Mick Jagger über die Frage, wer besser ist: Beatles oder Rolling Stones?


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Ein ereignisreiches Wochenende für die Rolling Stones steht an: Mit „Living in a Ghost Town“ veröffentlicht die Band einen neuen Song, außerdem gaben Mick Jagger und Keith Richards ein Interview, in dem sie über die Zukunft und Vergangenheit der Stones sprechen, über Corona-bedingte Tour-Ausfälle und die Herz-OP Jaggers.

Aber es gab da noch ein anderes Thema, das unter den Nägeln brennt. Beatles vs. Stones. Ein Thema, das unter Fans beider, aber natürlich auch unter Fans nur einer der beiden Mega-Bands seit Jahrzehnten diskutiert wird. Welche der beiden Bands ist besser?

Über die Dekaden wurden immer wieder Zitate von Musikern der Gruppen kolportiert, die übrigens seit den frühen 1960er-Jahren freundschaftliche Beziehungen untereinander pflegen – sie sahen sich nicht wirklich als Konkurrenten. In den Nullerjahren soll Jagger mal gesagt haben: „Ja, wir waren die Nummer zwei. Aber die beste Nummer zwei aller Zeiten.“ Nun hat Paul McCartney unlängst die Diskussion wieder befeuert. Im Gespräch mit dem bohrenden Howard Stern sagte der 77-jährige vor wenigen Tagen: „Die Beatles waren besser als die Stones“.

25. August 1967: Paul McCartney und Jagger fahren nach Bangor

Im Interview mit „Apple Music“ wurde Mick Jagger nun von Zane Lowe aufgefordert, zu diesem Vergleich Stellung zu beziehen. Lowe leitet die Frage damit ein, dass er Howard Stern eine Suggestiv-Methode unterstellt, weil der sagte :„Nun komm schon, Paul, die Beatles waren doch besser als die Stones“.

Aber auch Mick Jagger ist Profi und versucht zunächst, die Frage Lowes gar nicht zu beantworten. McCartney sei ein „Sweatheart“, und es gebe „absolut keinen Wettbewerb“.

„Die Rolling Stones prägten das Tourgeschäft, die Beatles nicht“

Doch auch Lowe lässt nicht locker. Dann holt Jagger zu einer Erklärung aus, die geschickt ist, weil er damit die Frage nach Konkurrenz aus dem Weg geht; er bezeichnet sich in dieser Hinsicht hier auch als „Politiker“. „Der Unterschied besteht darin: Die Stones sind seit vielen Jahrzehnten eine große Liveband, und das in ganz anderen Arenen, als jene, in denen die Beatles spielten. Die Beatles absolvieren zu keiner Zeit eine Arena-Tour.“ Zum Beispiel nicht im Madison Square Garden, mit einem „angemessenen Sound-System“.

Die Beatles hätten sich zu einem Zeitpunkt aufgelöst, als das Tourgeschäft erst richtig ins Rollen kam – „all das ging erst mit dem Ende der 1960er-Jahre los.“

Mick Jagger bezeichnet die Tournee von 1969 als erste, die für die Stones ihren Namen verdient hätte: „real sound, your own sound systems, your own stage, your own stage surface.“ In Amerika sei es für sie in Hockey- und Basketball-Arenen gegangen. Etwas, dass die Beatles nicht erlebt hätten.

Die einen haben Glück, die anderen gibt es nicht mehr

The Beatles, Shea Stadium, New York, 15. August 1965.

Natürlich, so Jagger, seien auch die Beatles in großem Rahmen aufgetreten: „Ein toller Gig, ich war dabei, im Shea Stadium (1965 in New York City, rund 55.000 Zuschauer). Aber die Stones machten weiter, in den 1970ern, und bis heute. Das ist doch der wahre Unterschied zwischen den beiden Bands. Die eine hat unbeschreibliches Glück, immer noch in Stadien auftreten zu können – und die andere Band existiert gar nicht mehr.“

Antonia Hille Getty Images
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