Ian Gillan über Gesundheit, Sehkraft und Zukunft bei Deep Purple

Ian Gillan über seinen Sehkraft-Verlust, die Folgen für den Alltag und warum er offen über ein Ende seiner aktiven Zeit bei Deep Purple nachdenkt.

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Im Sommer 2024 bespielte er noch mit voller Energie die große Seebühne beim legendären „Montreux Jazz Festival“. Das (je nach Zählweise) 23. Album der Hardrocker „=1“ war gerade erschienen. Volldampf voraus.

Im August 2025 feierte Deep-Purple-Frontmann Ian Gillan seinen 80. Geburtstag.

In einem Interview mit dem britischen Magazin „Uncut“ offenbart er nun, dass er nur noch etwa 30 Prozent seiner Sehkraft besitzt – und dass ein vollständiger Rückzug vom aufreibenden Tour-Geschäft „nicht mehr weit entfernt“ sei.

Schwindendes Sehvermögen und veränderte Alltagsroutinen

Gillan beschreibt, wie der Sehverlust seinen Alltag verändert. Besonders das Arbeiten am Laptop fällt ihm schwer. Er kann die Bildschirmzeilen nur peripher wahrnehmen, indem er aus dem Winkel schaut. Er sagt dazu: „Aber man findet immer einen Weg. Man passt sich an.“

Trotz dieses Handicaps nimmt er den Lauf der Zeit mit britischem Humor: „Es ist lustig, alt zu werden. … Nichts hat sich wirklich geändert. Außer dass ich keinen Stabhochsprung mehr mache. Es geht halt alles alles etwas langsamer.“

Die persönliche Grenze und der Umgang mit dem Alter

Grundsätzlich zieht er für sich selbst eine klare Grenze: „Wenn ich meine Energie verliere, höre ich auf. Ich möchte niemandem peinlich sein.“
Er ergänzt, dass das Altern schleichend komme – man bemerke es nicht sofort.

Deep Purple bleiben aktiv – trotz Unsicherheiten

Seine Aussagen kommen zu einem Zeitpunkt, da die vielfach umformierten Deep Purple weiterhin aktiv sind. Zwar beendeten sie ihre reguläre Tour im November 2024, doch nun stehen diverse Einzeltermine bevor – unter anderem in Tiflis (Georgien), Dubai und Kuala Lumpur. Zudem ist eine Europatour für Juni/Juli 2026 avisiert.

Doch Gillan gibt unumwunden zu, dass er unsicher ist, wie lange er das Tempo noch halten kann. Bemerkenswert ist der zeitliche Kontext: Kurz nachdem Ex-Purple-Sänger David Coverdale offiziell seinen kompletten Rückzug aus dem Musikbiz verkündet hat, spricht auch der Kollege offen über einen möglichen „Exit“.

Realistischer Blick auf das mögliche Karriereende

Der Mann, der seit den „Smoke on the Water“-Tagen dabei ist, betont zum Abschluss des Gesprächs noch einmal, dass die Zeichen des Alters nicht zu ignorieren sind. Und er sich nicht scheut, realistisch über ein absehbares Ende seiner aktiven Zeit nachzudenken.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.