Foo Fighters bauen aus heroischem Lärm ein Album der Heilung
Das 12. Album der Foo Fighters ist ein Werk voller Energie und Trauer – und vielleicht das emotional intensivste ihrer Karriere.
Das letzte Foo-Fighters-Album, „But Here We Are“ von 2023, war ein tiefgreifender öffentlicher Trauerakt – die erste Musik der Band nach dem tragischen Tod ihres geliebten Drummers Taylor Hawkins, der sich nur ein Jahr zuvor ereignet hatte. „Someone said I’ll never see your face again/Part of me just can’t believe it’s true“, sang Dave Grohl auf der entschlossenen Hymne „Under You“. Für eine Band, deren drei Jahrzehnte immer davon geprägt waren, wie unheimlich gefasst sie nach außen wirkte, machte das Durchkämpfen eines solch gewaltigen Verlusts in Echtzeit das wohl emotional intensivste Hörerlebnis ihrer Diskografie aus. Bis jetzt. Das zwölfte Album „Your Favorite Toy“ ist das nächste Kapitel dieser Geschichte – des Ringens mit Trauer und des Blicks nach vorn. Doch wo der Vorgänger oft nachdenkliche Töne anschlug, geht es diesmal um Katharsis in voller Garage-Rock-Lautstärke: rein in den Proberaum, alles rauslassen, den Lärm als Kompass nutzen.
„Do I? Do I? Do I?“, wiederholt Grohl zu Beginn des Openers „Caught In the Echo“, seine Stimme in einem rachsüchtigen Rauschen verzerrt. Er stellt eine Frage, aber es klingt wie ein Befehl – Unentschlossenheit als ehrlicher Aufruf zum Widerstand. Der Song knallt: Die drei Gitarristen der Band verriegeln sich in einem Punkraketen-Riff, das von einem Fugazi-Album stammen könnte, vorangetrieben von Neuzugang Ilan Rubin am Schlagzeug.
Der Song baut Spannung auf, bis Grohls drillsergeantenhaftes „Do I?“ in einer direkteren Frage mündet: „Who can save us now?“ Das ist eine, mit der er sich auf vielen Songs hier herumschlägt. „I’m a puddle on the ground“, gesteht er im düster rumpelnden „Window“, bevor die Gitarren etwas Licht hereinlassen und das Gesicht eines geliebten Menschen ihn aufhellt. In „Your Favorite Toy“ brüllt Grohl gegen seichte Ablenkungen durch einen Glam-Grunge-Strudel an und liefert dabei einen knappen Rockstar-Ratschlag: „Try not to choke on the glitter“ – eine beiläufige Zeile mit enormer Resonanz in seiner Geschichte. Und wenn er auf dem Sabbath-würdigen Kinnhaken „If You Only Knew“ „Ain’t that a pity/Ain’t that a shame“ singt, dann spöttisch – als wäre die Vorstellung, sich von der Vergangenheit aufhalten zu lassen, schlicht keine Option, zumindest nicht für ihn.
Das bedeutet nicht, dass die Geister hier keine Angst einflößen. Der eindringlichste Song des Albums ist „Of All People“, in dem Grohl einem Dealer begegnet, der einst der Rock-’n‘-Roll-Elite Stoff verkauft hat. Das Achtziger-Jahre-L.A.-Punk-Riff ist von schmerzlicher Schönheit, beschwört das Less-than-zero-Ethos dieser Szene herauf, und der Schrecken darüber, diese Person noch immer durch die Straßen geistern zu sehen, trifft hart. „You know you should be dead/But you’re alive instead“, singt er. Der Song stellt ein universelles moralisches Rätsel: Warum trifft das Schlechte so selten die Schlechten, während die Guten uns so oft viel zu früh verlassen? Ziemlich tiefgründiger Stoff für einen zweieinhalb Minuten langen Power-Pop-Reißer.
Katharsis statt Kapitulation
Die Antwort auf dieses scheinbar unlösbare Problem liefert ein Song wie „Spit Shine“ – ein Ausbruch aus siedenden Gitarren und wirbelndem Schlagzeuggedröhn, aus dem Grohl herausspringt, um daran zu erinnern: „Don’t forget, we’re lucky if we get out alive.“ „Your Favorite Toy“ kann scharf und schorfig sein; manchmal ist es schlicht düster – wie bei der launischen Ruhm-Bestandsaufnahme „Child Actor“ oder dem pessimistischen, politisch gefärbten „Amen, Caveman“. Aber mit zehn schnellen, äußerst eingängigen Songs fliegt es vorbei und verlangt nach wiederholtem Eintauchen. Songs, die überraschend herausfordernd beginnen, lösen sich in breite, glatte Refrains auf – das Werk überzeugter Gläubiger in die Kraft von heroischem, proteinreichem Mainstream-Alt-Rock als Gegenmittel gegen die hereinbrechende Dunkelheit.
Das Album endet mit seinem emotionalen Herzstück „Asking for a Friend“, einem Zweckbekenntnis, das im Power-Ballad-Tempo beginnt und schließlich dem hoffnungsvollen Horizont entgegenrast. „Searching for something to pray/Words I can use/To lay your worry down“, singt Grohl. Diese Worte hat er genau hier gefunden.