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Lollapalooza Berlin 2018: Das war der Sonntag mit Liam Gallagher, Wolf Alice, Fink und Kraftwerk

Sommerliche 26 °C im Schatten veranlassten kurz vor Liam Gallaghers Set eine Zuschauerin, sich am frühen Abend die 40-DEN-Strumpfhose vom Leib zu reißen – das frühere Oasis-Mitglied dagegen erschien selbstverständlich trotzdem stilecht in lauschiger Regenjacke. Liebenswert maulig wie sieben Tage Regenwetter war auch die Stimmung, die von der Bühne ins Publikum schwappte, was jedem geneigten Britpop-Fan noch heute das Herz aufgehen lässt. Eher befremdlich wäre an dieser Stelle doch, einen altersmilden, anbiedernden Musiker wiederzusehen. Und so ließ man ihn gern zwischen „Rock’n’Roll Star“, „Some Might Say“ und „Whatever“ rotzig pöbeln – „tough love“ nennt man sowas wohl. Unerwartet aber: Die ersten Reihen dicht gepackter Oasis-Anhänger blökten zurück und brachten selbst Konterkönig Gallagher bei „For What It’s Worth“ einmal kurz aus dem Konzept.

Beim Bühnenhopping zwischen den beiden Main Stages und der Perry’s Stage im Olympiastadion konnte es einem schon mal entfallen, dass es noch eine weitere Alternative gibt – wo am Sonntag Acts wie Alexis Taylor, Friendly Fires und Wolf Alice eine Bühne geboten wurde. Der Rasen vor der Alternative Stage war für viele Besucher eine willkommene Verschnaufpause. Vom Tanzen in der großen Menge, zum ruhigen Lauschen oder auch als Erwachsenen-Rückzugsort vor Glitzermädchen und den absurdesten Instagram-Posen.

Insbesondere der englische Singer-Songwriter Fink wirkte mit seinem einstündigen Set zu Sonnenuntergang für nahezu meditative Stimmung bei jenen, die nach den Ostblockschlampen vielleicht kurz in Frage gestellt haben, ob handgemachte Musik heute überhaupt noch eine Chance hat.

Es ist natürlich eine verwegene Idee, Kraftwerk mit 3D-Einsatz als Rausschmeißer für eines der größten deutschen Festivals zu engagieren. Eine Band, die keine neuen Songs mehr veröffentlicht, sondern sich in einem einzigartigen Pop-Experiment vor den Augen ihrer Fans zu einem Kunstgegenstand fürs Museum verwandelt hat.

Für viele Schaulustige ist das Konzert von Kraftwerk auch deshalb ein Ereignis, weil die wenigen Auftritte, die die Musiker in den letzten Jahren an ausgewählten Orten gaben, in kürzester Zeit ausverkauft waren. An diesem herrlich schönen Spätsommerabend spielen sie, als hätten Ralf Hütter und seine Kollegen das so bestellt, direkt in den Sonnenuntergang hinein – für mehrere Tausend Menschen. Schimmerndes Neonlicht für die sich über den Olympiapark senkende Nacht.

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