Lizzo über den Flop von „Bitch“: „Ich hab meine eigenen Gefühle verletzt“
Lizzo war zunächst schockiert über die enttäuschenden Chart-Zahlen ihres Albums „Bitch“ – jetzt spricht sie offen über die Musikindustrie und die Anschuldigungen der letzten Jahre.
Lizzo äußert sich zur Rezeption ihres neuesten Albums „Bitch“, das diesen Monat für Schlagzeilen sorgte, weil es nicht in die Billboard 200 einstieg – obwohl ihr vorheriges Album „Special“ 2022 mit 69.000 verkauften Einheiten auf Platz zwei debütiert hatte.
Die öffentliche Wahrnehmung der Grammy-Gewinnerin hat sich in den Jahren zwischen den beiden Alben freilich gewandelt. 2023 verklagten ihre ehemaligen Backup-Tänzerinnen sie wegen sexueller Belästigung, eines feindseligen Arbeitsumfelds und Fat-Shaming – ein Verfahren, das bis heute nicht abgeschlossen ist. In einem aktuellen Gespräch mit Zachary Hourihane, bekannt als the Swiftologist, in dessen Podcast „Proto Pop“ sprach Lizzo offen darüber, wie Fans und die Musikbranche „Bitch“ als kommerziellen Misserfolg einordnen – und wie sie sich fühlte, als die Zahlen zu ihrem neuesten Projekt eintrudelten.
Auf die Frage, wie es ihr nach der Veröffentlichung des Albums ergangen sei, bat Hourihane um „eine echte Antwort, keine PR-Phrase“.
Lizzos ehrliche Reaktion
„Ich werde dich nicht drängen. Du musst dich nicht sofort in die Musik verlieben, Honey. Das war ich noch nie. Ich glaube, gerade – das ist jetzt die Nicht-PR-Antwort – hab ich meine eigenen Gefühle verletzt“, antwortete Lizzo. „Ich war wirklich gestresst und ein paar Tage lang wirklich traurig. Weil ich dachte: Moment mal, das ist mein bestes Zeug. Ich will, dass die Leute es finden. Ich musste akzeptieren, dass sich nicht nur die Musikindustrie in den letzten drei Jahren verändert hat – und darüber müssen wir reden, und wir müssen über den Radio-Aspekt reden, für den mir der Kopf gewaschen wurde, aber es passiert und es stimmt –, sondern auch meine Beziehung und meine musikalische Verbindung zur Welt ist eine andere.“
Die Künstlerin sagte, sie habe „das betrauern müssen“. Letztlich habe sie beschlossen, „es abzuschütteln und weiterzumachen“. Sie fügte hinzu: „Deshalb bin ich heute in diesem Studio – denn was soll man sonst tun? Man muss einfach weitermachen.“
„Bitch“ erschien am 5. Juni, und in seiner ersten Woche verkaufte das Album laut dem Musikdatenunternehmen Luminate 2.649 Exemplare und erzielte knapp 2,7 Millionen On-Demand-Streams. In der zweiten Woche brachen die Verkäufe auf 650 Einheiten ein, während die Streams auf knapp unter 900.000 sanken.
Das „Khia-Asylum“-Phänomen
An anderer Stelle im Gespräch diskutierten Lizzo und Hourihane das sogenannte „Khia Asylum“ – ein umstrittener Begriff aus dem Internet für ehemals erfolgreiche Popstars, die aus dem Rampenlicht verschwunden sind. Der Ausdruck wird vielfach als frauenfeindlich kritisiert, da er hauptsächlich auf weibliche Popstars zielt. „Zunächst mal war ich so schockiert, dass die Leute immer wieder Khia erwähnten, weil es um Khia geht, die Rapperin, ‚My Neck, My Back‘. Wir reden immer noch über sie, über ihren Song“, sagte Lizzo. „Ich finde es schon hinterhältig, ihn nach dieser unglaublich talentierten, bedeutenden Säule der Black Community und des Black Rap zu benennen. Und dann wird er zur Waffe, die nur gegen Frauen eingesetzt wird – und gegen viele Black Women.“
„Ich glaube, es ist ein Werkzeug, um Künstlerinnen zu mobben und Macht über sie auszuüben. Früher hatte der Begriff vielleicht noch eine Bedeutung, aber inzwischen ist er für mich nur noch Unsinn“, fuhr Lizzo fort. „Ich glaube nicht, dass ich im Khia Asylum sein kann. Ich habe Grammys und Weltrekorde in der Musik. Ich habe Nummer-eins-Hits. Ich habe eine Diamond-Platte. Ich bin eine erfolgreiche Künstlerin.“