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Lena Dunham: Die meisten Leute haben „Girls“ einfach nicht verstanden

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Lena Dunham: Die meisten Leute haben „Girls“ einfach nicht verstanden

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Ich war immer die Nervensäge“, sagt sie, „immer die quengelnde Göre aus der dritten Klasse. Immer hieß es: Das Mädchen ist ja nicht auszuhalten!“ Die vergangenen fünf Jahre hat Lena Dunham aber nicht nur dazu genutzt, ihre Umwelt in den Wahnsinn zu treiben. Außer mit ihren Memoiren hat sie sich vor allem mit „Girls“ einen Namen gemacht, der HBO-Serie, die nun in ihr sechstes und letztes Jahr geht. Witz und Innovationsfreude sind in der neuen Staffel ungebrochen, wenngleich es Zuschauer gibt, die in Hannah Horvath, der von Dunham gespielten, etwas tapsigen Protagonistin, nur ein Abziehbild ihrer kreativen Leihmutter sehen.

„Viele Leute haben nie verstanden, dass ,Girls‘ als kritischer Kommentar zur Situation privilegierter weißer Frauen gesehen werden kann. Wenn ein männlicher Schauspieler eine Rolle spielt, heißt es schließlich auch nicht: Ich habe den Eindruck, Bryan Cranston will in ,Breaking Bad‘ grenzenlosen Drogenkonsum propagieren.“

Die „Girls“-Girls
Die „Girls“-Girls

Wie gehen Sie damit um, dass manche behaupten, Ihr Engagement für Hillary Clinton habe sie den Sieg gekostet?
Es ist nicht zu fassen! Wir sollten eher der Frage nachgehen, an welchen Rädchen Putin und Russland gedreht haben! Ich glaube ja, dass dieser absurde Vorwurf im rechten Lager ausgebrütet wurde. Das ist eine Vorgehensweise, die ich nun schon seit Langem beobachte: Die Rechten setzen ein Gerücht in die Welt – und verfolgen dann, wie sich die Linken darüber zerfleischen. Aber glauben diese Leute im Ernst, dass ich aufgebe und sage: „Mein Gott, für diese Art von Schlammschlacht bin ich viel zu sensibel“? Da haben sie sich aber getäuscht! Die einzige sinnvolle Funktion meiner Prominenz ist doch, dass ich mich für die Dinge einsetze, die mir wichtig sind. Ich habe mich für Hillary Clinton eingesetzt, als die meisten meiner Altersgenossen auf den Bernie-Zug aufsprangen. Während ich von den Rechten als „liberale Dummschwätzerin“ angepöbelt wurde, verübelten die jungen Leute es mir, dass ich angeblich vor einer Establishment-Kandidatin katzbuckelte.

Ihre Freundin Taylor Swift wurde niedergemacht, weil sie es grundsätzlich ablehnt, sich politisch zu äußern.
Ich denke, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss. Als ich noch jünger und weniger bekannt war, hätte ich nicht gedacht, dass es Menschen gibt, die ihre Meinung nicht publik machen wollen. Inzwischen bin ich etwas vorsichtiger geworden: Wenn du dich politisch äußerst, musst du damit rechnen, dass dir jemand einen Tweet mit dem Lageplan deines Hauses schickt, verbunden mit der Drohung, in Kürze mal bei dir vorbeizuschauen.

Werden Sie nach dem Ende der erfolgreichen Serie „Girls“ weiterhin vor der Kamera stehen?
Da bin ich unentschlossen. Klar, sollten mir die Coen Brothers eine Rolle auf den Leib schreiben, würde ich sofort zusagen. Oder wenn Andrea Arnold mir anbieten würde, eine komplexe und komplizierte Mutter zu spielen, die irgendwo im Norden Englands lebt. Schauspielerei als reiner Selbstzweck ist aber nicht mein Ding. Ich bin da ja nur zufällig reingerutscht, weil ich niemanden kannte, der diesen Typ Mädchen hätte spielen können. Ich hatte einfach Glück – und eine wundervolle Zeit. Mein Vater schüttelt sich noch immer vor Lachen: „Wie zum Teufel hast du einen Golden Globe als Schauspielerin bekommen? Bei den Theateraufführungen in der Schule wurdest du nur als fleischgewordener Gummiball eingesetzt. Und mitten in der Show hast du Mama und mir immer zugewunken!“ Darum glaube ich nicht, dass das mimische Gewerbe meine gottgegebene Bestimmung ist.

Lena Dunham bei der Premiere der sechsten und letzten Staffel von „Girls“ in New York
Lena Dunham bei der Premiere der sechsten und letzten Staffel von „Girls“ in New York

Ihr Freund der Songwriter und Produzent Jack Antonoff nutzt Ihr ­Apartment in Brooklyn gern als Aufnahmestudio. Wie kommen Sie miteinander klar?
Wie es der Zufall will, hält er sich jetzt gerade in einem hinteren Raum der Wohnung auf und macht mit zwei anderen Musikern Aufnahmen. Und ich stelle zu meiner Überraschung fest, dass ich plötzlich das Rockstar-Heimchen bin, das für die Musiker Tee macht. Nein, ich bin wirklich sehr angetan davon, wie zurückhaltend Jack sein kann – um dann im nächsten Moment auf der Bühne alles rauszulassen. Das ist eine Eigenschaft, die ich sehr an ihm schätze. Er kann auch ein großer Geheimniskrämer sein: Wenn er mit Taylor an einem Stück arbeitet, darf ich das Resultat erst hören, wenn alles fertig ist. Es treibt mich in den Wahnsinn!

Wie haben Sie einen endgültigen Schluss für „Girls“ gefunden?
Das Finale findet bereits in der neunten Folge der neuen Staffel statt, während die zehnte dann eher die Funktion eines Epilogs hat; gewöhnlich würde man so was wohl Kurzfilm nennen. Wir haben uns jedenfalls bemüht, ein untypisches Ende zu finden. Bei „Girls“ drehte es sich ja auch nie um eine traditionelle Freundschaft zwischen vier Mädchen, die keine Minute ohne ihre Freundinnen leben können. Insofern wäre ein Finale mit klassischem Happy End wenig überzeugend.

Ihr „Girls“-Kollege Adam Driver spielt in „Das Erwachen der Macht“ den Bösewicht Kylo Ren – aber Sie hatten noch nie einen „Star Wars“-Film gesehen.
Ja, der Nachholbedarf war erheblich. Ich hatte keine Ahnung von dem ganzen Weltraumpersonal und wusste natürlich auch nicht, wer die Guten und wer die Bösen sind und was ein Lichtschwert ist. Aber es ist aufregend, einem Freund in einem Action­film zuzusehen, wie er seine Gegner zerfetzt und übernatürliche Dinge anstellt. So was erlebt man nicht jeden Tag.

Jim Spellman WireImage
J. Countess Getty Images
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