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Kraftwerk: Ralf Hütter im Interview im April 1971

Nachdem sie schon vergangenes Jahr ihr Publikum auf zahlreichen Popfestivals begeisterten, findet die Begeisterung nun auf einer weitaus breiteren Basis statt. Ausschlaggebend dafür ist die erste LP von KRAFTWERK. Es hat ungefähr zwei Jahre gedauert bis man durch günstige Umstände an eine solche Produktion denken konnte. Der erste Versuch, sich durch eine LP ein breites Publikum zu erobern, ist in Deutschland ganz und in England zum Teil fehlgeschlagen.

Dazu muss man folgendes wissen: KRAFTWERK ist die frühere Düsseldorfer Gruppe ORGANISATION. Nachdem nun ORGANISATION im Jahre 69 ihre erste LP fertiggestellt hatte, bot man sie in Deutschland den Plattenfirmen an, aber vergebens. Schließlich gelang es ihnen, die Produktion bei RCA in London unterzubringen, die jedoch nach Veröffentlichung ihrerseits das Interesse erlahmen ließ. Trotz dieser Umstände ist diese Scheibe auch heute noch weiter in England im Handel. KRAFTWERK ist heute ein Phänomen in der bundesdeutschen Pop-Szenerie. Auf was ist dieses Phänomen aufgebaut? Ralf Hütter, Organist und Gitarrist der Gruppe, besuchte uns in der Kölner Redaktion und stand uns für Fragen zur Verfügung.

Wie erklärst Du Dir den Erfolg bei Festivals und den noch größeren Erfolg Eurer 1. LP?

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Nun, auf einen einfachen Nenner gebracht, ist es eine sehr einfache Sache. Wir haben erstens die Produktion selbst gemacht. Wir haben ein eigenes Studio in Düsseldorf, das uns für unsere eigenen Produktionen zur Verfügung steht. Und durch eine Identifizierung aller mittelbar oder auch unmittelbar Beteiligten mit der Musik gelang es uns, ein Maximum an Aussage auch auf die LP zu übertragen. Gruppen, die ihre Persönlichkeit musikalisch wiedergeben, werden immer gekauft. Hinzukommt, dass sich unsere Musik in einem Stadium befindet, welches noch nicht abgeschlossen ist. Durch diesen Umstand des nicht Perfektionierten geben wir dem Zuhörer die Möglichkeit zu eigenen Reflektionen. Die Musik von KRAFTWERK kommt mit einem Minimum an Konzept aus. Wir produzieren die Musik innerhalb eines musikalischen Gerüsts, in dem immer gegensätzliche Punkte vorhanden sind und immer vorhanden sein müssen. Ein Beispiel dafür: hoch – tief, vor – zurück, oben – unten, vorne – hinten, etc. Man kann diese Schematik am besten bei dem Titel „Ruck-Zuck“ verfolgen. Der Titel ist eine einzige Verfolgungsjagd, in der die elektrische Flöte von Florian Schneider-Esleben die Fahrt angibt. Florian steigert sich bis zum geht-nicht-mehr, bis zur totalen Auflösung bestehender musikalischer Formen.

Seid Ihr von dem Erfolg der Scheibe überzeugt gewesen?

Der Erfolg ist nicht ausschlaggebend. Ausschlaggebend ist einzig, dass durch die Musik eine Kommunikation mit dem Zuhörer zustande kommt und dass sich der Zuhörer angesprochen fühlt. Dieser Punkt war der ausschlaggebende Gedanke der Produktion überhaupt.

Mit anderen Worten, Ihr drückt durch Eure Musik die eigene Persönlichkeit aus?

Ja, das stimmt, unsere Musik spiegelt unser Leben wider. Das resultiert auch aus der Tatsache, dass wir, als wir an die Produktion der Platte gingen, in einer Kommune zusammenlebten, wo jeder mit dem andern Tag für Tag konfrontiert wurde und sich somit auch mit den Ideen des andern auseinandersetzen musste.

Ralf, Du hast die Gruppe nun verlassen, aus welchen Motiven heraus?

Dazu möchte ich folgendes sagen, dass für viele dieser Weggang unverständlich erscheint, aber für mich ist das eine sehr natürliche Sache. Man kann meinen Bruch mit der Gruppe mit einer erotischen Beziehung zu einer Frau vergleichen, die sich dann mit der Zeit abkühlt. Wenn man an solch einem Punkt angelangt ist, wäre es unsinnig, zu versuchen weiterzumachen. Es ist nun auch nicht so, dass ich mich nun vollkommen isoliert habe von der Gruppe, sondern ich habe noch einen recht guten Kontakt zu KRAFTWERK, der sich in Sessions, persönlichen Gesprächen und anderem widerspiegelt.

Meinst Du, dass sich nach Deinem Weggang die Musik von KRAFTWERK grundlegend ändern wird?

Nein, ich glaube, das wird nicht der Fall sein. Obwohl durch Hinzunahme von einem Gitarristen und Bassisten sich das Klangbild der Gruppe ändern wird, aber trotzdem wird KRAFTWERK seine Eigenständigkeit behalten.

Hast Du schon konkrete Pläne für die Zukunft?

Nein, eigentlich nicht, aber ich habe noch genug mit meinem Architekturstudium zu tun, das ich auf jeden Fall abschließen möchte und leider habe ich bis heute noch nicht wieder Leute gefunden, die ihre Persönlichkeit auch musikalisch produzieren können. Wir hoffen, dass Du diese Leute bald finden wirst, damit wir recht bald wieder etwas von Dir hören.

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