Lana Del Rey: Gesammelte Meinungen zu „Born To Die“


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Die „Femme Fatale auf Valium“ (Süddeutsche), der „feministische Alptraum“ (The Guardian) oder auch letztlich doch „Normalmaß de luxe“ (Die Zeit)? Man kann über Lana Del Rey vieles sagen und genau das wurde in den vergangenen Monaten getan. Ausgiebig. Griffen Blogger, Journalisten sowie das allgemeine Internetvolk dabei noch vor ein paar Monaten besonders gern zu aufgeplusterten Begriffen wie  „Pop-Sensation“ oder „Hoffnungsträgerin“, zogen hochtrabende Vergleiche und setzten gewichtige Einsätze auf Del Rey als neuen Retro-Stern am Pop-Himmel 2012, folgten kurz darauf auch schon wieder erste Schlussstriche unter dem eigentlich noch frisch geschürten Hype. Selbst erste Stimmen, die auch von dem nun öffentlich lautstarken Hype-Ende die Ohren voll zu haben schienen, wurden laut.

Dabei ist das Debütalbum „Born To Die“ heute lediglich eine knappe Woche alt. Grund genug, noch einmal einen Rundumblick zu wagen – was redet die Welt denn nun, wo es tatsächlich ein Album gibt und niemand mehr auf bloße Vermutungen angewiesen ist?

„Normalmaß de luxe“ betitelt Die Zeit ihre Review zu „Born To Die“, eine Überschrift unter die wohl, das macht ein erster Streifzug klar, viele Rezensionen passen würden. „‚Born To Die‘ ist weder Himmel noch Hölle, sondern eine anständige Popplatte geworden, und diese anständige Popplatte unterscheidet sich in Sound und Textur nicht so arg von momentan salonfähigen Mainstreamproduktionen“, lautet dann die Erklärung zum Titel.

Auch der Musikexpress sieht in „Born To Die“ den Beweis dafür, dass sich „dann doch nicht so leicht der Superstar 2.0 bauen lässt, der über die Kondition verfügt, einem kompletten Album Leben einzuhauchen“. Letztlich leistet sie eben bloß den „Rutsch ins Normalmaß“. Ein Urteil, das wohl mehr als wahrscheinlich war, denn, so die New York Times, „bei Musik wie dieser würde eben alles andere als totale Hingabe enttäuschen“, und genau das sei „auf voller Länge des Albums passiert.“ Zudem hätte „Miss Del Rey eine klare Idee von ihrer Präsentation, die einiges zählt – für manche zählt eben diese alles – aber ihr Gesang klingt immer noch wie eine Versuchsstrecke. ‚Born To Die‘ löst nicht Del Reys Probleme, weil es sie nicht wahrnimmt; es ist ein Multiple-Choice-Test, bei dem jede Antwort ‚C‘ lautet“.

Auch The Guardian sieht auf dem Album eine Lana, die „wächsern, betäubt“ wirkt, „verliebt in Bad Boys“ und stets „die Falsche in der Hand“. Dabei sei auf „Born To Die“, anders als bei anderen hedonistischen Ergüssen (beispielsweise bei Lady Gagas „Just Dance“ oder Katy Perrys „Last Friday Night“), die Party wissentlich mit Traurigkeit angefüllt, und mit dieser lakonisch hypnotischen Stimme besungen, die eben diese ausschweifend unterstreicht. Für die Süddeutsche bleibt bloß: „die Banalität des Dösens“.

Ernüchterung auf vielen Kanälen also, wenn auch nicht allen. So ist Jürgen Ziemer der Ansicht, dass es sich bei Lana Del Reys Album um „Pop in Vollendung, inszeniert von einer Sängerin, wie man sie lange nicht gehört hat“ handelt. Und zwar weniger euphorisch, aber doch generell überzeugt, bekennt die Intro, dass „die guten Songs“ doch überwiegen und sich niemand das Album „vom schnarchigen Dagegen-Sein-Wollen kaputt machen“ lassen sollte.

Um sich also, in diesem Sinne, ein eigenes Bild zu machen – falls noch nicht geschehen – geht es hier nach gesammelten Stimmengewirr zum Albumstream.

Lana Del Rey – „Video Games“: