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Glass Animals in Berlin: Ekstase in weißen Socken


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So etwas passiert nicht alle Tage. Darin waren sich die Besucher des gestrigen Konzerts der Indie-Rock-Band Glass Animals einig. Nach Sieben-Tage-Regenwetter-Tief tauchen vier Ex-Studenten aus England in Jeans-und-T-Shirt-Fluffigkeit in der Kantine Berghain in Berlin auf und verbreiten mit ihrer südseegetränkten Indietronica mal eben so viel Urlaubs-Unbeschwertheit, wie ein Montagabend nur haben kann.

Seit sich das Quartett aus Oxford mit seinem mustergültigen Debüt „Zaba“ einen Namen machte, spielte es vergangenes Jahr gefühlt jeden zweiten Tag eine Show. Die Single „Life Itself“ von kommenden Album „How To Be A Human Being“, das im August erscheint, bietet sich mit Rumms als Opener an, während die Stücke des Erstlings mit mystischem Trip-Hop-Groove und ausgeklügelten psychedelischen Elementen ja eher in eine Art nüchternen Rauschzustand versetzten.

Sänger und Kreativkopf Dave Bayley bewegt Arme und Körper so ausgelassen zu den sinnlichen Rhythmen, als sei er selbst Konzertbesucher, der einfach einen schönen Abend genießen möchte. „In Berlin wird immer getanzt. Ihr seid so verdammt cool“, sagt er und strahlt bis über beide Ohren.

Das Geklimper und Gebimmel ist wie immer makellos, und so lösen sich die Perfektionisten live kaum vom Albumsound. Einzelne launige E-Gitarren-Soli aber erinnern daran: Das hier ist eine Rockband! Und im Arrangement ist noch Luft für mehr Improvisation und Ausdruck.

 Neben Publikumslieblingen wie „Gooey“ und „Black Mambo“ spielen die Musiker auch einige Songs der neuen Platte, die sich nahtlos ins Programm einfügen und dankbar angenommen werden.

Plötzlich bildet sich eine Straße in der Menschenmenge, der Sänger swingt zur Bar, steigt auf den Tresen und performt – stilecht in weißen Socken – „Love Lockdown“ von Kanye West, während unten alle jubeln. Hurra! Auf einer WG-Party wäre das vermutlich der Moment, in dem man erst die Tische besteigt und dann seinen Nebenmann.

Als die Band am Ende ihren Hit „Pools“ anstimmt, ist die gute Laune schließlich nicht mehr zu bändigen: Erst betritt nur eine Handvoll junger Frauen die Bühne, nach und nach finden sich Bayley, MacFarlane, Irwin-Singer, Seaward und ein fünfter Live-Musiker inmitten einer Menschentraube wieder, in der mit den Hüften gekreist, gehüpft und gelächelt wird. Berührungsängste gleich null. Zum Abschied klatscht der Sänger mit jedem ab. Die letzten Zeilen von „Pools“ werden zur Hymne: „I smile because I want to“. Keine Zugabe, aber die Glass Animals haben den Sommer nach Berlin gebracht, was soll man da also noch draufsetzen?



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