Harald Schmidt wird 60: König der Spätabendunterhaltung

Harald Schmidt ist für die Schlafprobleme einer ganzen Nation verantwortlich. Oder zumindest für den Teil der Deutschen, die sich am sehr späten Abend einst mit seinen oftmals zotigen Witzen, entspannten Plaudereien mit großen und kleinen Prominenten sowie allerhand geistreichen Spielchen in die Nacht führen lassen wollten. Dann war es schon nach Mitternacht und an genügend Ruhezeit nicht mehr zu denken. Wie lange ist das schon her?

Keinem anderen deutscher Comedian (wie sich Dirty Harry wohl selbst mit gesprochenen Anführungszeichen und gehobenen Augenbrauen nennen würde) gelang es in diesem Land, mit einer Late-Night-Talkshow Fuß zu fassen. Thomas Gottschalk bemühte sich redlich, scheiterte aber (natürlich!) an sich selbst. Anke Engelke übernahm nach Schmidts selbstgewähltem TV-Abschied, wurde dann aber sogar von Rudi Carrell angezählt. Frauen könnten das nicht. Engelke konnte, wenigstens ein bisschen. Sie durfte dann aber nicht weiter.

Grundversorgung für die einen, abgehoben für die anderen

Schmidt verschwand allerdings damals nicht von der Bühne. Wie könnte er auch, sie ist doch sein Leben. Nur begriff sich der Neu-Ulmer nach eigener Aussage immer schon als Kantinenmime, der vor und nach der Vorführung den Rest des Stabs bei Laune hält. Also kam Schmidt, der gemeinsam mit seinem Sancho-Panza-Verschnitt Herbert Feuerstein mit Schmidteinander eine der frivolsten Blödel-Shows im deutschen Fernsehen etabliert und zuvor „Verstehen Sie Spaß“ als Moderator spitzbübisch an die Wand gefahren hatte, nach einem Jahr Weltreise zurück und späßelte eben in der ARD weiter. Zu einem fürstlichen Gehalt, wie sich denken lässt. Und mit Sparprogramm an nicht mehr als zwei Tagen in der Woche. Später wurden die Frequenz noch geringer, kam Oliver Pocher als auf Krawall gebürsteter Pointenpartner hinzu, wechselte der Sender – bis Schmidt, einst „Grundversorgung“ fürs Erste, im Pay-TV bei Sky so geringe Einschaltquoten einfuhr, dass sie nicht mehr messbar waren.

Kooperation

Das könnte man tragisch nennen, auch weil es eben in diesem Land keinen Komiker gibt, der gleichzeitig Polen-Witze macht, über die Gebrüder Goncourt parliert und mit Playmobil-Figuren Shakespeare-Szenen nachspielt. Natürlich: Jan Böhmermann, der in der Spätphase der Show auch für Harald Schmidt Witze schrieb und dann selbst sein Talent zur Schau stellte, würde gerne in die Feinlederschuhe seines Vorbildes steigen. Doch der ZDF-Satiriker ist ein lausiger Stand-Up-August und seine teilweise brillanten Studio- und Internet-Aktionen begeistern zwar ein junges Publikum, das sich gerne über die Fehltritte mancher Mediencretins und fehlgeleiteter Politik-Clowns schlapplacht, doch an Schöngeistiges wagt sich der 36-Jährige nur mit der Kneifzange unverbindlicher Ironie. Seine Zuschauer wissen vielleicht auch gar nicht, wovon er redet, wenn es plötzlich um Dostojewski, die Berliner Volksbühne oder Vätergespräche auf dem Spielplatz geht.

Aber genau in diesem Terrain fischte Schmidt mit Vorliebe. Er holte sich mit dem käsegesichtigen Manuel Andrack den eigenen Produktionsleiter vor die Kamera, um ihn als scheinbar unbekümmert vor sich hin quatschenden Sidekick und als Parodie des typischen deutschen Kleinbürgers zu integrieren. Ein nahezu genialer Coup, den Böhmermann mit dem Ex-„Harald Schmidt Show“-Autor und einstigen Udo-Brömme-Darsteller zu wiederholen versucht (allerdings ohne erkennbaren Erfolg, denn Kabelka bleibt lediglich höhnisch lachender Stichwortgeber). Genüsslich machte sich Schmidt in seiner Sendung über das bürgerliche Publikum lustig, dem er selbst angehörte. Er verspottete oft garstig alle A-Z-Prominente mit mehr als 200.000 Euro Jahregehalt. Er trank Wein und spie ihn mit sichtbarem Ekel wieder aus. Er erzählte stundenlang Geschichten davon, wie er mit dem ICE durch das Land reiste und von einer Verspätung in die nächste rutschte. Nie verstand man Deutschland besser als mit Harald Schmidt.

Harald Schmidt schien stets zu wissen, was er tat

Natürlich ist die „Harald Schmidt Show“ das Lebenswerk des bekennenden Schwaben, der hin und wieder auf Gebührenkosten mit dem „Traumschiff“ um die Welt reist und fast als Polizeichef im Schwarzwald-„Tatort“ aufgeschlagen wäre. Glücklicherweise ahnte er, dass dies nichts für ihn gewesen wäre. So wie Schmidt ja sehr oft ein gutes Gespür dafür hatte, an den Rändern zu fischen, um nicht zu sehr gefordert zu sein. Früher schrieb er launige Kolumnen für den „Focus“, jetzt quatscht er mit den wenigen „Spiegel“-Lesern, die sich allen Ernstes für das DAILY-Format der Website entschieden haben.

Falsch hat er nicht viel gemacht, nachdem der Stern der „Harald Schmidt Show“ nach der Hochzeit zwischen den Jahren 2000 und 2003 zu sinken begann. Aber die Relevanz, die sich der selbsterklärte Konservative zeitweise erkämpft hatte, ging ihm sichtbar flöten. Irgendwann schauten nur noch die Feuilletonisten zu – und begriffen, dass der Beckett-Darsteller (Schmidt spielte in einer Inszenierung von „Warten auf Godot“ am Schauspielhaus Bochum den Lucky) sich in einem absurden Theater  des selbstgewählten medialen Niedergangs sehr wohl fühlte. Ein Schelm, der verstanden hatte, dass man in der deutschen Fernsehwelt, wenn man es denn richtig anstellt, gar keinen Schiffbruch erleiden kann.

Am Freitag (18. August) wird Harald Schmidt, der unersetzliche und einzige König der Late Night, 60 Jahre alt. Sicher genießt er gerade die Elogen auf seine vergangenen Großtaten in den Zeitungen dieses Landes und genehmigt sich dazu einen Cappuccino.


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