Forums-Thema der Woche: Das neue Springsteen-Album „High Hopes“

"High Hopes" produzierte eine hohe Meinungsvielfalt: Die User des ROLLING-STONE-Forums sind sich uneinig über die Qualität des neuen Bruce-Springsteen-Albums.

Mit „High Hopes“ erschien am 10. Januar das neue Album von Bruce Springsteen, das ROLLING-STONE-Redakteur Arne Willander fast mit der Höchstbewertung versah. Zwölf Tracks aus verschiedenen Schaffensperioden Springsteens in neuen Versionen eingespielt, unter anderem mit Tom Morello (Rage Against The Machine) an der Gitarre.

Unsere Forums-User scheinen etwas weniger begeistert zu sein, wie wir dem Springsteen-Thread entnehmen können.

So schildert Forumsuser Tom Joad seinen ersten Höreindruck folgendermaßen:

„Was dem Album somit fehlt ist die eine Handschrift, die sich wie sonst gewohnt durch das ganze Album zieht. Was mir sehr negativ aufgefallen ist, ist der Einsatz des Vocoder, der in einem Track, weiß grad nicht welcher, plötzlich in normalen Gesang übergeht. Sehr seltsam … Also: ich hatte keine High Hopes, konnte also auch nicht enttäuscht werden. Ein Vier Sterne Album wird es bei mir nicht, das kann ich schon nach 2 Durchläufen sagen, einzelne Tracks haben aber durchaus viele Durchläufe verdient“.

Von einem Vier-Sterne-Album weit entfernt sieht User kaesen das Album ebenso: „Nach dem ersten Eindruck ein ziemlich mieses Album. Schade“

„Das Album klingt nach einem Schnellschuß“, schreibt Mick67, „und ist ziemlich schlecht produziert. Das Highlight ist für mich die Neufassung von Tom Joad“.

User Woodie Guthrie findet die Wahl des Produzenten missglückt: „Mieser Produzent der Aniello passt gar nicht zu Springsteen. Bruce soll Rubin holen“, worauf hin Onkellou – auch unzufrieden mit der Punktevergabe des ROLLING STONE, kontert: „Wenn man keine neuen Ideen für neue Songs hat…nützt auch der beste Produzent nichts mehr. Was hat man sich das Maul zerrissen wie Lou Reed im hohen alter was mit Metallica gemacht hat – und der Boss plündert die Restekiste und der halbe Planet jubelt“.

Doc Vorture findet Kritik noch zu früh: „Ein Album 1 Woche nach Release richtig zu beurteilen und zwar so, dass das Urteil bzw. die Bewertung auch in 2 Monaten noch gelten kann traue ich mir nicht zu. Andere schon und schaue regelmäßig denen beim Scheitern zu. Aber vermute mal dass es sich um gut bezahltes Scheitern handelt“.

Später meldet sich auch Tom Joad wieder zu Wort, der seine anfängliche Meinung ein wenig revidiert: „Weiß nicht ob es am Freitag Und Wochenendgefühl liegt . Diese Woche hatte ich 4 Durchläufe des Albums im Stream am PC, nun gerade der 5. Durchlauf und endlich auf der heimischen Anlage, schön laut aufgedreht. Und plötzlich stellt sich ein Gefühl ein, dass das Album wohl doch viel besser ist als gedacht. Bin mal gespannt ob sich der Eindruck festigt . Verzichtbar sind eigentlich nur noch die Stücke im Mittelteil . Heavens Wall und Frankie Fell in Love . Und Tom Morello bringt den gewissen Kick herein, wobei aber auch zu bemerken ist, dass es ein echtes E-Street Album ist, bei Wrecking Ball haben ja kaum Mitglieder der Band bei den Aufnahmen mitgewirkt“.

Wohlwollend zeigt sich Close to the Edge: „Ich mag das Album auf jeden Fall. Sehr frisch und rund. Zwei, drei Sachen mit Klassikerpotential („American Skin“ vor allem), und auch sonst sehr schöne Sachen und nur wenig Langeweile. „Tom Joad“ wäre jetzt nicht zwingend nötig gewesen, weil es da ja schon diese fulminante Live-Version mit Morello gab“.

Ganz konträrer Meinung ist User Yeats: „Das ist mit Sicherheit das erste Bruce-Album, das ich mir nicht kaufen werden. Resteverwertung und ein schreckliches Anbiedern an jüngere Fans mittels Vocodeder und Rap-Einlagen (Titelsong); dazu noch dieser fürchterliche Gitarrist Morello, der mich an Scheußlichkeiten wie Van Halen oder Cheap Trick erinnert: sinnbefreites Gegniedel oder das Comeback des Unendlichkeitssolos. Wie man einen Song wie Tom Joad dermaßen verhunzen kann, ist mir schleierhaft. Wozu braucht Springsteen dieses manierierte Gegniedel von Morello überhaupt? er hat doch wohl 2 begnadete Gitarristen plus sich selbst an Bord. Was sich für mich seit Working on a Dream schon abzeichnete und bei Wrecking Ball bestätigt wurde, findet hier jetzt seinen Höhepunkt (und hoffentlich seinen Abschluss): lustlose, wenig inspirierte Songs, die er meint irgendwie aufplustern zu müssen. Dazu noch eine völlige Strukturlosigkeit bei diesem Album, aber ok, so ist das halt bei Resteverwertung. Während die meisten Großen im Alter back to the roots gehen, meint Bruce wohl, er müsste einen neuen Stil entwickeln und räumt dabei diesem möchte-gern Gitarrengott meiner Ansicht nach viel zu viel Raum und Einfluss ein. Das klingt zum Teil völlig fremdbestimmt“.
 

Weitere Bonmots in der Diskussion:

„Bodybuildermucke“. (Clau)

„Ich finde auch gut, dass er das Prinzip extrem hässlicher Plattencover so konsequent durchzieht“. (The Magnetic Field)

„Ich höre grad den Anfang von Track 2 und dachte spontan, er hätte „Alkohol“ von Grönemeyer gecovert“. (Close to the Edge)

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