Herr Markus W. holt Gil Ofarim auf den Boden der Tatsachen zurück
Markus W. spricht über die Folgen der Gil-Ofarim-Affäre: Morddrohungen, Polizeischutz und die juristische Aufarbeitung des Falls von 2021.
In einem merkwürdigen Parallel-Universum scheint Musiker Gil Ofarim zu kreisen, nachdem er am Wochenende den „Dschungelcamp“-Wettbewerb für sich entscheiden konnte. Eine TV-Trophäe, die ihm laut „Focus“ über 300.000 Euro Gage und Erfolgsprämie einbrachte. Eine Summe, die er als „selbständige Tätigkeit“ im Veranlagungsjahr 2026 versteuern muss.
Gegenüber RTL gab Ofarim zu Protokoll: „Dieses Geld ist bestimmt für jemanden und das würde ich ungerne laut sagen, aber derjenige weiß es und dann ist auch alles gut. Das war schon lange der Plan.“
Ob damit der Leipziger Hotelangestellte Markus W. gemeint ist, ließ der bärtige Barde offen. Laut Medienberichten sind die 20.000 Euro Schmerzensgeld aus dem Verleumdungsprozess noch immer ausstehend.
Erstmals spricht der Hotelmitarbeiter
In einem Interview mit der „Zeit“ beschreibt W. nun erstmals die massiven persönlichen Folgen der falschen Antisemitismus-Vorwürfe aus dem Jahr 2021. Er zeigt sich enttäuscht darüber, dass Ofarim den Fall erneut infrage stellt. „Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin“, so W.
Ofarim hatte seinerzeit behauptet, im Leipziger Westin-Hotel wegen einer Davidstern-Kette nicht einchecken zu dürfen. Ermittlungen, Zeugenaussagen und Videoanalysen belegten später, dass diese Darstellung ein infamer Medien-Zirkus war.
Vor Gericht entschuldigte sich Ofarim 2023 bei Markus W., das Verfahren wurde gegen Auflagen eingestellt – darunter eine Unterlassungserklärung und ebenjener Schadenersatz.
Fassungslos über neue Andeutungen
Für W. war diese Regelung ein bewusster Schritt, um einen Schlussstrich zu ziehen: „Ich habe mich darauf eingelassen, auch weil ich die Sache endlich abschließen wollte“, so seine Aussage in der „Zeit“.
Umso größer ist nun sein Unverständnis über Ofarims jüngste öffentliche Andeutungen, etwa in den länglichen Schwafel-Runden des „Dschungelcamps“, die Zweifel an der Beweislage säen.
„Es macht mich fassungslos“, sagt W. Gericht und verschiedene Gutachter hätten die Echtheit der Videoaufnahmen bestätigt. Ein „Schweigedeal“, wie von Ofarim angedeutet, existiere nicht. Das Einzige, was ihm untersagt sei, sei „die Unwahrheit über mich zu wiederholen“.
Morddrohungen und soziale Isolation
Das Interview macht deutlich, wie stark die Anschuldigungen W. persönlich trafen: Morddrohungen, Polizeischutz, soziale Isolation und die Angst um seine berufliche Existenz.
Öffentlich widersprochen habe er damals bewusst nicht. „Beweisen Sie mal, dass Sie kein Antisemit sind“, sagt er rückblickend. Stattdessen habe er auf den Rechtsstaat vertraut – mit Folgen bis heute. Dass sich nur wenige der frühen öffentlichen Vorverurteiler entschuldigt hätten, habe er registriert. Positiv hebt er einzelne Gesten hervor, etwa von Musiker Igor Levit.
W. betont zugleich, dass er reale antisemitische Erfahrungen Ofarims nicht infrage stelle. „Ich nehme ihm ab, dass er in seinem Leben antisemitische Beleidigungen ertragen musste“, sagt er.
Doch der konkrete Vorfall im Leipziger Hotel habe damit nichts zu tun gehabt. Seine Sorge sei nun, dass sich durch Ofarims mediale Präsenz die Wahrnehmung erneut verschiebe: Die juristisch geklärten Tatsachen stünden fest. Dennoch drohten sie im öffentlichen Diskurs wieder zu verschwimmen.