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„Beim ZDF kotzt man doch im Strahl“: Harald Schmidt rechnet mit Jan Böhmermann ab

Der ehemalige King Of Late Night, Harald Schmidt, kritisiert Jan Böhmermann. „Ich wusste schon früh, dass es Böhmermann als Moderator nie schaffen würde – aber dass er es als Krawallschachtel sehr weit bringen würde, wusste ich auch“, sagte Schmidt im Videogespräch mit der „Stuttgarter Zeitung“.

Wumms! Was für eine Aussage. Böhmermann, der seit Jahren nach eigenen Angaben verzweifelt versucht, ins ZDF-Hauptprogramm zu kommen, nur ein Clown mit Flausen im Kopf und Internetwitzen auf dem Schirm. Aber eben kein Moderator, der die Fernsehzuschauer beim Eindösen vor dem Fernseher begleiten kann. Ein Lausebengel ohne künstlerisches Rückgrat.

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Schmidt glaubt deshalb auch, dass das ZDF nicht so recht glücklich mit dem Satiriker ist: „Ich glaube, man wäre ihn dort gerne los“, sagte er dem Blatt. „Beim ZDF kotzt man doch im Strahl, wenn man sieht, welchen Ärger er wieder einbringt.“

Jan Böhmermann wurde von Harald Schmidt gefördert

Schon in früheren Interviews zeigte sich der „Traumschiff“-Darsteller, der sich ansonsten völlig vom TV-Geschäft zurückgezogen hat, wenig begeistert von Böhmermanns Versuchen, mit anarchistischen, politisch gedachten Streichen auf sich aufmerksam zu machen. Zuletzt deutete der „Neo Magazin Royale“-Moderator an, von dem Ibiza-Video zu wissen, dass den österreichischen Vizekanzler das Amt kostete.

Die beiden Comedians kennen sich seit Jahren. Böhmermann fand von 2009 bis 2012 als junger Pointendrescher in Schmidts Late-Night-Show, zunächst in der ARD, später bei Sat1, ein Forum für seine messerscharfen Alltagsbeobachtungen. Mehrfach betonte er in der Vergangenheit seine Bewunderung für Schmidt, inzwischen ist er aber auf Vergleiche nicht mehr gut zu sprechen. Seit 2015 macht Böhmermann mit dem „Neo Magazin Royale“ Furore, gewann mehrere wichtige Fernsehpreise und sorgte mit seinem Erdogan-Schmähgedicht sogar fast für eine Staatsaffäre zwischen Deutschland und der Türkei.

Was bezweckt Harald Schmidt mit seiner Kritik?

Spricht also aus der ätzenden Kritik an Böhmermanns Comedystil die Enttäuschung des Ziehvaters am respektlosen Sohn? Fans des ZDFNeo-Moderators werden die Provokation mit einem Lächeln abtun. Schließlich betont Schmidt immer wieder, dass er sich ganz bewusst vom Fernsehen dieser Tage abgewandt habe, irgendwie also auch von der Entwicklung des Mediums enttäuscht ist. Oder anders, nach Böhmermann-Lesart: Schmidt hat einfach keine Street Credibility mehr.

Doch der einzige Late Night Talker, der in diesem Land etwas mit dem in den USA geprägten Format anfangen konnte und es zu seinen Bedingungen jahrelang prägte, weist auch auf etwas hin, dass oftmals zu kurz kommt in der Sicht auf Jan Böhmermann. Geht dieser doch mit seinen teils sogar privat organisierten Aktionen (Stichwort: Reconquista Internet) weit über das hinaus, was Satire leisten sollte. Schließlich endet deren Rahmen exakt dort, wo aus Reflexion ein konkreter Handlungsaufruf wird.


Es ist ein Fehler, dass Böhmermann vors Verfassungsgericht zieht

Jan Böhmermann zieht im Rechtsstreit wegen seines Schmähgedichts gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Nachdem zuletzt auch das BGH gegen ihn entschieden hatte, ist dies nun die letzte Chance des ZDF-Comedian, doch noch Recht zu bekommen. Viele Aktionen aus dem „Neo Magazin Royale“, das letzte Woche feierlich auf dem Friedhof öffentlich-rechtlicher Fernsehsendungen begraben wurde, dürften den Zuschauern in Erinnerung bleiben: Varoufake, Verafake, Pol1z1stensohn, Böhmermann gegen Homöopathie, Böhmermann gegen die Hohenzollern, Böhmermann gegen die SPD. Jeder wird seinen eigenen Favoriten haben. Aber der 38-Jährige ist einem größeren Publikum eigentlich so richtig erst bekannt geworden, als…
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