Massive Attack in Berlin: Friedlicher Widerstand unverwüstlich


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Die Polizeibarrieren vor der besetzten Flüchtlingsschule in Kreuzberg sind abgebaut und auf die angrenzenden Bürgersteige zwischengelagert worden. Nur noch vereinzelt lungern Polizisten in ihren Streifenwagen herum, wo wenige Tage zuvor noch Hundertschaften einen ganzen Bezirk lahm legten. Vor einem Spätkauf in der ehemaligen Sperrzone starren Menschen wie hypnotisiert auf das Viertelfinal-Spiel Argentinien gegen Belgien, das auf einer riesigen LCD-Leinwand über den Gehweg flimmert.

Wenige Kilometer weiter geht um kurz nach halb neun im Berliner Tempodrom das Licht aus. Strobolicht flackert über die Köpfe eines jubelnden Bildungsbürgerpublikums. Nach ihrem Baggerloch-Gig vor vier Jahren sind Massive Attack wieder zurück. In ihrer über 25-jährigen Bandgeschichte gab es so viele Auszeiten und Streitereien, dass man nie sicher sein kann, ob das Soundkollektiv aus Bristol noch lange weitermachen würde. Dabei standen gerade sie in den 90er Jahren für stilprägend friedlichen musikalischen Protest. Kürzlich kündigten die Urgesteine Robert „3D“ Del Naja und Grantley „Daddy G“ Marshall sogar wieder ein neues Album an.

Live gibt es noch keine neuen Songs, stattdessen beim einzigen Deutschland-Konzert eine Revue ihrer mittleren Schaffensphase mit zentralen Stücken wie „Angel“ oder „Teardrop“. Die stimmgewaltige Deborah Miller tritt zum Klassiker „Safe from Harm“ im schwarzen Kleid mit Erzengel-Federkranz auf die Bühne.

Co-Stimme Martina Topley-Bird in Afrika-Tunika mit Glitzerstiefeln, die genau den ersten Song überstehen. Und Jamaica-Dauergast Horace Andy tänzelt wie ein alternder Wolf über die Bühne. Wie immer bei Massive Attack dominiert eine aufwendig LCD-Licht- und Designshow den Auftritt. Politische Textbotschaften, Google-Suchanfragen und Krawallmeldungen aus dem internationalen Boulevard, selbst auf Deutsch („Deutsche schauen lieber Fußball“) untermauern den Agit-Prop-Anspruch der Electroschrauber.

Straßenrandale draußen, Designer-Randale im Saal. Das kopfnickende Publikum lässt sich in einen massiven Bann locken. Bezeichnenderweise bleiben die Smartphones auch ohne Knips-Verbote in den Jackentaschen. Sound und Faszination regiert. Zum Abschluss dann noch der Überhit: Mrs Miller lotet ihr unerhörtes Stimmvolumen bis zur letzten Oktave aus und führt die 1991er-Elegie „Unfinished Sympathy“ in die Jetztzeit. Alles tanzt, keiner knipst. Massive Attack holen sich auch vom sitzenden Publikum Standing Ovations. Eine Legende hat bewiesen, warum es sie immer noch gibt.


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