RS-Report



Kommt die Musikindustrie mit einem Knall aus der Pandemie?


von

Es riecht nach „starker Performance“! Zur Jahreshälfte gibt es für gewöhnlich die ersten Geschäftsberichte auch der großen, internationalen Musik- und Entertainment-Plattformen. Und diese sehen für 2022 durchaus erfreulich aus.

Branchenprimus Universal Music und Streaming-Riese Spotify sind vorgeprescht. Hüben wie drüben bemerkenswerte Zuwächse, wobei es sich immer lohnt, diese Plusmeldungen ein wenig zu hinterfragen. Etwa: Welche Sparten beflügeln die Gesamtbilanz, gibt es Einmal-Effekte und wo liegen die Fallstricke der Zukunft?

Starke Umsätze für Universal

Die an der holländischen Börse Euronext in Amsterdam notierte Universal Music Group veröffentlichte ihre Zahlen für das zweite Quartal 2022, die damit auch einen Halbjahres-Blick zulassen.
Universal-CEO Lucian Grainge konnte bei der Bilanz-Präsentation mit zweistelligen Umsatz-Zuwächsen glänzen, auch die Vorsteuergewinne können sich sehen lassen

In Zahlen: Marktführer Universal machte weltweit 4,734 Milliarden Euro Umsatz, was Wechselkurs-bereinigt ein Umsatzplus von 16,9 Prozent zum gleichen Abrechnungszeitraum in 2021 bedeutet

Die Vorsteuergewinne kletterten um elf Prozent auf 825 Millionen Euro. Darin enthalten sie auch die Beteiligungen an Spotify oder der chinesischen Musikplattform Tencent Music Entertainment.

Ein Erfolg der breiten Streuung der Aktivitäten, die über das alte Modell der „Plattenfirma“ weit hinausgehen. Das aktuelle UMG-Wachstum ist ein Kind dieser Strategie und unterstreiche zudem die Stärke und Widerstandsfähigkeit des Unternehmens, so Universal-Boss Grainge.

Rammstein und King & Prince

Musikalische Verkaufskanonen des zweiten Quartals sind die Berliner Berserker von Rammstein sowie BTS aus Südkorea und die hierzulande eher unbekannten King & Prince aus Japan.

Zur Orientierung: Der Bereich Recorded Music brachte im ersten Halbjahr 3,643 Milliarden, ist also weiterhin eine erhebliche Größe im Universal-Biz, zudem auch die weiterhin „starke Vinyl-Nachfrage“ beiträgt.

Spotify will mehr mit KI arbeiten

Weitgehend heiter auch die Quartalszahlen bei der schwedischen Streaming-Plattform Spotify, welche die Erwartungen der meisten Analysten übertrafen. Die Abo-Zahlen gingen genauso nach oben wie die Umsätze. Im Ausblick versprechen die Strategen um CEO Daniel Ek den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), die künftig noch mehr Inhalte produzieren soll

188 Millionen Premium-Abos zählte Dienst im zweiten Quartal 2022. Ein Plus um rund 14 Prozent, dazu habe laut Reuters auch das breite Podcast-Angebot beigetragen. Weltweit zählt man nun 433 Millionen Abos. Der Umsatz stieg um bemerkenswerte 23 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro.

Laut US-Medienangaben habe Spotify strak investiert, darunter die Mondsumme von einer Milliarde US-Dollar (!) für den Kauf der umstrittenen Krawall-Web-Talkshow „Joe Rogan Experience“. Insgesamt betrachtet habe sich die Zahl der Podcast-Hörer im zweiten Quartal 2022 auf Rekordhöhe geschraubt. International kann man aus über 4,4 Millionen Podcasts nach Gusto auswählen.

(Noch) Keine Preiserhöhung geplant

Von Preiserhöhungen für die monatliche Werbefreie Nutzung des Musik- und Wort-Angebotes will man bei Spotify nichts wissen, ganz anders als bei den Streaming-TV-Diensten. Amazon kündigte an, die Preise für sein „Prime“-Angebot erheblich zu erhöhen. So müssen Kunden künftig 89,90 EUR im Jahr zahlen (bislang 69 Euro) zahlen. Die Einzelkosten pro Monat steigen auf 8,99 Euro, bisher war es ein Euro weniger. Auch der bisherige Branchenführer Netflix dreht an der Preisschraube: Der Standardtarif wurde um einen Euro auf 12,99 Euro im Monat angehoben