Der Irankrieg löst eine Gesundheits- und Umweltkrise aus

Die WHO warnt: Der schwarze Regen über Teheran nach Angriffen auf Ölanlagen sei eine „Gefahr für die Bevölkerung“.

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Rauch, der durch die Stadt zieht. Schwarze Himmel, die die Morgensonne verdecken. Schwarzer Regen, der alles mit einem giftigen, undurchsichtigen Rückstand überzieht. Das sind die Zustände, mit denen Teherans Einwohner aufwachen, seit die USA und Israel Anfang des Monats ihren Krieg gegen Iran begonnen haben – und seitdem die Öldepots der Stadt bombardiert werden, was riesige schwarze Rauchsäulen über ihnen aufsteigen lässt.

Die Weltgesundheitsorganisation erklärte kürzlich, dass der schwarze und „saure Regen“, der durch diese Bombardierungen entstand, „eine Gefahr für die Bevölkerung“ darstelle. Die Organisation wies darauf hin, dass Menschen in der Region mit Atemproblemen rechnen müssten und die Bedingungen für Menschen mit bestehenden Atemwegserkrankungen wie Asthma lebensbedrohlich sein könnten.

„Solche Rauchwolken können Feinstaub, Stickoxide, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und toxische organische Verbindungen enthalten – darunter PAK und möglicherweise Dioxine – und stellen ein Gesundheitsrisiko für die in Windrichtung liegenden Gemeinden dar“, heißt es in einem Märzbericht des Conflict and Environment Observatory.

Umweltschäden durch Ölbrände

Ein in Flammen stehendes Öldepot ist natürlich auch eine Bedrohung für die Umwelt. Je länger der Krieg andauert, desto mehr CO₂-Emissionen werden erzeugt – und ein Ende ist derzeit nicht in Sicht, während die USA und Israel Iran weiter bombardieren. Der anhaltende Konflikt in der Ukraine hat gezeigt, dass Krieg dazu führen kann, dass zig Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen werden.

Michael Oppenheimer, Professor für Geowissenschaften und internationale Angelegenheiten an der Princeton University, sagt gegenüber ROLLING STONE, dass in dieser frühen Phase des Krieges weniger die Emissionen als vielmehr die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit im Vordergrund stehen.

„Basierend auf Analysen nach dem Golfkrieg, als eine große Anzahl von Ölquellen in Kuwait in Brand gesetzt wurde, war die Auswirkung auf das langfristige globale Klima wahrscheinlich nicht signifikant“, sagt Oppenheimer. „Es wird für einen gewissen Zeitraum ein regionales Luftverschmutzungsproblem erzeugen.“

Giftige Partikel, vergiftetes Wasser

Oppenheimer zufolge werden schwere Partikel wie Ruß das Gebiet kontaminieren, aber Mikropartikel können weite Strecken zurücklegen – möglicherweise Hunderte von Kilometern – und in die Lungen der Menschen gelangen. Die Auswirkungen der brennenden Öldepots könnten auch Wasservorräte und die Landwirtschaft bedrohen.

„Neben den Menschen, die durch Militäraktionen direkt verletzt oder getötet werden, gibt es diese indirekten Folgen – Öl, das in die Wasserversorgung gelangt, in den Boden sickert und Bäche, Flüsse und Stauseen verseucht“, sagt Oppenheimer. „In der Golfregion gibt es nicht viel Wasser – es ist ein sehr trockener Teil der Welt – sodass das vorhandene Oberflächenwasser verschmutzt werden kann.“

Iran litt bereits vor Kriegsbeginn unter einem erheblichen Wassermangel, sodass eine Beeinträchtigung der Wasserversorgung ernste Probleme verursachen könnte. Die USA haben zudem eine Entsalzungsanlage in der Region getroffen, was die Wasserversorgung von 30 umliegenden Dörfern unterbrach. Sollten weitere Angriffe auf Entsalzungsanlagen folgen, dürfte sich die Versorgungskrise noch verschärfen.

Ernteausfälle und Hungersnot

Die Verschmutzung durch die Bombardierung von Öldepots am vergangenen Wochenende scheint bereits Gebiete erreicht zu haben, in denen Lebensmittel angebaut werden. Oppenheimer erklärt, dass Partikel aus den Bränden Giftstoffe erzeugen können, die im Boden landen und von Nutzpflanzen aufgenommen werden. Iran kämpft ohnehin bereits mit einer Nahrungsmittelknappheit.

„Diese Partikel sind schon bei relativ geringen Konzentrationen schädlich für die menschliche Gesundheit“, sagt Oppenheimer.

Michael Mann, Distinguished Professor für Erd- und Umweltwissenschaften an der University of Pennsylvania, sagt, er mache sich Sorgen um die „unmittelbaren Auswirkungen auf die Atemwege“ und die „langfristigen gesundheitlichen Folgen der potenziell krebserregenden Giftstoffe, denen die Menschen im Iran ausgesetzt sind“.

Trump als Metapher der Gefahr

„Für mich ist das fast eine Metapher dafür, was Donald Trump so gefährlich macht“, sagt Mann. „Er bedroht unsere Welt auf so viele Arten.“

Die Militärfahrzeuge in der Region – von Schiffen bis zu Kampfjets – stoßen ebenfalls CO₂-Emissionen und Schadstoffe aus, die die Umwelt schädigen und zum Klimawandel beitragen. „Mit fortschreitendem Krieg werden die Militäroperationen selbst zu den Kohlendioxidemissionen und anderen Formen der Umweltverschmutzung beitragen“, sagt Oppenheimer.

Wir neigen dazu, Bilder von Explosionen und Schusswechseln zu sehen und dabei an die unmittelbaren Todesopfer zu denken – wie die mindestens 175 Menschen, überwiegend Kinder, die bei einem Angriff auf eine Grundschule getötet wurden, für den die USA verantwortlich zu sein scheinen – doch es könnte sehr wohl noch weitaus mehr Tote geben, die nicht sofort sterben. Die Umweltfolgen des Krieges sowie die Auswirkungen auf Nahrung und Wasser könnten die Bevölkerung in der Region noch jahrelang bedrohen. Die Verantwortlichen für diesen Krieg werden das freilich kaum kümmern.

„Jedes Mal, wenn wir das in einer Kampfsituation erlebt haben, ist es dieselbe Geschichte“, sagt Oppenheimer. „Regierungen scheinen es zu vergessen – und machen es dann wieder.“

Thor Benson schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil