Neu im Plattenregal


von

Badly Drawn Boy – „It’s What I’m Thinking“
Es passiert selten, dass man in einem Promoschrieb mal brauchbare Zeilen lesen kann – aber dieser Satz über die seltsame Karriere des Badly Drawn Boy trifft die Sache einfach ganz formidabel: „Was für Damon [auf den Mercury Award 2000] folgte, war eine Dekade, geprägt von Aufgeregtheit, Erfolgen, Kritikerlob, aber auch gespickt mit Rückschlägen, voll sonderbarer Erlebnisse mit Geschäftpartnern und der Musikbranche, letztlich eine Dekade der Möglichkeiten und Erfahrungen. Und zu Beginn dieses neuen Karrierejahrzehnts finden wir Mr. Gough genau so vor, wie wir es vor 10 Jahren taten: auf dem Gipfel seiner Kreativität. Und auf seinem eigenem Label.“ Autsch. Aber genau so steht es gerade um den verschrobenen Melodienliebhaber mit der charakteristischen Wollmütze. Trotz seines umfeierten Soundtracks für die Hornby-Verfilmung „About A Boy“, trotz Mercury Award für „The Hour Of Bewilderbeast“, trotz des wirklich gelungenen Albums „Born In The U.K.“ – trotz all dem ist die mediale Erregungsmaschinerie inzwischen einen Songwritertypus weitergezogen. Aber das scheint Gough nun nicht mehr zu kratzen. Seit seiner Arbeit am Soundtrack von Caroline Ahernes Film „The Fattest Man In Britain“ fühlt er sich geradezu revitalisiert. „Ich habe solch eine Fülle an Liedern, an denen ich arbeiten möchte“, erklärt Gough, „und eigentlich will man als kreative Person diesen Fluss von Ideen nicht kappen. Denn genau dieser Flow lässt dich immer weitermachen.“ Deshalb auch die Idee gleich eine Trilogie anzulegen. Der Name: „It’s What I’m Thinking“. Die Bedeutung: „Das erklärt eigentlich nur ein bisschen meine Arbeitsweise: alles, was was ich tue ist, die Songs zu schreiben, in ihnen findet man letztlich alle meine Gedanken.“ Wenn man das Album nun so hört, kann man vermuten, dass es ihm momentan recht gut geht: Auch wenn es oft melancholisch zugeht, regiert der Wohlklang und die himmelhochjauchzende Melodie. Nur manchmal übertreibt er es ein wenig und klingt fast schlageresk. Ab 15.11. ist Bady DRawn Boy auf Tour: 15.11.2010 Backstage, München / 19.11.2010 Luxor, Köln / 21.11.2010 Lido, Berlin / 22.11.2010 Stageclub, Hamburg. Hier das aktuelle Video:

Ray Davies – „See My Friends“
An dieser Stelle nicht zu viele Worte: Ray Davies hat mit „befreundeten“ Musikern aller Stilschubladen von Metallica über Bon Jovi, Snow Patrol, Lucinda Williams bis hin zum inzwischen verstorbenen Alex Chilton alte Kinks-Klassiker neu aufbereiten lassen – und pro Song eine Strophe übernommen. Das klingt im Falle Chilton und Williams noch gut, beim Rest bleiben die Ergebnisse allerdings durchwachsen. Joachim Hentschels Fazit sagt alles: „Ray Davies braucht Geld. Überweisen Sie ihm welches.“ Die ganze Rezension gibt’s hier, einer der schlimmsten Songs klingt so:

Depeche Mode – „Tour Of The Universe: Barcelona 20./21.11.09“ (CD-DVD)
Zwei CDs und eine DVD von zwei Konzerten des „Tour Of The Universe“-Stopps in Barcelona. Fantastisch gefilmte Aufnahmen der an visuellen Reizen eh nicht armen Show. Hier gibt’s noch immer unsere Verlosung des guten Stücks. Was einen auf der CD-DVD erwartet, kann man hier sehen:


Neil Diamond – „Dreams“

Rick Rubin ist immer noch Neil Diamonds Wunschproduzent. Bereits zum dritten Mal arbeitet er mit ihm zusammen, diesmal um ein ganzes Album voller Coverversionen einzuspielen. Bevor nun einer „American Recordings“ schreit: Die Gemeinsamkeiten bleiben übersichtlich, denn Rubin ist hier nicht Ideengeber und Songanreicher wie bei Cash, Neil Diamond verneigt sich hier ausnahmslos vor seinen Idolen. Auf „Dreams“ gäbe es, wie unser Autor Alexander Müller in der Dezemberausgabe schreiben wird, „ausschließlich wertkonservative Coverversionen seiner Lieblingssongs.“ Müller ist von den Songs durchaus angetan, sagt aber dennoch: „Das Recycling von ohnehin zeitlosen Melodien kann einfach nicht der Weisheit letzter Schluss sein.“ Im Moment kann man das komplette Album auf der Mypsace-Seite des Künstlers hören.

Kid Cudi – „Man On The Moon II: The Legend Of Mr. Rager“
Das neue Album des Kanye West-Ziehkinds und Jay-Z-Kumpels (er rappte im Songs“Already Home“ mit) kommt etwas direkter und düsterer daher als sein Debüt aus dem letzten Jahr. Mit an Bord sind Kanye West, Mary J. Blige und Gnarls Barkey-Stimme Cee-Lo – das sagt wohl eine ganze Menge über sein Standing bei den Kollegen. Hier kann man ins Album reinhören:

Emily Jane White – „Ode To Sentience“
Unser Rezensent Jörg Feyer meint in unserer kommenden Ausgabe: „Nach dem auch politisch motivierten Blick auf ein ‚Victorian America‘ kehrt die Frau mit der zarten, aber nicht verhuschten Alt-Stimme diesmal ein paar Beziehungsscherben vor der eigenen Haustür zusammen. Und klingt dabei auch in einer ‚Ode To Sentience‘ nur selten bloß gefühlig.“ Das muss man bei dem Thema erst einmal schaffen. Einige Songs gibt es auf der Myspace-Seite der Künstlerin, und auch in dieser wunderbaren Live-Session spielt sie ein paar:

Emily Jane White – A Take Away Show from La Blogotheque on Vimeo.

„Yello By Yello – The Anthology (Limited Deluxe Edition)“ und „The Singles Collection 1980-2010“
„Yello By Yello – The Singles Collection 1980-2010“ enthält die 20 erfolgreichsten Single-Hits der langen Karriere Yellos sowie eine neue Version ihres Hits „Vicious Games“, der in Produktion und Arrangement neu aufgearbeitet wurde und mit der Stimme der Schweizer Popsängerin Heidi Happy beinahe zwingender klingt als das Original. Die „Singles Collection“ enthält zudem eine DVD mit 23 Yello-Videos. „Yello by Yello – The Anthology Box“ ist ein opulent aufgemachtes 3-CD-Box Set zum Ins-Regal-Stellen. Es enthält neben der „Singles Collection 1980 – 2010“ zusätzlich die Doppel-CD „The Anthology“. Auf Ihr haben Dieter Meier und Boris Blank die für sie ganz persönlich wegweisenden Yello-Tracks der letzten 30 Jahre zusammengefasst. Und wer vergessen hat, was Yello waren und konnten, der schaue sich noch mal den Videoklassiker „The Race“ an.

In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende (im Plattenladen)!

Zusammengestell von: Daniel Koch