„I Need That Record!“: Dokumentation über die Krise der Indie Record Stores


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Am 07. August soll die Dokumentation „I Need That Record“ auch in Europa regulär zu bekommen sein – zunächst jedoch nur als UK-Import. Mit viel Melancholie und wehmütigem Humor begibt sich Brendan Toller auf einen Streifzug durch die Plattenläden der Vereinigten Staaten und interviewt auf dem Weg dorthin auch prominente Plattenkäufer wie Patti Smith-Gitarrist Lenny Kaye, Ex-Minutemen-Bassist Mike Watt, Thurston Moore von Sonic Youth, Autor Noam Chomsky und Ex-Fugazi Ian MacKaye.

Auch wenn „I Need That Record“ vornehmlich in den Jahren 2006 bis 2009 gedreht wurde, hat er nicht wirklich an Aktualität eingebüßt. Das Abwenden der Jugend vom physischen Tonträger, der Tonträgerverkauf in großen Kaufhausketten, schrumpfende Gewinnmargen bei unabhängigen Händlern – all das ist schließlich aktueller denn je.

Dennoch gewinnt der Film vor allem durch die genaue Portraitierung seiner Protagonisten. Die Szene, in der Toller einen Angestellten von Record Express in Middletown beim Ausräumen des Ladens fragt, ob er bereit ist, die zehn Jahre, die er dort arbeitete, hinter zu lassen, sagt auch ohne eine Antwort des Gefragten mehr als tausend Worte. Die Szene findet sich ebenfalls im offiziellen Trailer wieder:

Auch das Durchstehen der letzten Tage des Punkrock-Plattenladens Trash American Style hat einen ähnlichen Effekt. „Ich weiß nicht, wo ich jetzt hingehen soll“, sagt zum Beispiel ein Kunde im Teenageralter. Und sein Kumpel ergänzt: „Es ist, als würde der beste Freund in ein weit entferntes Land reisen, und du weißt, du wirst nie das Geld für ein Ticket zu haben, um ihn dort mal zu besuchen.“

Gerade der zwischenmenschliche Aspekt des Kaufens beim Plattendealer des Vertrauens war Toller besonders wichtig. So sagte er dem amerikanischen Rolling Stone: „Klar, man kann heute jegliche Musik im Internet finden, aber das wird immer ein eher einsamer Akt bleiben. Für Musikfans wie mich ist der Plattenladen das Zentrum unseres sozialen Universums.“ Aber es werde eben auch immer schwieriger, regionale Läden zu unterstützen, wenn die Händler inzwischen weitaus teuere Preise veranschlagen müssen, als die großen Ketten oder die Downloadstores.

Dennoch will Brendan Toller nicht den Untergang der Plattenladenkultur ausrufen und seinen Film als Abgesang verstanden wissen. Der amerikanischen Website „Spinner“ sagte er: „Es ist was dran, dass die Leute weniger Geld für Musik ausgeben, wenn sie alles auch for free im Internet finden. Aber ich glaube, wenn man ihnen etwas bietet – Gemeinschaftsevents, Listening Sessions, In-Store-Gigs, irgendetwas, was sie von ihrem Rechner weg und in den Laden lockt – dann werden diese Leute kommen.“

In diesem Sinne: Support your local Plattendealer!

Weitere Informationen zum Film gibt es auf www.ineedthatrecord.com

Daniel Koch