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Honigbären in der Zuckerfabrik: die Alben der Woche vom 06. Februar

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Honigbären in der Zuckerfabrik: die Alben der Woche vom 06. Februar

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Album der Woche:

Father John Misty

I Love You Honeybear

„Now I’ve got a lifetime to consider all the ways/ I grow more disappointing to you as my beauty warps and fades.“ Father John Misty, der eigentlich Josh Tillman heißt, spielt den Grandseigneur der Larmoyanz, inszeniert die mit Streichquartett verzierte Ballade „Bored In The USA“ als Parodie auf das Selbstmitleid der Selbstgefälligen, die am Ende richtig böse wird, wenn er sich tatsächlich in einen dieser hemdsärmeligen Protagonisten Bruce Springsteens verwandelt (auf den er mit dem Titel natürlich anspielt) – und dessen Lamento mit Sitcom-Lachern verhöhnt.

In „Bored In The USA“ treffen Springsteen, Harry Nilsson und Randy Newman aufeinander. Auch sonst liebt Josh Tillman es auf dem zweiten Album seit seinem Fleet-Foxes-Abschied skurril, eignet sich wie Devendra Banhart mit Freak-Folk-Freizügigkeit Soul („When You’re Smiling And Astride Me“), Elektropop („True Affection“) und Countryblues („Nothing Good Ever Happens At The Goddamn Thirsty Crow“) an, lässt die Platte summen, seufzen, säuseln, aber auch scheppern und störrisch knistern.

Wie Randy Newman gefällt Tillman sich in der Rolle des Zynikers im Romantikerpelz, erzählt von Konsumterror, christlichem Fundamentalismus, von Eskapismus, von Egozentrismus. Dabei dekonstruiert er den amerikanischen Traum („Holy Shit“), aber auch sein eigenes Liebesleben. Denn letztlich ist „I Love You, Honeybear“ kunstvoller Exhibitionismus. Tillman berichtet im zarten „I Went To The Store One Day“ davon, wie er seine Frau auf einem Parkplatz kennenlernte, vertont die Hochzeit und den Honeymoon-Sex in „Chateau Lobby #4 (In C For Two Virgins)“. Es gibt in knackige Popsongs verpackte Durchhalteparolen („The Ideal Husband“) und mit Slide-Guitar geschmückte Liebeserklärungen wie den Titelsong, in dem er von fleckigen Bettlaken und vom Finanzcrash erzählt und noch einmal unwiderstehlich den zynischen Romantiker spielt: „Everything is doomed/ And nothing will be spared/ But I love you, honeybear!“

Gunther Reinhardt, ROLLING STONE 02/2015

Kante veröffentlichen mit (dem großartigen Albumtitel) “In der Zuckerfabrik” gesammelte Theatermusiken aus den letzten Jahren. Zuletzt erschien vor sieben Jahren (!) ihre Studio-LP “Kante Plays Rhythmus Berlin”. Seitdem begleiten sie mit lyrisch-lässigen Songs, experimentellen Elektromixen und einprägsamen Popnummern Stücke wie “Antigone”, “Der gute Mensch von Sezuan” und “Black Rider”.

“A Flourish And A Spoil” von The Districts ist reine Teenage Rebellion mit ungestümem, melodieseligem US-Garagenrock. Die Geschichte, die The Districts erzählen, spielt sich zwischen dem Kaff, in dem sie ihre noch nicht lange zurückligende Jugend verbracht haben, und einer Straßenkreuzung in Brooklyn ab, an dem sie ihren Van parkten, als sie es endlich herausgeschafft hatten aus Lititz/Pennsylvania. Hier können Sie schon einmal reinhören!

Außerdem in dieser Woche neu im Plattenregal: “Where Did We Get Lost” von Songwriter Jeff Beadle (ideal für den Winter: rohe und intenisve Songs über Einsamkeit und zerbrochene Liebschaften aus Kanada), der erstaunlich vielseitige Soundtrack zu “Fifty Shades Of Grey”, Live-Preziosen von Van Der Graaf Generator (“Merlin Atmos”) und Nick Caves “Murder Ballads” auf Vinyl.

Plattenladen der Woche:

Der Schallplattenmann

Fahrstr. 12        

91054 Erlangen

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