Harry Styles teilt mit Haruki Murakami seine Jogging-Geheimnisse

„Laufen ist ein Gespräch mit mir selbst“, sagt er dem legendären japanischen Schriftsteller – und verrät, warum er vor jedem Lauf ein Croissant isst.

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Haruki Murakamis Memoir „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ von 2007 hat Millionen Menschen dazu gebracht, die Laufschuhe zu schnüren und die Distanz zu suchen – darunter auch Harry Styles.

Am Dienstag erschien Styles auf dem Cover des Magazins „Runner’s World“, während er sich auf die Veröffentlichung seines vierten Soloalbums „Kiss All the Time. Disco, Occasionally“ vorbereitet. Er unterhielt sich mit dem legendären japanischen Schriftsteller, einem seiner Lieblingsautoren, über das neue Album, Ruhm sowie die Disziplin und Kunst des Marathonlaufens.

Styles lief seine ersten beiden Marathons letztes Jahr – im März in Tokio (Zielzeit: drei Stunden und 24 Minuten) und im September in Berlin (zwei Stunden und 59 Minuten, eine beeindruckende Leistung). „Eines der Dinge, die ich in deinem Buch übers Laufen wirklich geliebt habe, war, dass es mich von der Vorstellung befreit hat, Musik müsse ein ungesunder Beruf sein und ich müsse diese gequälte Seele sein“, sagte er Murakami. „Dein Punkt ist, dass Gesundheit es einem ermöglicht, lange Künstler zu sein, dass man ein strukturierter, gesunder Mensch sein und trotzdem großartige Werke schaffen kann. Dafür bin ich dir sehr dankbar.“

Croissant vor dem Marathon

Styles verriet seine Laufroutine: Statt Wasser trinkt er vorher Elektrolyte, um Toilettengänge zu vermeiden, und hydratisiert sich dann während des Marathons. Und in einem sehr nachvollziehbaren Zitat erklärt er, dass er vor jedem langen Lauf „das größte Croissant isst, das ich finden kann“. Er sprach auch darüber, wie es ist, beim Laufen in der Öffentlichkeit erkannt zu werden: „Ich glaube, bei den Leuten, die mich sehen, ist es eher ein ‚War das etwa…?‘ als ein ‚Oh, schau, er ist es!’“, sagte er. „Und bis dahin bist du schon längst weg.“

Er öffnete sich auch über die Isolation, die er durch seinen Ruhm empfunden hat, und darüber, wie er sich manchmal zu sehr abgeschirmt hat. „Im Laufe der Jahre musste ich zu allem Nein sagen, zu dem ich eingeladen wurde – ob zum Geburtstag eines Freundes, zu einer Reise irgendwo Wunderbares, zu einer Eröffnung“, sagte er. „Ich fing an mich zu fragen, ob ich Nein sagte, weil ich wirklich so beschäftigt war, oder weil es bequemer war als Ja zu sagen. Wenn man sich abschottet, um sich vor Menschen zu schützen, die Negativität in dein Leben bringen könnten, verpasst man auch positive Erfahrungen.“

Das änderte Styles, nachdem er 2024 dreißig wurde und beschloss zu reisen – vor allem nach Berlin, wo er in die Clubszene eintauchte. „Ich wollte das nachbilden, was ich auf der Tanzfläche hatte – dieses Verlieren in der Instrumentierung und der Musikalität“, sagte er. „Es war so immersiv, so von wegen: So will ich mich auch auf der Bühne fühlen. Ich will nicht, dass es sich anfühlt wie eine Predigt, die ich halte. Ich wollte, dass es sich anfühlt wie: Oh, wir sind gemeinsam in dieser Musik. Als wäre ich mit dir drin.“

Murakamis Einfluss auf Styles

Er erzählte Murakami auch, wie die Bücher des Autors ihn und seine Weltsicht geprägt haben – besonders die Art, wie Murakami Schönheit in einfachen, alltäglichen Momenten findet. „Eines meiner liebsten Dinge, die du je geschrieben hast, war: Hab kein Mitleid mit dir selbst, nur Arschlöcher tun das“, sagte er. „Etwas anderes, das mir in deinem Werk gefällt, ist die Poesie der einfachen Dinge – wie du beschreibst, wie du dich hinsetzt und frühstückst oder ein Bier trinkst. Das hat definitiv die kleinen Momente beeinflusst, die ich mir nehme, wenn ich mich hinsetze und die alltäglichen Dinge vor mir schätze. Es verändert die Art, wie man die Welt sieht.“

Die beiden Künstler sprachen auch darüber, wohin ihre Gedanken schweifen, wenn sie laufen. Murakami, der verrät, dass sein neuer Roman diesen Sommer erscheinen wird, gibt zu, sein Kopf sei beim Laufen „irgendwie leer“, während Styles sagt, er könne sein Leben und seine Kunst dabei klarer verarbeiten.

„Was ich gefunden habe – im Rest meines Lebens, aber besonders beim Laufen –, ist die Idee, mir selbst zu vertrauen, genau das zu tun, was ich mir vornehme“, sagt er. „Mir selbst zu sagen: Ich weiß, dass du etwas Schwieriges tun kannst, dass du aufstehen und trainieren kannst, wenn du nicht trainieren willst, und dass du in der Lage bist, durch schwierige Dinge durchzustoßen. Diese Art von Selbstintegrität zu haben – niemand kann einen Marathon für dich laufen. Während mir viele Menschen helfen, Musik zu machen, die Musik rauszubringen, eine Show auf die Beine zu stellen und mich dabei gut aussehen zu lassen! Aber Laufen ist ein Gespräch mit mir selbst.“

Angie Martoccio schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil