WM: Verliert die Iran-Elf, falls gegnerische Fans persische Flaggen hissen?
Irans Sportminister Ahmad Donjamali hat der FIFA den Spielabbruch bei politischen Parolen angekündigt.
Eine kurze Fangfrage vorab: Was sind die interessantesten Spiele der WM-Gruppenphase? Das Eröffnungsspiel mit dem Auftritt von Shakira, England gegen Kroatien, Deutschland gegen Ecuador? Vergessen Sie alle davon – denn die mit Abstand interessantesten Spiele werden die des Iran sein. Wenn nicht sportlich, dann politisch. Von Spielern, die an der Grenze festhängen, über Raketen, die parallel den Iran treffen, bis hin zu Spielabbrüchen und Verhaftungen scheint alles möglich. Wer weiß, vielleicht führen ICE-Beamte noch ein paar Spieler aus dem Stadion direkt ins Abschiebeflugzeug ab.
Nach den vielen Einreise- und Ausreise-Debakeln rund um die USA meldet sich nun der iranische Sportminister zu Wort.
Spielabbruch als Drohkulisse
Der Iran trifft in der WM-Vorrunde auf Neuseeland, Belgien und Ägypten. Sollte es für diese Mannschaften eng werden, wäre es doch denkbar, dass der iranische Sportminister Ahmad Donjamali einen wasserdichten Lösungsansatz bereit hält: einfach ein paar alte persische Flaggen mit Löwen- und Sonnenemblem im Stadion hissen.
Und was ist erst, wenn belgische, neuseeländische oder ägyptische Fans alte persische Flaggen hochhalten, auch in die TV-Kameras – damit die Iran-Elf das Spiel abbricht und dadurch verliert? Das wäre dann eine mögliche Taktik des Gegners bzw. eher gesagt deren Fans. Vielleicht nicht ganz realistisch. Aber sowohl FIFA als auch die Behörden vor Ort haben erklärt, dass man nicht alle Stadionbesucher derart kontrollieren könne.
„Wir haben der FIFA bereits mitgeteilt, dass die Verantwortlichen des Teams das Spiel abbrechen würden, sobald wir in den Stadien politische Parolen hören“, erklärte der iranische Sportminister. Die alte Flagge des Iran wird von monarchistischen Oppositionsgruppen bevorzugt und gilt als Symbol der Ablehnung des islamischen Systems im Iran. Ein Spielabbruch würde automatisch zum Sieg des Gegners führen.
Los Angeles als politischer Brennpunkt
Noch heikler wird die Situation angesichts der Tatsache, dass zwei Spiele des Iran in Los Angeles stattfinden – der Stadt, in der der Großteil der fast zwei Millionen Menschen umfassenden persischen Diaspora lebt – auch genannt Tehrangeles. Ein perfekter Zeitpunkt, um Protest gegen die iranische Führung zu zeigen. Das iranische Team könnte dann zumindest der „Bitte“ der USA nachkommen und noch am gleichen Spieltag ausreisen. Bleibt nur die Frage, ob der nächste Raketeneinschlag im Stadiontor oder auf iranischem Boden stattfinden wird.