Kanye West bietet jüdischer Community in Großbritannien Treffen an – mitten im Wireless-Festival-Gegenwind
Kanye West will beim Wireless Festival in London auftreten – und bietet der jüdischen Community nun ein persönliches Gespräch an.
Kanye West hat der jüdischen Community in Großbritannien ein Treffen angeboten, während der Gegenwind gegen seinen geplanten Auftritt beim Londoner Wireless Festival immer stärker wird. Der Rapper, der sich Ye nennt, soll in diesem Sommer an drei Abenden das Festival headlinen.
Obwohl West sich zuletzt für sein früheres Verhalten und seine antisemitischen Äußerungen entschuldigt hat, stößt die Entscheidung von Wireless weiterhin auf scharfe Kritik aus Politik und Wirtschaft. UK-Premierminister Keir Starmer und Londons Bürgermeister Sadiq Khan verurteilten die Buchung, und die BBC berichtete, dass einige Minister prüfen, ob West überhaupt die Einreise nach Großbritannien gestattet werden soll. Darüber hinaus haben Pepsi, Rockstar Energy und der Getränkekonzern Diageo ihre Sponsorschaften für das Wireless 2026 zurückgezogen.
In einem Statement erklärte West: „Ich verfolge die Diskussion rund um Wireless und möchte sie direkt ansprechen. Mein einziges Ziel ist es, nach London zu kommen und mit meiner Musik eine Show des Wandels zu präsentieren – eine Show, die Einheit, Frieden und Liebe bringt. Ich wäre dankbar für die Gelegenheit, Mitglieder der jüdischen Community in Großbritannien persönlich zu treffen und zuzuhören. Ich weiß, dass Worte nicht genug sind – ich werde Veränderung durch meine Taten beweisen müssen. Wenn ihr offen dafür seid, bin ich bereit.“
Jüdische Community reagiert
Phil Rosenberg, Präsident des Board of Deputies of British Jews, der größten jüdischen Organisation in Großbritannien, erklärte, die Gruppe sei unter bestimmten Bedingungen „bereit“, Ye zu treffen.
„Noch während er heute Reue bekundet, enthält sein neuestes Album einen Track, der letztes Jahr erstmals unter dem abscheulichen Titel ‚Gas Chamber‘ veröffentlicht wurde“, sagte Rosenberg in einem Statement (via „The Guardian“). „Die jüdische Community möchte echte Reue und einen echten Wandel erleben, bevor sie glaubt, dass der richtige Ort, diese Aufrichtigkeit zu testen, die Hauptbühne des Wireless Festivals ist. Daher sind wir bereit, Kanye West als Teil seines Weges der Heilung zu treffen – aber erst, nachdem er zugestimmt hat, in diesem Jahr nicht beim Wireless Festival aufzutreten.“
Wests Statement erschien nur wenige Stunden nachdem Festival-Republic-Chef Melvin Benn, der die Buchung abgenickt hatte, Wests Aussagen zwar verurteilte, die geplante Performance aber dennoch verteidigte. In einem Statement gegenüber ROLLING STONE forderte Benn, Managing Director von Festival Republic, die Kritiker auf, Ye „Vergebung und Hoffnung“ entgegenzubringen, und erklärte: „Vergeben und Menschen eine zweite Chance geben – das wird in dieser immer spaltungsfreudigeren Welt zu einer verlorenen Tugend.“
Wireless hält am Lineup fest
Trotz des Gegenwinds deutete Benns Statement darauf hin, dass Wireless sein Lineup nicht ändern werde. Mit Verweis auf Wests Entschuldigung, in der der Rapper seine antisemitischen Ausbrüche mit seinem Kampf gegen die bipolare Störung verknüpfte, erklärte Benn, er habe seit 15 Jahren einen Menschen in seinem Leben, der ebenfalls „an einer psychischen Erkrankung leidet“. Er habe dabei „viele Episoden abscheulichen Verhaltens miterlebt, die ich vergeben und hinter mir lassen musste“.
Ye kehrte kürzlich mit zwei Abenden im SoFi Stadium in Los Angeles auf die Bühne zurück, zeitgleich mit der Veröffentlichung seines neuen Albums „Bully“. Neben Wireless hat er weitere Shows in Indien, der Türkei und mehreren europäischen Großstädten geplant.