Harald Schmidt über „ZDF Magazin Royale“: „Weit unterhalb meiner Wahrnehmungsschwelle“


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Schon seit einiger Zeit schwelt ein Clinch zwischen Harald Schmidt und seinem früheren Scherzeschreiber Jan Böhmermann. Jetzt hat der Altmeister in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ nachgelegt. Auf die Frage, ob er sich mit dem von seinem jüngeren Kollegen moderierten „ZDF Magazin Royale“ beschäftige, antwortete Schmidt schlicht: „Kenne ich gar nicht. Weit unterhalb meiner Wahrnehmungsschwelle.“

Einst flocht Schmidt Böhmermann einen Lorbeerkranz

Bereits vor drei Jahren hatte der 64-Jährige gegen seinen ehemaligen Zögling geledert: „Ich wusste schon früh, dass es Böhmermann als Moderator nie schaffen würde – aber dass er es als Krawallschachtel sehr weit bringen würde, wusste ich auch.“ In einer Ausgabe der „Harald Schmidt Show“ aus dem Mai 2007 waren seine Worte noch ganz anders gefärbt – als Böhmermann zu Gast war, sagte er über den Nachwuchs-Satiriker: „Du bist verbal sehr fit und sehr schnell“. Was seinem Umdenken zugrunde liegt, weiß wohl nur er selbst.

Giftpfeile fliegen zurück

In der jüngeren Vergangenheit hielt sich Böhmermann ebenfalls nicht mit Spötteleien über seinen alten Lehrmeister zurück. Im Februar dieses Jahres hatte Schmidt im Unklaren gelassen, ob er immunisiert war. Danach witzelte Böhmermann in seiner Sendung: „… scheißt der unangenehm eitle Alt-Show-Zyniker selbstgerecht auf Solidarität und Gemeinwohl, weil der egomane Psycho-Gockel seine Schäfchen sowieso schon lange im Trockenen hat?“ Auch im eingangs erwähnten neuen Interview mit der „Berliner Zeitung“ bewahrte Schmidt sein Schweigen – die „Riesenaufregung“ über seinen Impfstatus habe ihm aber „wahnsinnig gut gefallen“.

„Ich überlasse Berlin den woken, jungen, aufbrechenden Menschen“

In dem Gespräch war Böhmermann nicht das einzige Ziel seiner spitzen Zunge – auch die Hauptstadt musste kassieren. So sagte Schmidt: „Ich überlasse Berlin den woken, jungen, aufbrechenden Menschen“, und weiter: „wenn ich in Berlin zu tun habe, übernachte ich fast immer in Hannover.“ Auf die Frage, ob Diskurse um Identitätspolitik und Intersektionalität nur von einer kleinen Gruppe akademischer Linker geführt werden, antwortete er: „Selbstverständlich. Ich würde sagen: Berlin-Mitte plus die davon abhängigen Online-Medien. Ich fahre viel durch Deutschland – Tankstellen, Supermärkte und so weiter. Die Leute wissen gar nicht, dass es diese Diskussionen überhaupt gibt.“