Iran und das WM-Visum: Schlaflos in Seattle – ein Einreisedrama in drei Akten

Visum erteilt, Zwangsausreise noch am Spieltag, Seattle logistisch unlösbar: Wie Geopolitik und FIFA das iranische WM-Team in drei Akte Absurdität zwingen.

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Während unser „Loddar Maddeus“ sich über den trockenen Rasen in den USA echäuffiert, dürfte die iranische Delegation froh sein, sollte sie überhaupt in die Nähe des unterwässerten Grüns kommen. Denn die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA sind mehr als nur trocken. Rund sechs Tage vor dem Start der Weltmeisterschaft schickt der Iran Drohnen Richtung Straße von Hormus, Trump antwortet seinerseits mit Raketen. Israel schickt ebenfalls Raketen Richtung Iran, der Iran Richtung Israel. Laut Trump ist ein Abkommen am Verhandlungstisch dennoch nicht weit entfernt. In den USA nennen sie es „the art of the deal“.

Einreise ja – aber bitte sofort wieder ausreisen

Ein gleichermaßen interessanter Deal scheint nun auch das iranische Fußballteam ereilt zu haben. Die Spieler dürfen zwar zu ihren Spielen in die USA einreisen, müssen aber noch am selben Tag wieder ausreisen. Und während den Spielern die Teilnahme an den Spielen gewährt wird, wurde einigen Delegationsmitgliedern des iranischen Fußballverbands schlicht kein Visum ausgestellt.

Das iranische Team hat sein Lager derzeit in Mexiko aufgeschlagen und muss alle drei WM-Gruppenspiele in den USA bestreiten. Der Versuch, eine Verlegung der Spiele in die anderen beiden Gastgeberländer Mexiko und Kanada zu erwirken, scheiterte – die FIFA sah angesichts eines anhaltenden Krieges kein nennenswertes Problem. Schließlich wurde Trump auch der FIFA-Friedenspreis verliehen.

Fakt ist: Die iranischen Spieler müssen Stand 8. Juni 2026 noch am selben Spieltag ausreisen. Die ersten beiden Vorrundenpartien – am 16. Juni gegen Neuseeland und am 21. Juni gegen Belgien – finden in Los Angeles statt. Da diese Spiele um 18:00 Uhr und 12:00 Uhr Ortszeit angesetzt sind, kann das Team die USA noch rechtzeitig verlassen: absurd, aber machbar. Direkt nach den Spielen wäre eine rund 200 km lange, etwa zweistündige Busfahrt zum Teamquartier im mexikanischen Tijuana nahe der Grenze zu schaffen. Gut, dass es nach 22 Minuten eine Trinkpause in allen WM-Spielen gibt – sonst könnte man glatt von Wettbewerbsverzerrung reden.

Seattle: Das Spiel, das rechnerisch nicht aufgeht

Interessanter wird es beim Spiel in Seattle. Am 27. Juni tritt die iranische Mannschaft um 20:00 Uhr Ortszeit gegen Ägypten an. Da ein Spiel mindestens zwei Stunden dauert, blieben den Spielern des Iran sage und schreibe zwei Stunden, um das Land zu verlassen. Man weiß nicht genau wie, aber bei einer Flugzeit von über drei Stunden dürfte es schier unmöglich sein, rechtzeitig zum Teamquartier zu gelangen – selbst wenn die Stollenschuhe noch angezogen sind und das Flugzeug vom Feld startet. Ob die USA dem Iran raten werden, einen Umweg über das nähere Kanada zu nehmen, oder ob ICE-Beamte bereits einen direkten Abschiebeflug organisiert haben, bleibt offen.

Aber reden wir lieber darüber, dass Lennart Kahl für die WM ausfällt und Sané damit wieder ein Thema wird.

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