrativen Grundkostellation hatten.

Bald gibt es auch einen deutschen „Spirou“

Recht schnell suchte sich Franquin auch eine breitere Form, verabschiedete sich von den short stories und wechselte zu anspruchsvollen Langgeschichten, unterstützt von den Künstlern Greg (Szenarios) und Jidéhem (Hintergründe). Franquins Phantasien von „Spirou und Fantasio“ beanspruchen derart viel Aufmerksamkeit für sich, dass die bei Carlsen Comics seit 2014 erscheinende Gesamtausgabe 1946 mit den in Deutschland unter den Titeln „Onkel Ottos Testament“, „Spirou und der Roboter“, „Spirou bei den Pygmäen“ und „Spirou im Wilden Westen“ erschienenen Geschichten einsetzt und damit sozusagen die Ursuppe unberührt lässt. So ist es nicht vermessen, für diese ereignisreiche Comicreihe festzustellen, dass es eine Phase vor Franquin, eine mit Franquin und eine nach Franquin gibt.



Dieser Comic erzählt vom Gaceland-Martyrium Priscilla Presleys

Zum Buch: „I'm Every Woman“ ist Liv Strömquists dritte deutsche Publikation und eine Kompilation ihrer frühen Comics, die in Schweden Ende der Nuller-Jahre erschienen sind. Wie auch schon in ihren später geschriebenen Alben „Der Ursprung der Welt“ und „Der Ursprung der Liebe“ setzt sich Strömquist mit der oft komplizierten Beziehung zwischen Mann und Frau auseinander, wobei sie mit Hilfe von Fakten und (feministischer) Theorie versucht, die Machtverhältnisse offenzulegen. Das gelingt ihr oft scharfsinnig und beißend komisch. Manchmal schießt sie aber auch vollends über das Ziel hinaus und liefert eine nicht selten unfreiwillig komische bebilderte Variante des neusten akademischen Entwicklungsstandes der…
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