John Cale über Velvet Underground. Reunion? Nein, danke!


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„Auf der Basis unserer Vergangenheit sehe ich eine Reunion einfach nicht“, sagte John Cale kürzlich in einem Interview mit BBC 6 Music. Gefragt wurde er im Angesicht der zahllosen Reunions namhafter Acts in jüngster Vergangenheit. So etwas käme für Cale kategorisch nicht in Frage: „Ich kann verstehen, wenn das jemand machen will, um damit viel Geld zu verdienen. Aber das geht einfach nicht. Wir haben Sterling (Morrison) nicht mehr. Es wäre zynisch, wenn ich sagen würde, ich hätte Interesse an so was.“

Seine Beziehung zu Lou Reed stellte John Cale eher kühl dar: „Wir haben auf einen geschäftlichen Basis Kontakt. Aber ich habe lange nicht mehr mit ihm gesprochen. Es gibt beiderseits kein Bemühen mehr, darüber hinaus Umgang miteinander zu haben.“

Über das immer noch anhaltende Interesse der Popkultur am Schaffen von Velvet Underground, das sich in immer neuen Veröffentlichungen (wie der im aktuellen Magazin vorgestellte Fotoband von Jim deRogatis) zeigt, äußerte sich Cale zurückhaltend. Er verfolge das nicht, so Cale. „Was auch immer Velvet Underground gemacht haben, liegt in der Vergangenheit. Ich respektiere das Interesse der Leute, es ehrt mich, aber in Sachen Songwriting habe ich einfach inzwischen ein völlig andere Sichtweise.“

John Cale ließ zudem verlauten, er habe momentan 28 Songs fertig, wisse aber noch nicht, wie er sie veröffentlichen will – „das ist so ein wenig die Zwickmühle“. Dabei liebäugelte Cale durchaus mit den neuesten technischen Errungenschaften, da er sich nicht sicher sei, ob er noch an „die Idee des Albums“ glaube. „Ich war letztens auf einem Konzert von Todd Rundgren in New York, wo man gleich im Anschluss einen Memory Stick mit dem eben gehörten kaufen konnte. Ich dachte mir, das sei eine verdammt scharfsinnige Idee – und überlegte gleich, ob ich das so oder ähnlich auch für mich nutzen könnte.“

John Cale – „Paris 1919“ (live im Paradiso, Amsterdam)