Joko und Klaas haben anscheinend den Respekt vor Publikum und Sender verloren


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Bei der letzten Show „Joko und Klaas gegen ProSieben“ haben die beiden Comedians mal wieder triumphiert. Der abgesprochene Lohn: 15 Minuten zur freien Verfügung – und das zur Primetime um 20.15 Uhr am Mittwoch.

Nachdem die beiden Moderatoren mit ihrem letzten Freischuss auf die unerträgliche Situation der Ukrainer während des Angriffskrieges Putins aufmerksam machten, ging es diesmal in eine ganz andere Richtung. Joko und Klaas wollten schlicht und einfach ein Quoten-Armageddon für ihren Haussender erreichen.

Der Plan: So langweilig sein, dass möglichst das Publikum in Scharen flüchtet. 0,0 Prozent Einschaltquote, das schafft ja noch nicht einmal ein verquaster Shoppingkanal-Moderator um Mitternacht.

In der Schlange vor einer weißen Wand

Nach der launigen Ankündigung des Streichs und dem passenden Hashtag dazu (#JKLame) war das Duo zu sehen, wie es vor weißem Hintergrund wortlos in einer Schlange anstand. Dazu war Fahrstuhlmusik zu hören, verbunden mit Hinweisen, was bei der Fernsehkonkurrenz zu sehen ist oder wie man die Zeit besser nutzen könnte („Backblech stark verbrannt? Jetzt aufstehen, mit Natron oder Backpulver einweichen und einfach säubern“).

Mit dem Projekt wollten sie ProSieben, das sie so sehr mit Sendezeit „verwöhnt“, einmal „maximal auf den Senkel gehen“, so Joko Winterscheidt zum Start der Clownerie. Sie hätten sich vorgenommen, die Quote „auf null herunterzupetern“, ergänzte Klaas Heufer-Umlauf. Beide nannten ihr Spielchen eine „quotenlose Frechheit“.

Sender ProSieben reagierte auf Twitter mit ironisierter Gereiztheit. „Dafür habt ihr gewonnen? DAFÜR?“, hieß es zunächst – um später nachzulegen, dass man sich von dem Ergebnis, nun ja, distanziere.

Das erwünschte Ziel ging selbstredend nicht auf. Im Gegenteil. Die Aktion lockte fast 14 Prozent der gewünschten Zielgruppe vor den Fernseher, wie ProSieben nicht ohne Stolz erklärte.

Und was soll das ganze?

Bleibt die Frage, ob die beiden Klassenkasperle inzwischen längst den Respekt vor ihren Zuschauer*innen verloren haben, weil es ihnen egal ist, ob sie gesehen werden, oder ob sie die Narrenfreiheit, die sie von ihrem Sender bekommen, nicht recht zu schätzen wissen.

Großartigen Aktionen wie dem Pflege-Special folgen immer wieder Heuler wie eben diese „quotenlose Frechheit“. Aber Anarchie war ja stets das Konzept von Joko und Klaas – und natürlich maximale Außenwirkung. Dass dabei ein gewisser Grad Zerstörung mit eingeplant wird, gehört dazu. Auch wenn sich die Moderatoren dabei nicht auf dem künstlerisch wertvollen Gebiet der Satire austoben, sondern eher im Medien als Höllenmaschine der Langeweile entlarvenden Klamauk-Segment operieren. Sie sind eben beide moderne Till Eulenspiegel. Mal mit Erkenntnisgewinn, mal nicht.