Für „Megalopolis“ hat Francis Ford Coppola leider jede einzelne „Goldene Himbeere“ verdient
Sechs Spitzennominierungen hat Francis Ford Coppola mit „Megalopolis“ bei der „Goldenen Himbeere“ eingeheimst.

Mit „Megalopolis“ hat Francis Ford Coppola in diesem Jahr endlich sein Herzensprojekt auf die Leinwand bringen können. Der 85-Jährige sagt, er habe einen Großteil seines Vermögens investiert in die Geschichte um einen (New Yorker) Städteplaner, der das Schicksal der Welt in seinen gestalterischen Händen zu halten scheint.
Die meisten Medien, denen der „Pate“-Regisseur im Vorfeld eine Interview-Audienz gewährte, wählten freundliche Formulierungen für den Versuch einer Filmdeutung. Der Meister habe halt „die Erwartungen unterlaufen“. Eine geläufige Wortwahl, die man oft für spezielle Fälle verwenden kann. Nicht nur im Film. Im Sport z.B. unterläuft auch der BVB gerade alle Erwartungen.
Kritik: „Megalopolis“
Alle anderen bezeichneten „Megalopolis“ als das, was es ist. Stuss. „Francis Ford Coppola hatte einen Traum“, schreibt ROLLING-STONE-Redakteur Arne Willander. „Er wollte einen Film machen, in dem New York City als Replik des alten Rom gezeigt wird, aber angeblich fand der Regisseur der „Paten“-Filme 50 Jahre lang keinen Finanzier.
Murks, der eine Großmetapher sein soll
Und weiter: „Wenn man „Megalopolis“ sieht, versteht man, weshalb niemand diesen Film machen wollte. Aus dem Off labert ein salbungsvoller Erzähler vom New Rome. Adam Driver als Cesar Catilina, Nathalie Emmanuel als Julia Cicero und Jon Voight als Hamilton Crassus III schwadronieren verblasene Dialoge, von denen man nicht glauben kann, dass der Drehbuchautor von „Patton“ sie geschrieben hat. In „Megalopolis“ geht es auch um ein, nun, ätherisches Material, das sich wie Kleidung um die Menschen legt. Ich kann es nicht besser formulieren. Adam Driver hat’s erfunden. Coppola quält uns 138 Minuten mit diesem ausgedachten Murks, der eine Großmetapher sein soll. Ich vermute: für Größenwahn.“
Sechs Nominierungen für die „Goldene Himbeere“
Nun hat „Megalopolis“ die verdienten Nominierungen bei den „Razzies“ („Goldene Himbeere“) 2025 eingeheimst. Und zwar in einigen Kategorien. „Schlechtester Film“, „Schlechtester Regisseur“, zwei Nebendarsteller (Shia LeBeouf und Jon Voight), Drehbuch, und, völlig zu Recht: „Schlechteste Screen Combo“, also Darstellerensemble. Denn es stimmt: Keiner der Darsteller versteht seine Rolle, keiner weiß, was er da spielt.
Insgesamt sechs Nominierungen vereint Francis Ford Coppolas Epos, damit führt er gemeinsam mit „Madame Web“, „Borderlands“, dem neuen „Joker“ und „Reagan“ das Feld an. Wenn Coppola Glück hat, darf er persönlich gleich drei „Himbeeren“ einheimsen. Für den Film, die Regie und den schriftlichen Film-Ablauf, den er Drehbuch nennen möchte.
Die Nominierung Joaquin Phoenix‘ für „Joker: Folie a Deux“ als „Schlechtester Hauptdarsteller“ ist übrigens bemerkenswert. Erstmals erhält damit ein Schauspieler eine Razzie-Nominierung für eine Rolle, für die er schon einmal den Oscar in Empfang genommen hat.