Happiness Festival 2014 – Ready For Abriss?!


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Ein gemütliches Stück Erde, viel Wiese, in den Bäumen Hängematten – das Happiness Festival gleicht während der ersten Stunden am Freitag einem ruhigen Nachmittag mit Freunden. Entsprechend sind auch die Auftritte der Künstler Calves, Credibil, Findus und Gerard besucht.

Am frühen Abend kommen dann aber Marathonmann auf die Bühne, und die Gemütlichkeit ist dahin. Tattoos, Gitarren und eine Band, die es sich scheinbar vorgenommen hat, die Bühnenkonstruktion zum ersten Mal einem Belastungstest zu unterziehen. Die erste Reihe aus jungen Mädels weicht etwas ängstlich zurück und der Rest des Festivals erwacht aus seinem Mittagschlaf. Und es kommt noch schlimmer: Hinter der Bühne bereiten sich die Jungs von Callejon auf ihren Auftritt vor. Wie ein Schlag ins Gesicht ist der erste Song ihres Konzerts: „Sommer. Liebe. Kokain.“ In den folgenden 70 Minuten sorgen die Kraft und Stimmgewalt von Callejon dafür, dass keine Frisur an ihrem angestammten Platz bleibt.

Nach einer etwas längeren Umbauphase ist die Bühne kaum wiederzuerkennen. Rote Vorhänge und Gemälde an den Wänden lassen erahnen, was nun kommen wird. Alligatoah schreitet majestätisch die extra für ihn aufgebaute Treppe herab und zerschmettert zur Begrüßung erst einmal eine Gitarre. Die Menge tobt, weit und breit ist kein freies Stück Wiese mehr zu sehen. Eine bis ins kleinste Detail geplante Bühnenperformance beeindruckt und als Zugabe gibt es die Gold-Single „Willst du“. Ein durchaus runder Auftritt, auch wenn sich kritische Beobachter vielleicht etwas mehr Power und Durchsetzungsvermögen gewünscht hätten.

Was hingegen Marteria kurz vor Mitternacht noch auf die Bühne bringt, ist vollends überzeugend. Ausgestattet mit einer Band und zwei DJs versetzt er das Festival in den Ausnahmezustand. 100 Prozent Körpereinsatz bei jedem Lied quittiert das Publikum mit ungebrochener Begeisterung. Alle Hände sind in der Luft, jeder Refrain wird lautstark mitgesungen. Rote Bengalos bei „Bengalische Tiger“, grüne Rauchbomben bei „Grüner Samt“ oder einfach nur ein Meer aus Feuerzeugen bei „Welt der Wunder“, alles zusammen gibt ein sehr stimmiges Bild.

Der zweite Festivaltag wird vom einzigen lokalen Act des Lineups eröffnet: Pedro Panaché. Rund 400 Festivalbesucher sehen seinen Auftritt, sie kennen seine Texte, sie mögen seine Musik – notfalls auch ohne Beat und ohne Mikrofon vorgetragen, wenn die nächste Band auf dem Zeitplan beharrt und die Crew den Stecker zieht. Dabei hätten KMPFSPRT, Lance Butters, Chefket und The Intersphere gut daran getan, etwas später zu starten. Die Konzerte dieser vier Acts leiden eindeutig unter der geringen Zuschauerzahl. Man hat das Gefühl, das Festival müsse sich noch von der wilden Aftershowparty der letzten Nacht mit Faakmarwin und OK Kid erholen.

Wie am Vortag wird es früher Abend, bis sich vor der Bühne etwas regt. Heute sind es Heisskalt aus Stuttgart, die die Festivalbesucher auf das Gelände locken. Auch wenn ihre Live-Performance seit der „Mit Liebe gebraut Tour“ etwas an Leichtigkeit und Unbeschwertheit verloren hat, knallen die vier Jungs ihren Zuhörern die Gitarrenklänge kraftvoll um die Ohren und liefern einen soliden, technisch perfekten Auftritt. Ein ganz besonderes Jubiläum feiern im Anschluss die Emil Bulls. Zum fünften Mal in Folge stehen die Münchner Rocker auf der Happiness-Bühne. Dass Frontmann Christoph von diesem Festival mehr als begeistert ist, erklärt sich natürlich von selbst: „Geil, wieder hier zu sein! Es ist einfach ein gutes Festival mit unfassbar netten Menschen. Alle Jahre wieder ready for Abriss!“

Wer bis zu diesem Wochenende nicht wusste, wie geballte Energie auf einer Bühne aussieht, weiß es spätestens nach dem Auftritt der Irie Revoltés. Eine nahezu unbeschreibliche Mischung aus Rock, Reggae, Ska und HipHop, vorgetragen mit unbändiger Motivation und Laune aller Bandmitglieder, von den Sängern bis zum Saxophonisten. Wer bislang noch nicht getanzt hat, tut dies spätestens jetzt.

Die Stimmung im Publikum erreicht beim Happiness Festival aber erst danach ihren Höhepunkt – als The Hives in ihren maßgeschneiderten weißen Anzügen die Bühne betreten. Die schwedischen Alternarocker spielen ein professionelles Set, vor allem Frontmann Pelle Almqvist ist gut aufgelegt. Aber gerade einmal eine gute Stunde Spieldauer, wovon gefühlt zehn Minuten für die Bandvorstellung draufgehen, ist dann doch enttäuschend. Zum Glück gibt es noch eine Aftershowparty. Und ja, Eskei83 und die Drunken Masters feiern mit den Festivalbesuchern ein rauschendes Fest bis tief in die Morgenstunden.