Hegseth zitiert falsches „Pulp Fiction“-Bibelzitat und vergleicht Trump mit Jesus
Verteidigungsminister Hegseth zitierte beim Gebet einen Monolog aus „Pulp Fiction“ – und verglich Trump in einer Pressekonferenz mit Jesus.
Donald Trumps Regierung hat offenbar nicht vor, ihre Kritiker mit falschen und gotteslästerlichen Bibelzitaten zu verschonen. Am Donnerstagmorgen hielt Verteidigungsminister Pete Hegseth eine ausufernde Tirade, die kaum als Predigt durchging – darin zitierte er eine erfundene Bibelstelle aus Quentin Tarantinos Film „Pulp Fiction“ und beschimpfte die Presse auf biblischer Grundlage bei einer Pressekonferenz, bei der er den Präsidenten mit Jesus verglich.
Hegseth, der seit Wochen christliche Schriften bemüht, um den desaströsen Krieg der Regierung gegen den Iran zu rechtfertigen, hielt am Mittwoch seinen üblichen Gottesdienst und seine Predigt im Pentagon. In seiner Rede zitierte er einen gewalttätigen Monolog, den Samuel L. Jacksons Figur Jules Winnfield im Oscar-prämierten Tarantino-Film „Pulp Fiction“ kurz vor einer Erschießung hält. Der Monolog lehnt sich lose an Hesekiel 25:17 an – lässt die vorangehenden Verse aus Hesekiel 25 weg und ersetzt sie durch einen eigens für den Film geschriebenen Originaltext.
Hegseth trug das berühmte Zitat als Gebet vor und behauptete, es sei von Mitgliedern des Combat Search and Rescue (CSAR)-Teams aufgesagt worden, das Anfang des Monats einen abgestürzten Piloten aus dem Iran geborgen hatte.
Gebet aus dem Kino
„Sie nennen es CSAR 25:17, was meiner Meinung nach auf Hesekiel 25:17 anspielen soll“, sagte er und lud das Publikum ein, mit ihm zu beten.
„Der Weg des abgestürzten Fliegers ist auf allen Seiten umgeben von der Ungerechtigkeit der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei er, der im Namen der Kameradschaft und der Pflicht die Verlorenen durch das Tal der Finsternis führt, denn er ist wahrhaftig seines Bruders Hüter und der Finder verlorener Kinder“, rezitierte er. „Ich werde mit großer Rache und rasender Wut auf jene herabfahren, die versuchen, meinen Bruder gefangen zu nehmen und zu vernichten. Und ihr werdet wissen, dass mein Rufzeichen Sandy 1 ist, wenn ich meine Rache an euch vollstrecke. Amen.“
Es handelt sich nahezu wortgetreu um den Monolog, den Jackson in „Pulp Fiction“ spricht – ein Text, der dreimal im Film vorkommt und buchstäblich den Weg der tyrannischen Figuren des Films nachzeichnen soll: wie der gewalttätige Jules und andere mit ihrem Nihilismus und ihrer Brutalität ringen und nach Erlösung suchen.
Hegseth und die Bibel
Es sieht nicht danach aus, als hätte Hegseth gewusst, dass er aus einem Film zitierte – und falls doch, verschwieg er der Zuhörerschaft bewusst die Herkunft der berühmten Szene. Es war auch nicht das einzige Mal in dieser Woche, dass der Verteidigungsminister eine freie Bibelauslegung für Kriegspropaganda nutzte.
Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag verglich Hegseth die anwesenden Pentagon-Journalisten mit den Pharisäern – einer jüdischen Bewegung zur Zeit des Zweiten Tempels, aus der später das rabbinische Judentum hervorging. Im Neuen Testament geraten die Pharisäer in Konflikt mit Jesus von Nazareth, nachdem sie ihn dabei beobachten, wie er einem Gelähmten die Sünden vergibt – sie werfen ihm Gotteslästerung vor, weil er sich Gottes alleiniges Recht zur Absolution anmaße. Jesus beweist seine Verbindung zu Gott, indem er den Mann heilt. Seine Auseinandersetzungen mit den Pharisäern dienten in der Bibel oft dazu, seine Abkehr vom traditionellen jüdischen Religionsgesetz zu erklären.
„Ich kann nicht umhin, den endlosen Strom von Müll zu bemerken, die unerbittlich negative Berichterstattung, der ihr einfach nicht widerstehen könnt – trotz des historischen und bedeutenden Erfolgs dieses Einsatzes und des Erfolgs unserer Truppen“, schimpfte Hegseth. Dann schilderte er die Sonntagspredigt seines Pastors über die Pharisäer.
Trump als Jesus
„Die Pharisäer, die selbsternannten Eliten ihrer Zeit … selbst als sie ein buchstäbliches Wunder erlebten, spielte das keine Rolle. Sie waren nur dort, um das Gute wegzureden und ihre Agenda voranzutreiben“, fuhr er fort. „Ich saß in der Kirche und dachte: ‚Unsere Presse ist genau wie diese Pharisäer – nicht alle, aber die alteingesessene, Trump-hassende Presse.’“
„Eure politisch motivierte Feindseligkeit gegenüber Präsident Trump macht euch fast vollständig blind für die Brillanz unserer amerikanischen Kämpfer. Die Pharisäer durchleuchteten jede gute Tat, um einen Verstoß zu finden, und suchten stets nur das Negative. Die verhärteten Herzen unserer Presse sind einzig darauf ausgerichtet, zu diffamieren. Ich bitte euch, eure Augen für das Gute zu öffnen, für den historischen Erfolg unserer Truppen, für den Mut dieses Präsidenten und diesen historischen Moment für einen Deal, der die iranische Atombedrohung beenden könnte – für den unglaublichen Schlachterfolg, der sich vor euren Augen entfaltet.“
In diesem Szenario repräsentieren Trump und seine Regierung offenbar Jesus – und die Presse die angeblich kleinlichen Juden, die das, was sie für Gotteslästerung hielten, beim Namen nannten? Hegseth vertiefte sich nicht allzu lange in die Feinheiten der Analogie, wohl auch deshalb, weil es noch eine offene Wunde ist: Trump wurde diese Woche weithin dafür verurteilt, sich in einem Truth-Social-Post selbst mit Jesus Christus verglichen zu haben.
Hegseths Äußerungen erregten umso mehr Aufsehen angesichts des anhaltenden Streits der Regierung mit Papst Leo XIV., der den Krieg gegen den Iran verurteilt und sich direkt mit Trump angelegt hat – wegen dessen Drohungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen, sollte der Iran sich ihm nicht ergeben.
Leo scheint die Verlautbarungen der Regierung zur Rechtfertigung des Krieges weiterhin genau zu verfolgen. Kurz nach Hegseths Pressekonferenz schrieb er in den sozialen Medien: „Wehe denen, die die Religion und den Namen Gottes selbst für ihre eigenen militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke missbrauchen und das Heilige in Dunkelheit und Schmutz ziehen.“