Kinostart der Woche II: „Zeit des Zorns“ von und mit Rafi Pitts


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Es ist schon mutig, in dieser Zeit überhaupt im Iran zu drehen. Der junge Regisseur Pitts traute sich sogar, mitten in Teheran eine Szene zu realisieren, in der zwei Polizisten erschossen werden. Ali, von Pitts selbst gespielt, hat seine Frau (Mitra Hajjar) und seine erst sechsjährige Tochter verloren: Sie wurden bei einer Demonstration erschossen. Ein Unfall, erklärt der ermittelnde Beamte, und hakt den Fall ab. Das erinnert sehr an den realen Fall des Mädchens Neda, das im Juni 2009 bei Protesten getötet wurde – angeblich von einem Scharfschützen.

Ali, der in der Freizeit zum Jagen geht, klettert auf eine Anhöhe, nimmt die Fahrzeuge auf einer Autobahn ins Visier und drückt ab, als ein Polizeiwagen vorbeifährt. Eine impulsive Tat, die aber auch als Racheakt und Fanal verstanden werden kann. Bis zu diesem Punkt schildert Pitts etwas langatmig den Alltag seines schweigsamen Charakters in der hektischen Hauptstadt. Wie der „Taxi Driver“ scheint er innerlich zu brodeln, die Gründe aber bleiben unscharf. Im Schlussakt aber, wenn Ali von zwei Polizisten im Wald geschnappt und das Drama zum Thriller wird, zeigen sich in einer packenden Wendung die Anspannung, Angst und Gegensätze in diesem Land.

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Oliver Hüttmann