Buchtipp



Kevin Coyne verstand die Lächerlichkeit des Lebens wie kein anderer


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Er hätte einer der größten Musiker werden können. Diese Lesart spielt bei der Betrachtung des Lebens von Kevin Coyne, der am 02. Dezember 2004 in Nürnberg verstorben ist, stets eine Rolle.

Auch Andy Summers, der Gitarrist von The Police, der in den 70er-Jahren viel gemeinsam mit ihm arbeitete, verspürt diese Wehmut, wenn es um Coynes Werdegang geht, der einerseits der eines radikalen Künstlers ohne Hang zu Kompromissen ist, andererseits aber auch von der teuflischen Begabung zum Trinken und zur Liebe für die Schwachen und Ausgestoßenen geprägt war.

Kevin Coyne

„Wir scheißen und furzen auch“

Unsinnig ist der Gedanke, ob er nun ein Großer war (legendär ist Coynes Verteidigungsrede für sein Siren-Projekt mit dem Titel „Wir scheißen und furzen auch“, in dem er sich zeilenlang über das Schicksal einer Band am Rande des Wahrnehmungsspektrums erbricht; in diesem Band fast vollständig abgedruckt), denn der Brite war keine Inselbegabung. Er schrieb fürs Theater, schrieb Romane, schrieb seiner späteren fränkischen Heimat einen Liebesbrief, malte, arbeitete als Suchtberater. Seine Begegnung mit psychisch Kranken in einer Nervenklinik prägte sein Menschenbild.

Mit vielen exzellenten Bildern, so vielleicht zum ersten Mal zu sehen, wird die Kunstfertigkeit Coynes gewürdigt, Poeme (so etwa über Jack Kerouack) und Schriften sind ebenfalls enthalten wie ein Überblick über die schier unglaubliche Existenz von über 40 Alben und viele Hundert Gemälde.

Kevin Coyne war ein Getriebener, der die Lächerlichkeit des Lebens verstand wie kein anderer und sich selbst nicht vom Spott verschonte.

Brigitte Engl Redferns