Levon Helms Familie streitet um sein legendäres Woodstock-Venue

Amy Helm wirft Stiefmutter Sandra vor, manipuliert worden zu sein – nachdem ein Aktionärsvotum sie aus der Leitung von Levon Helm Studios verdrängte.

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Ein Machtkampf bei Levon Helm Studios, dem Woodstock-Studio und -Venue des verstorbenen The-Band-Schlagzeugers, hat zur Abberufung von Helms Tochter, der Singer-Songwriterin Amy Helm, aus der Geschäftsführung geführt.

Laut dem Hudson-Valley-Nachrichtenportal „The Overlook“ wird Levon Helm Studios nun von Brian Parillo geleitet, einem Musiker und langjährigen Anteilseigner. Parillo hat die Unterstützung von Helms Witwe Sandra „Sandy“ Helm – doch Amy behauptet, ihre Stiefmutter sei manipuliert worden, um Parillo zu unterstützen. Sandra weist das zurück.

Obwohl die Nachricht vom Führungswechsel erst jetzt an die Öffentlichkeit gelangt ist, wurde Amy bereits nach einem Aktionärsvotum am 26. Mai abgesetzt und Parillo an die Spitze gesetzt. Hinter Parillo stehen sowohl Sandra als auch Barbara O’Brien, eine weitere Hauptanteilseignerin und ehemalige Managerin Helms. Im Zuge von Amys Abgang kündigten mehrere Schlüsselmitarbeiter der Barn – wie das Venue im Volksmund heißt –, darunter der General Manager, der Operations Manager und der Studio Manager.

Handgreiflichkeiten und Polizeieinsatz

Zwei Tage nach dem Votum rückte die Polizei wegen einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen Amy und Parillo in der Barn an. Parillo behauptete, Amy habe ihn „gestoßen“; Amy erklärte, sie habe ihn nur aufgehalten, weil er ihr gegenüber aggressiv geworden sei. Der Polizeibericht ließ offen, wer den Kontakt initiiert hatte – Anklage wurde nicht erhoben.

Anfang Juni schilderte Amy ihre Version der Ereignisse in einer Eingabe beim Ulster County Surrogate’s Court, einem Nachlassgericht, in der sie beantragte, Sandra in der laufenden Erbschaftssache einen Vormund zu bestellen. Amy behauptete, Sandra sei manipulierbar, und warf Parillo „finanzielle Ausbeutung und Missbrauch älterer Menschen“ vor. Außerdem soll Sandra beim Zwischenfall am 28. Mai bereut haben, Parillo unterstützt zu haben, und gesagt haben, sie sei „hereingelegt“ worden.

Auch der Polizeibericht vom 28. Mai hält fest, dass Amy und Sandra angegeben hätten, Parillo versuche, „das Unternehmen zu übernehmen und sich Eigentumsrechte zu verschaffen“. Beide hätten gegenüber den Beamten zudem „anhaltende Probleme mit dem Betrieb und den Geschäftspartnern“ erwähnt.

Sandras Sicht der Dinge

In ihrem Interview mit „The Overlook“ wies Sandra Amys Darstellung jedoch zurück und bekräftigte ihre Unterstützung für Parillo. Sie habe sich eine neue Führung in der Barn gewünscht, nachdem sie besorgt gewesen sei, dass das Venue zu wenig Shows buche und die gebuchten Konzerte nicht mehr dem ursprünglichen Rock-&-Roll-Charakter des Hauses entsprächen. Parillo zu unterstützen, so Sandra, „war ein Weg, Amy zu zeigen, dass ich es mit der Umstrukturierung und einer neuen Leitung ernst meine – und dass er derjenige sein wird.“

Was den 28. Mai betrifft, räumte Sandra ein, desorientiert gewesen zu sein – führte das aber auf die Konfrontation und den Abgang mehrerer wichtiger Mitarbeiter zurück. „Ich habe niemanden gefeuert“, sagte Sandra. „Ich wollte nicht, dass jemand kündigt.“ Ihr Verhalten sei kein Beleg dafür, dass sie unter Druck gesetzt worden sei; dem Antrag auf einen gerichtlich bestellten Vormund erteilte sie eine klare Absage.

Am Sonntag meldete sich Amy erstmals öffentlich auf Instagram zu Wort: „Mit der Zeit werde ich über die beunruhigenden Umstände hinter der aktuellen Situation in meines Vaters Haus und Aufnahmestudio sprechen können. Weder ich noch unser langjähriges Kernteam sind derzeit Teil von Levon Helm Studios und haben nichts mit Entscheidungen oder Maßnahmen der neuen ‚Geschäftsführung‘ zu tun. Was uns im Moment am wichtigsten ist: sicherzustellen, dass die Barn – sowohl das Erbe als auch die Gemeinschaft, zu der wir gehören – sicher und geschützt ist.“

Parillos Gegendarstellung

Ein Sprecher von Amy lehnte eine weitergehende Stellungnahme ab.

In einem Statement gegenüber ROLLING STONE verwies Parillo auf seine langjährige Freundschaft mit Helm und Sandy, die begann, als der verstorbene Schlagzeuger Parillo und seine Band einlud, mit ihm in Woodstock zu spielen. „Es macht mich traurig, dass Amy Helm, seine Tochter, eine private Familienangelegenheit an die Öffentlichkeit getragen hat und wir nun keine andere Wahl haben, als uns zu äußern und die Dinge richtigzustellen“, erklärte Parillo.

Parillo behauptete, Amy habe ihm, Sandra und den anderen Anteilseignern in den 14 Jahren seit Helms Tod im Jahr 2012 „den Zugang zu Unternehmensunterlagen oder sinnvollen Informationen über die Geschäftsführung verweigert“. Zudem hegten sie Bedenken, Amy habe Helms Erbe „vereinnahmt und schlecht verwaltet“. Das, so Parillo, habe Sandra und die übrigen Aktionäre dazu bewogen, seine Übernahme zu unterstützen, damit er „untersuchen kann, wie LHS geführt wurde“.

„Niemand steht über den rechtlichen, ethischen und moralischen Anforderungen, ein Unternehmen zum Wohl aller Beteiligten zu führen – wozu wir Levon, unsere Künstler, Gäste, Mitarbeiter, leitende Angestellte, Direktoren und Aktionäre zählen. Kein ‚Geburtsrecht‘ tilgt mehr als ein Jahrzehnt des Fehlverhaltens“, heißt es in Parillos Statement.

Vergleichsangebot und Eskalation

Ohne konkrete Vorwürfe zu benennen, erklärte Parillo, die „erste Phase“ der Untersuchung sei abgeschlossen und Amy „im Zusammenhang mit einem Vergleichsangebot“ übermittelt worden. Doch, so Parillo: „Amy hat ihre Antwort öffentlich kundgetan. Sie würde lieber das Unternehmen ihres Vaters durch das Schüren von Unwissenheit und Hass gegen LHS in Schutt und Asche legen, als Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Wenn sie es nicht haben kann, soll es niemand haben.“

Mitten im Streit finden in der Barn weiterhin einige Konzerte statt, doch mehrere Helm Family Midnight Ramble Shows – eine besondere Konzertreihe, die Helm selbst 2004 ins Leben rief, um einer Zwangsvollstreckung zu entgehen – wurden verschoben. Ob die Midnight-Ramble-Shows fortgeführt werden, sei „noch offen“, sagte Parillo gegenüber „The Overlook“; er treibt dennoch mit einem neuen Manager die Buchung weiterer Shows voran. Ein Gehalt nehme er derzeit nicht.

Obwohl der Führungswechsel Parillo die Kontrolle über Levon Helm Studios und eine Mehrheit der Aktionärsstimmen verschafft hat, besitzt er keine Anteilsmehrheit. Amy und Sandra halten jeweils 40 Prozent des Unternehmens, während Parillo und O’Brien weiterhin je 10 Prozent halten.

Jon Blistein schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

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