Meisterwerke der Neunten Kunst: Die 25 besten Comics 2016


25. COWBOY HENK von Kamagurka (Szenario, Zeichnung)/Herr Seele (Szenario, Zeichnung)
Edition Moderne
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Seit 1981 zeichnet der Illustrator Peter van Heirseele aka Herr Seele gemeinsam mit dem Cartoonisten Luk Zeebroek alias Kamagurka an der surreal-dadaistischen Superhelden-Persiflage „Cowboy Henk“, die vor zwei Jahren auf Europas wichtigstem Comicfestival in Angoulême als Kulturerbstück ausgezeichnet wurde. Anlässlich des Gastauftrittes von Flandern und der Niederlande ist nun eine Auswahl der in verschiedenen Magazinen erschienenen Strips erschienen. Der titelgebende Held ist ein Muskelprotz mit blonder Tolle, der der Idiotie der Welt mit Leichtigkeit und Wahnwitz den Kampf ansagt. Mit viel schwarzem Humor werden politische und gesellschaftliche Tabuthemen mit den Alltagsängsten des queeren Henk vermischt, um diese dann wiederum mit einer gewaltigen Prise an Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll zu würzen. In den die Episoden eröffnenden Vignetten wird der franko-belgische Stil aufgebrochen. In diesen Starschnitten findet ein begeisternder Mash-Up von Bauhaus, Jugendstil, klassischer Moderne, naiver Malerei und Pop-Art statt, der jeder einzelnen Story ihre Prägung gibt – eine Verneigung vor den schönen Künsten.

24. SPRING #13 – THE ELEPHANT IN THE ROOM von SPRING-Kollektiv & Gästen
mairisch verlag
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Für die dreizehnte Ausgabe von Deutschlands bester Comic-Anthologie haben sich acht Zeichnerinnen des SPRING-Kollektivs (u.a. Ulli Lust, Barbara Yelin, Stephanie Wunderlich) ins indische Bangalore begeben. Dort haben sie mit acht indischen Illustratorinnen Geschichten gezeichnet, in denen sie vom Leben als Frau, von Selbstzweifeln und Konflikten, Liebe und Gewalt erzählen. Auffällig dabei ist, dass sie sich über Herkunftsgrenzen hinweg energisch an ihren Eltern und Großeltern reiben, sei es, weil diese als emanzipierte Vorbilder wirkten oder weil sie die Selbstbehauptung ihrer Töchter und Enkelinnen irgendwann unterliefen. Die Geschichten sind voller Geständnisse und Bekenntnisse, aber auch voller Selbstironie und Lust am stilistischen Experiment. Etwa wenn Ludmilla Bartsch lustige Frauenfrüchte auftreten lässt oder Nina-Pageleis Vagina-Tempel zeichnet. In den Geschichten geht es mehr oder weniger subtil immer um die weibliche Selbstbestimmung und ihre permanente Bedrohung durch (meist) männliche Gewalt. Eindrucksvoller, vielfältiger und wehrhafter als in dieser Ausgabe kann man den oft mit dem Etikett des Feminismus versehenen Kampf um die eigene Identität nicht umsetzen.

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„Lucky Luke“ bekommt erstmals einen schwarzen Sheriff

In Zeiten von „Black Lives Matter“-Protesten und dem Tod von George Floyd hätte die neue „Lucky Luke“-Comicserie nicht besser wieder in die Gänge kommen können. In der neuen Ausgabe des Western-Comics wird zum ersten Mal in knapp 70 Jahren ein Afroamerikaner eine wichtige Rolle spielen. Thema Rassentrennung Normalerweise ist der Titelheld vor allem als „einsamer Cowboy“ bekannt, der Alleingänge höchstens in Begleitung von seinem Pferd Jolly Jumper und dem Hund Rantanplan unternimmt. Schließlich kann der Cowboy schneller als sein Schatten schießen, wer braucht da schon Unterstützung? Im neuesten Comic wird „Lucky Luke“ jedoch zusammen einsam sein – an der Seite…
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