Kanye Wests Konzert in Polen abgesagt – neuer Rückschlag für Europatournee

„Ein Land, dessen Geschichte vom Holocaust gezeichnet ist, kann nicht so tun, als wäre es nur Unterhaltung.“

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Kanye Wests geplantes Konzert in Polen im Juni ist abgesagt worden – der jüngste Rückschlag in einer Reihe von europäischen Ländern, die dem Rapper wegen seiner antisemitischen Äußerungen und der Verherrlichung des Nationalsozialismus Auftritte verwehren.

West war umstritten als Headliner aller drei Abende des Londoner Wireless Festivals gebucht, bis britische Behörden sein Visum ablehnten und das Festival daraufhin abgesagt wurde. Ebenso war er für einen Auftritt im Juni in Marseille eingeplant, den er angesichts des Gegenwinds und eines drohenden Einreiseverbots verschob.

Auch ein Konzert am 19. Juni in Chorzów, Polen, stand auf dem Programm – doch die Veranstalter gaben am Freitag (17.04.) bekannt, dass die Show nicht stattfinden wird. „Wir möchten Sie darüber informieren, dass das für den 19. Juni 2026 im Stadion Śląski geplante Konzert von Ye (Kanye West) aus formalen und rechtlichen Gründen nicht stattfinden wird“, erklärte Stadion-Direktor Adam Strzyżewski in einer Stellungnahme (laut Reuters).

Kulturministerin ergreift das Wort

Polens Kulturministerin Marta Cienkowska schrieb in den sozialen Medien über den geplanten Auftritt: „In einem Land, das von der Geschichte des Holocaust gezeichnet ist, können wir nicht so tun, als wäre das bloße Unterhaltung. Künstlerische Freiheit bedeutet nicht, allem einen Freifahrtschein zu erteilen. Kultur darf kein Raum für jene sein, die sie missbrauchen, um Hass zu verbreiten.“

Cienkowska weiter: „Wir sprechen von einem Künstler, der öffentlich antisemitische Ansichten geäußert, Verbrechen verharmlost und mit dem Verkauf von T-Shirts mit Hakenkreuzen Profit gemacht hat. Das sind keine ‚Kontroversen‘. Das ist ein gezieltes Überschreiten von Grenzen und die Normalisierung von Hass.“

Ein Sprecher von West reagierte zunächst nicht auf die Anfrage von ROLLING STONE. West selbst hat sich zur Absage in Polen bislang nicht geäußert.

Wests Reaktion auf Marseille

Nach der Verschiebung des Frankreich-Auftritts hatte der Rapper erklärt: „Nach reiflicher Überlegung habe ich persönlich entschieden, meine Show in Marseille bis auf Weiteres zu verschieben. Ich weiß, dass es Zeit braucht, die Aufrichtigkeit meines Willens zur Wiedergutmachung zu verstehen. Ich übernehme die volle Verantwortung für das, was mir anzulasten ist, aber ich möchte meine Fans nicht in die Mitte davon ziehen. Meine Fans bedeuten mir alles.“

West hatte im Januar mit einer ganzseitigen Anzeige im „Wall Street Journal“ eine Entschuldigungsoffensive für sein vergangenes Verhalten gestartet. „Ich schulde erneut eine große Entschuldigung für alles, was ich gesagt habe, das insbesondere die jüdische und die schwarze Community verletzt hat“, hieß es darin. „Das alles ist zu weit gegangen.“ Die Anzeige ebnete den Weg für sein Album „Bully“, das im März erschien. Trotz seines umstrittenen Verhaltens verkaufte er zwei Stadionshows in Los Angeles restlos aus, und sein Album stieg auf Platz zwei der „Billboard“ 200 ein.

Daniel Kreps schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil