Julian Lennon arbeitet ein tiefsitzendes Trauma auf


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Der lange Nachhall einer spektakulären Dokumentation. 2021 wurde über die Streaming-Plattform Disney+ eine technische Fleißarbeit des neuseeländischen Filmemachers Peter Jackson veröffentlicht. Zu sehen gab es mehr als sechs Stunden bis dato unveröffentlichtes Filmmaterial, das die Beatles während der Studio-Aufnahmen des 1970er-Albums „Let It Be“ zeigt.

„Get Back“ in der Kritik:

Der älteste der Söhne von John Lennon, geboren im April 1963, gab nun zu Protokoll, dass er beim Anschauen des Dokfilms „eine ganze Menge zu verarbeiten“ hatte. Doch letztlich hat ihm die teils recht intime Rückschau dabei geholfen, seinen Vater wieder „zu schätzen“.

„Der hat mich wirklich daran erinnert, wie Dad früher war“, erklärte Julian Lenon gegenüber „Yahoo Music“. „Als ich als Kind mit zusammen war, war er lustig, albern, sarkastisch, talentiert, launisch, grüblerisch – aber immer lustig. All das war er für mich, als wir zusammenlebten. Und dadurch habe ich ihn wieder lieb gewonnen. Ein schöner Moment. Ich konnte ihn plötzlich wieder schätzen. Für mich ein Flashback, wie er war, bevor zwischen uns doch so einiges schief ging.“

Julian und sein berühmter Vater hatten eine eher angespannte Beziehung. Julians Mutter, Cynthia, war Johns erste Frau. Das Paar ließ sich 1968 scheiden, nachdem John eine Affäre mit Yoko Ono hatte, die er später, 1969, heiratete.

Über die Jahre hinweg lang hatte John keinen Kontakt zu Julian, doch Mitte der Siebziger bemühte sich der Beatle um eine Wiederannäherung, Laut Aussagen einiger Zeitzeugen soll sich die Beziehung zwischen den Beiden bis zu Johns tragischem Tod in New York City im Jahr 1980 deutlich verbessert haben.

„Wir haben es mit Umarmungen versucht; als Auftakt, um uns wieder kennenzulernen, bevor er starb“, so Julian. „Eine angenehme Erfahrung. Schon großartig. Ich sehnte mich danach, noch mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Schließlich war ‚Get Back’nur ein Tool, seine menschliche Seite zu erinnern. Es hat mich inspiriert, ich habe das sehr genossen.“

Grund für diese Innenschau seiner Seele ist Julians neues Album – sein erstes seit 2011 – heißt „Jude“, eine Anspielung auf den berühmten Beatles-Song, den Paul McCartney für ihn geschrieben hat. „Es fühlte sich einfach wie der richtige Titel und die richtige Sache an“, erklärt er. „Es geht vor allem darum, alle Ängste und Befürchtungen zu überwinden, die ich mit den Beatles, Dad und so weiter verbinde.“